Verdruckst, verlogen und verzockt.

Das verschwurbelte und verstammelte „go“ der Kanzlerin zur Homoehe erinnert sehr an Günter Schabowskis Maueröffnung aus Versehen. Muss man als Schwuler Angela Merkel jetzt dankbar für die Ehe für alle sein? Keine fünf Sekunden. Für dieses unwürdige, zum Himmel stinkende und dann auch noch völlig verstolperte taktische Manöver nach über zwölf Jahren Vollblockade der CDU-Vorsitzenden kann man sich nur fremdschämen.

Als mein Gatte und ich uns vor 10 Jahren im Säulensaal des Roten Rathauses vor einer Standesbeamtin das Ja-Wort gaben, war es eine reine Liebesheirat. Zumindest bilde ich mir das bis heute ein. Denn außer Pflichten hatte das Lebenspartnerschaftsgesetz uns nichts zu bieten. Gut – ein gegenseitiges Besuchsrecht im Krankenhaus und natürlich die Verpflichtung, im Notfall füreinander zu sorgen – und den Staat damit zu entlasten.

Dieses „Lebenspartnerschaftsgesetz light“, das von der Rot-Grünen Bundesregierung unter Bundeskanzler Gerhard Schröder gegen den massiven Widerstand von CDU/CSU und deren Vorsitzende Angela Merkel und Edmund Stoiber überhaupt erst durchgesetzt werden musste, war ein Pflichtenkatalog ohne Rechte. Dennoch waren wir dankbar, dass es jetzt wenigstens überhaupt einen rechtlichen Rahmen für unsere Ehe gab. Die wir damals wie heute natürlich Ehe nannten – wie unsere Eltern, Verwandten, Freunde und viele andere auch. Dieses Light-Gesetz war deshalb so schwach auf der Brust weil der CDU/CSU dominierte Bundesrat es so hart bekämpft hatte, dass nichts darin übrig geblieben war, was man als Gleichstellung hätte werten können: Keine Hinterbliebenenrente, keine gemeinsame Steuererklärung geschweige denn ein Ehegattensplitting, kein Erbrecht und schon gar kein Adoptionsrecht – ob sukzessive oder nicht.

Wir bauten damals gerade und schlossen dann gegenseitig hohe Risikolebensversicherungen ab, um die im Todesfall fällige horrende Erbschaftssteuer zahlen zu können. Denn im Erbrecht wurden wir behandelt wie Fremde – trotz Lebenspartnerschaft. Im Todesfall eines von uns beiden, wäre der Hinterbliebene nicht nur auf den offenen Krediten sitzen geblieben – er hätte auf sein eigenes Haus Erbschaftssteuer in voller Höhe zahlen müssen.

Danke für nichts, Frau Merkel.

Als wir im Roten Rathaus heirateten – wir reden über 2007 – blockierten unionsgeführte Bundesländer noch die Standesämter für Lebenspartnerschaften. Dort durfte man dann in der KFZ-Zulassungsstelle den Bund fürs Leben schließen – oder im Forstamt. Diese entwürdigende Zeremonie fand in meinem Heimatland Baden-Württemberg erst mit der Grün-Roten Koalition und der Abwahl der CDU ein Ende. Im Jahre 2012. Gab es zuvor ein Wort der CDU-Vorsitzenden zum Thema?

Danke für nichts, Frau Merkel.

Das Bundesverfassungsgericht brachte dann die Reformen. In der Hinterbliebenenrente, im Erbrecht, im Steuerrecht. Alle Koalitionspartner der CDU/CSU – die FDP, mit dem schwulen Außenminister und Parteivorsitzenden Guido Westerwelle, oder die SPD (es war ja schließlich ihr Gesetz), hätten diese Reformen sofort mit Merkel umgesetzt. Aber sie wollte nicht– sie hielt sogar aktiv dagegen. Bei jedem einzelnen Punkt. Nicht nur beim Adoptionsrecht.

Nachdem mein Mann und ich endlich eine gemeinsame Steuererklärung abgeben durften, bekam ich noch zwei Jahre lang meine Unterlagen vom Finanzamt an Frau Stauss geschickt. Denn die bundesweite Software (aus Bayern) kannte keine zwei Männer in der Steuererklärung. Und so hielt man es einfach so, dass der zweite Mann im Alphabet zum Weiblein gemacht wurde. Haha. Wirklich lustig. Jahre vorher hätte diese Umstellung schon stattfinden können. Politisch gewollt und ordentlich vorbereitet. Frau Merkel überließ dem Verfassungsgericht die Arbeit.

Danke für nichts, Frau Merkel.

Dann kam die demütigende zum fremdschämen peinliche TV-Debatte im Jahre 2013, in der die Bundeskanzlerin einem jungen Mann, der mit seinem Partner gerne gemeinsam ein Kind adoptieren wollte, erklärte: „Ich werde einen solchen Gesetzentwurf nicht einbringen.“ Sie begann den Beitrag aber mit den Worten „Zunächst einmal vorweg – ich bin gegen jegliche Form der Diskriminierung.“ Ein Debattenbeginn, den wir auch in der Variation „Zunächst einmal vorweg: ich habe nichts gegen Ausländer…“ gut kennen. Denn auch bei Merkel folgte dann das Gegenteil – nämlich warum sie sehr wohl gleichgeschlechtliche Eltern weiterhin diskriminieren wolle: Weil sie persönlich sich unwohl dabei fühle und das Kindswohl im Mittelpunkt stehe. Wer sich das Gestammel noch einmal reinziehen will: Youtube macht es möglich. Es gibt politische Entscheidungen, die trifft man nicht aus dem Bauch heraus, denke ich. Es war schlimm, das mitanzusehen. Sie räumt dann noch ein, dass doch die Sukzessivadoption heute schon möglich sei. Ja, aber nicht wegen ihr – denn wer hat’s entschieden? Richtig, das Bundesverfassungsgericht. Und wer war dagegen? Richtig: Frau Merkel und die CDU/CSU.

Danke für nichts, Frau Merkel.

Und dann kam die „Brigitte“ und die Kanzlerin schwafelte sich einmal mehr in eine Reform – genauso verdruckst, genauso verklemmt wie sie 2013 die Ehe für alle ablehnte, versuchte sie sich nun in die Gegenwart zu schrauben. Herhalten musste diesmal ein lesbisches Paar im Wahlkreis, das sich um acht Pflegekinder kümmert. Darunter geht es natürlich nicht. Eines oder zwei Kinder hätten Merkel nicht gereicht, denn solche schwulen oder lesbischen Elternpaare hätte sie in den letzten Jahren ja schon überall kennenlernen können – wenn auch ohne gemeinsamem Adoptionsrecht und damit immer mit einem rechtelosen Elternteil. Abgesehen davon, dass viele Jugendämter in allen Bundesländern schon seit Jahrzehnten sehr gerne gleichgeschlechtliche Paare als Pflegeeltern nutzen. Vor allem auch für die schwierigen Fälle, für die sich keine anderen finden. Ja, wenn der Staat etwas davon hat, dürfen die Schwulen und Lesben gerne einspringen. Aber wehe, sie wollen gleiche Rechte.

Doch selbst das bewundernswerte lesbische Paar im Wahlkreis war noch nicht genug. In der Debatte betonte Merkel, dass es wahrscheinlich vielleicht doch eventuell gegebenenfalls besser sei, von zwei Lesben liebevoll erzogen zu werden, als von heterosexuellen Eltern verprügelt. Dass gleichgeschlechtliche Eltern einfach so ihre Kinder gut erziehen können und nicht nur im Vergleich zu prügelnden Alternativen – das kommt der Kanzlerin selbst 2017 noch nicht in den Sinn.

Danke für nichts, Frau Merkel – für weniger als nichts sogar.

Nach Merkels verschwurbeltem „Go“ zur Ehe für alle, versuchte die Union noch zu retten, was zu retten war. Auf Berlins Sommerfesten säuselte ein schwuler CDU-Abgeordneter etwas von „das war doch erst für nächste Woche geplant.“ Und es wundert einen nicht, dass selbst dieser schwule Unionist damit zufrieden gewesen wäre, wenn man in dieser Legislaturperiode nicht mehr abgestimmt, sondern einfach nur das Thema „abgeräumt“ hätte. Damit es im Wahlkampf nicht weiter stört. So wie Merkel eben schon seit Jahren Inhalte im Wahlkampf nur noch stören.

Es geht und es ging immer um Menschen. Um Eltern, um Mütter, um Väter. Um die täglichen kleinen und großen Demütigungen – die zwar abgenommen haben aber immer noch an jeder Ecke auf uns lauern. Staatlich legitimiert und die längste Zeit nicht nur mit dem Segen der Kanzlerin, sondern wegen ihrer harten, klaren und berechnenden Ablehnung jeder Reformen.

Frau Merkel hat den Weg zur Ehe für alle durch einen Verbalunfall frei gemacht. Was hat sie bewogen? Die Umfragen, die eine klare Mehrheit für die Ehe für alle zeigen? Waren es wieder die Umfragen? Wie bei der Kehrtwende in der Atompolitik?  War es wieder nur Berechnung wie bei den vielen anderen Wenden der Angela Merkel? Ohne Überzeugung, ohne inneren Kompass?

Ach, wäre das toll, wenn ein Kanzler mal wieder Spaß am Fortschritt hätte – aus Überzeugung!

Es geht doch, wie man an Trudeau sehen kann. Dem macht Gleichberechtigung Spaß. Und es ist ja auch wunderbar, Menschen zu ihrem Recht zu verhelfen, ihre Liebe anzuerkennen, ihrem Kinderwunsch oder bereits ihren Familien und Erziehungsleistungen Respekt zu zollen.

Merkels verklemmtes Gestammel ist wahrscheinlich die trostloseste Verkündung einer gesellschaftlichen Reform in der Geschichte der Republik.

Nach den Jahrzehnten des Kampfes hätte die „Ehe für alle“ einen würdevolleren Einzug in das Recht der Deutschen verdient.

Danke für nichts, Frau Merkel.

Version 2
Bei diesem Anblick bekommen Sie Schnappatmung?
Dann fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker.

 

Siehe auch den Blogbeitrag  „Liebe in Zeiten der saarländischen Inquisition“ von 2015 – geschrieben aus Anlass einer schlimmen Bemerkung von Merkels Schwurbel-Schwester im Geiste, Frau Kramp-Karrenbauer.

teaser_hoellenritt_wahlkampf_2017

Share on FacebookTweet about this on TwitterShare on Google+

Die Flanken weit offen.

Die Tranquilizer-Strategie der CDU ist eine völlig unnötige Einladung an ihre Gegner – und eine zweite Chance für Merkels Herausforderer.

„Gut & Gerne“ – oder eher „Gutes von Gestern“ – man weiß nicht, was die CDU geritten hat, ihre erwiesenermaßen für andere Kunden brillant arbeitende Agentur so zu quälen, dass am Ende der reine Biedermeier regiert.

Aber da eine gute Agentur auch immer nur so gut sein kann, wie ihr Kunde es zulässt, darf man vermuten, dass es um mehr als um Slogans und Plakate geht. Es geht um eine Wahlkampf-Strategie. Es geht darum, was die CDU und ihre Kanzlerin einem Land und einer Welt im Umbruch in diesem Wahlkampf anbieten wollen. Diese Antwort ist jetzt klar: Nichts. Zumindest nichts Neues.

Die CDU spekuliert darauf, dass alle zukünftigen Ideen, Innovationen und Vorhaben einer 4. Amtszeit Merkels von den potentiellen Zulieferparteien entwickelt werden. Also von der SPD, den Grünen oder der FDP. So wie VW vermutlich darauf spekuliert hat, dass ihre Zulieferer ein Elektroauto entwickeln, das dann nur noch in Wolfsburg zusammengeschraubt werden muss. Hat nicht funktioniert.

teaser_hoellenritt_wahlkampf_2017Wenn man hinter der CDU-Kampagne etwas wie eine Koalitions-Strategie vermuten will, dann kann es nur eine Einladung an Christian Lindner und seine Start-Up-FDP sein. Indem die CDU jeden Schwung, jeden Esprit, jeden neuen Gedanken outsourct macht sie die Flanke weit auf für die runderneuerten Liberalen.

Mit macronesker Attitude und trudeaueskem Look ist Lindner auf dem besten Wege, im Endspurt des Superwahljahres so massiv merkelmüde Wähler abzugreifen, dass die 35% für die Union wieder wahrscheinlicher sind als die 40 und die Zweistelligkeit der FDP wahrscheinlicher als die Einstelligkeit.

Mit Unterstützung der sich auflösenden, zerstrittenen und nur noch von regelrecht abstoßenden Akteuren getragenen AfD, kann die Union evtl. dort noch 2-3 Prozent reumütige Bieder-Deutschtümler abholen – aber auf der anderen Seite wird sie viele verprellen, die doch noch ein Mindestmaß an Gestaltungsanspruch an ihre Regierung stellen. Ja, Schwarz-Gelb ist wahrscheinlicher geworden – aber dann mit einer schwächeren Union und einer deutlich stärkeren FDP. Das ist die eine Möglichkeit.

Die CDU gibt einem weiteren Akteur wieder viel Raum, den er sich gar nicht hätte träumen lassen können: Martin Schulz.

„Wenn Dein Gegner am Ertrinken ist, werfe ihm Blei zu“, war ein Satz, den ich in der Clinton/Gore Kampagne lernte. Übersetzt in die heutige Zeit heißt das: Wenn Dein Herausforderer von 30% wieder auf 24% abgesunken ist, dann unternimm alles, damit er nicht wieder hochkommt.

Nichts ist gefährlicher als ein Comeback-Kid. Ein Gegner, der schon totgesagt war, aber wieder kommt und dadurch sogar noch mehr Momentum entfachen kann, als beim ersten Anlauf. Weil die Menschen sehen, dass er kämpft, dass er nicht aufgibt, dass er seine Haltung und Überzeugung bewahrt und unbeirrt seinen Weg geht. Für sie – nicht für sich selbst. Und weil er den Menschen auch inhaltlich eine Alternative bietet, die am Ende für sie vielleicht doch besser ist, als nur die Verlängerung des Staus Quo.

Aus Sicht der CDU hätte dies bedeutet, Schulz und die SPD inhaltlich zu fordern, zu treiben, selbst Ideen zu entwickeln und die SPD damit noch deutlicher in die Defensive zu drängen. Das Gegenteil ist der Fall. Die CDU lässt sich treiben. In der Steuerpolitik, in der Familienpolitik, in der Sozialpolitik sowieso aber auch in der Wirtschaftspolitik. Natürlich liegt das auch daran, dass die Brüche in der Union so massiv sind, dass man sich untereinander kaum auf Substantielles verständigen kann. Aber man hat es vermutlich noch nicht einmal versucht.

Merkel erschien zum Ende des Jahres 2016 müde und ideenlos. Heute wirkt sie nur nicht mehr müde. Die CDU hat sich für die vermeintlich sichere Bank entschieden. Nicht anecken, nichts wollen, demobilisieren, beruhigen. Aber 2017 ist nicht 2013.

In einem völlig sinnfreien Timing präsentiert die CDU ihre Tranquilizer-Kampagne ausgerechnet vor dem entscheidenden SPD-Parteitag, von dem man jetzt schon weiß, dass dort viel kluge Programmatik verabschiedet werden wird: Steuerreform, Rentenreform, Familienförderung, Wohneigentumförderung, gesellschaftliche Reformen, Gleichberechtigung und mehr. Und man darf vermuten, dass Martin Schulz seine zweite Chance nutzen wird.

Der Ball liegt jetzt wieder im Feld der SPD. Ein völlig unnötiger Ballverlust der CDU. Das Rennen um die besten Ideen für Deutschland ist wieder offen. Vielleicht sogar das Rennen um das Kanzleramt.

teaser_hoellenritt_wahlkampf_2017

Zum gleichen Thema: Sechzehn Jahre Merkel?

Share on FacebookTweet about this on TwitterShare on Google+

Höllenritt mit Jörg Thadeusz

Und nie war mehr Höllenritt oder Achterbahn als 2017. Rund 30 Minuten launiger Talk über Wahlkämpfe und die erweiterte Neuauflage von Höllenritt Wahlkampf (dtv, 2017).

Macron, Sanders, Merkel, Corbyn, Schröder, Clinton, Gore, Kraft, Dreyer, Scholz und Schulz…. alles ist in Afri Cola… äh, in diesem Interview.

Hier geht es zum Podcast der Sendung vom 20. Juni 2017 auf WDR2:

Thadeusz_20.6.2017

Und hier geht’s zum Buch:

teaser_hoellenritt_wahlkampf_2017

Share on FacebookTweet about this on TwitterShare on Google+

This is not a game. This is not about selling shoes.

CampaignTech Europe 2017. Closing remarks held at The Factory, Berlin, May 19, 2017.

Good evening.

I’ve been asked to talk to you about the role of the digital in the German elections. Well, I can take a shortcut. There is nothing to learn that you haven’t heard from others today.

Instead you might want to step outside and take a breath of fresh air.

Because the answer, why Germany is not an advanced digital campaign nation lies right in front of you.

teaser_hoellenritt_wahlkampf_2017

If you step out of this building you step into a crime scene of massive proportion.

Roughly 50 meters from here, people where shot and killed for trying to cross the street from the east to the west.

Look at the buildings on both sides of the street. People gathered for dinner, turned on the light in the living room – saw each other across the street but couldn’t cross the street without getting shot by the border troops.

The wall was up until 1989 and many got killed or imprisoned and tortured because their critical views about the governing regime were conveyed to the secret police through neighbors, friends, even relatives.

Some 45 years before, same city, other regime: thousands of citizens of Berlin – millions across Europe – deported into the concentration camps, tortured, starved to death or executed because of their religion, political views, homosexuality – not few of them betrayed by their neighbors, colleagues even relatives.

Now, what is the old man talking about.

I am talking about prevailing cultural differences between people in democratic nations in spite of the many similarities we observe in shopping malls, fast food chains or Facebook accounts.

If you care about technological knowledge transfer especially from US-Campaigns or UK-Campaigns to Germany and many other nations you have to take into account, that you are balancing on a very thin line.

We heard a lot today about micro targeting, data mining and gathering as much information as possible about the electorate in order to customize messages and improve the position of your client.

Fine. I am all with you. And yet, I cannot make use of all of the technology available, even if I wanted to – and even if I were able to afford it.

Germany has some of the most complicated and effective data-protection laws in the world.

That is, because we lived under two of the most effective dictatorships of the 20th century. The Nazis as well as the Communists used social profiling and social networks – offline, that is – to gather as much information about each individual citizen as possible. To keep control, to demoralize, to threaten, to hurt and eventually to kill whoever stood in the way.

This is not a game we are in.
This is not about selling shoes.

Yes, we all have a selfish interest in fair and open elections since that is the business we are in. But it is more than that. Hopefully to each one of us.

We are working hard in the engine room of our democracies and it is also our responsibility of whether or not the ship will go down or prevail in stormy weather.

The essence of the democratic electoral process – the right of each citizen to cast his or her vote in the safety of secrecy – is at stake.

You are standing on blood-stained soil today – and much of this blood was shed due to the effectiveness of what we in Germany refer to as “Desktop Assassins”. Cold blooded men and women – but mostly men – sitting not far from here at their desks and most effectively planning deportations, gas chambers and the death of six million Jews through massive data mining and micro-targeting.

With that in mind: Data protection laws in Germany are not an old fashioned, somehow amusing or irritating and eccentric relict of the past – standing in the way of our excellent technological abilities. These laws are the answer to two dictatorships – the last one collapsing only 28 years ago in this very city.

So all I can ask you is to be aware of what we are capable of with todays technology: We are profiling our people politically.

With our knowledge we are able to look in the head of others. We know what they think about global warming, social security, homosexuality, democracy, Angela Merkel, Donald Trump, Vladimir Putin, their neighbor, their mayor and more than that.

And we who gather the data for our cause – which each of us considers a good cause – are responsible of what we do with the data we collected. And of what can be done with this data once times change. Once governments change.

Once democracies turn over to pseudo democracies and later to dictatorships.

Once – let’s say – a travel ban is enacted not based on the country of origin, but on your voting behavior, sexual orientation or critical view about the current government.

So: we bear responsibility because we know so much and because we have advanced technology on our hands that can be used for a good cause – as well as for the opposite.

On that happy note I switch to the German election 2017

teaser_hoellenritt_wahlkampf_2017

The first campaign I actually got paid for was the campaign for the first and last free election in the German Democratic Republic held in March 1990.

The elected Parliament abolished itself only 7 months later and the GDR became part of the Federal Republic of Germany.

By the way: I got paid lousy – and subsequently the result was lousy.

We had two innovative communication tools at hand. One was a landline phone that enabled us for calls inside East-Berlin. Our second landline phone was ready for outside calls – in all of East Germany.

At that time only 10% of the population in the GDR had access to a phone at all – and most of the opposition never experienced the luxury of a phone.

Well, why didn’t we twitter… Hm, because it was 1990 in East Germany: no fax, no e-mail, no world wide web, no computers not even Xerox machines.

So we organized the distribution of billboards and most of the printed campaign material via telegram. Yes, we send a telegram to our ground manager in Leipzig: Please unload campaign material –stop – tomorrow noon –stop – at central station.

Most of the time, nobody showed up.

But the lack of technology was not our main problem and the reason why we ultimately lost the election.

The reason was the lack of a convincing message.

Chancellor Helmut Kohl and his party promised hard currency, unification, wealth and “blooming landscapes”. He and his party were the most convincing campaigners for unification.

The smaller opposition parties were the most convincing campaigners for a third way: a modern GDR without unification.

And the old communists were the most convincing old communists.

The Social Democrats found no coherent and convincing message of their own.

But especially in times of turmoil your message has to be clear, convincing and simple.

So we lost.

And we would have lost with any of the technology at hand we heard about today.

Now. Almost 30 years and more than 30 campaigns later I am here to tell you:

Yes, you can tip an election that is almost too close to call in your direction through better targeting and custom made messages. But as far as I can see it has not been proofed and tracked down to that single technological breakthrough or advance. It has been claimed often – but never proofed. Because it can’t be proofed.

There never was the one singular technology or choice of channels as a cause for defeat or victory

Neither here nor anywhere I took a closer look.

In the upcoming German election we expect 7 parties to enter the next parliament. CDU, CSU, SPD, Greens, FDP, Linkspartei, AfD.

It will be a highly competitive election and due to a variety of coalition options after the election the winning party will not necessarily be able to claim the office of the chancellor.

Germany now has a population of roughly 80 million. The population in the highly contested US Battleground States sums up to 80 million as well. And only there a campaign actually spends money and energy.

In the US the two biggest parties spend roughly 1.5 billion EUR each. In Germany the two biggest parties spend 25 million EUR each. This amount has remained on the same level in the last 20 years, while so many more channels have to be served.

In the US about 1 million TV ads were aired in the battleground states. In Germany roughly 1000 ads were aired due to campaign regulations.

With all that in mind, a campaign manager in Germany has to make some very hard choices. In a campaign you permanently lack manpower, money and time.

And as campaign manager of a big party, the fragmentation of media channels raises more highly important issues. Because part of your target group already lives 100% in 2017 – but many still live very much in the year 2000. So you can’t cut traditional media spending as much as you probably wanted to. Same with out of home.

So: yes, we face a lot of restrictions. But as I mentioned before – maybe not all of these restrictions are a bad thing.

My two cents of advice:

If you want to find the answer of why a candidate won, I urge you not to look at the winner.

The winning team and anyone only remotely connected to the campaign is so busy claiming victory for themselves and the part of the campaign they worked for, that you hardly find a sane person to interview.

Journalists almost never have a clue and only write about the hottest new stuff in order to find an explanation for what they probably did not see coming.

If you want to find the key to an election result, look at the losers.

Most of the time they were competitive in fundraising, competitive in technology, competitive in media spending and on the ground. They had articulate candidates not breaking under pressure and performing fine. They had all of that and good, intelligent people – some excellent, bright and ambitious.

And yet they lost.

Because they had no convincing message.
No convincing reason why.

Oh yes – they had a lot of policy answers, sometimes even brilliant programs.

But they did not manage to find the one convincing reason why.

And if you look at the US you will find the answer, why Hillary lost, not in the Trump campaign. You will find it – as in 2008 in the democratic primaries – in the Clinton Campaign.

And in September in Germany it will not be any different.

Both major parties are ready technologically – as ready as they can be, given the laws of the land.

Both major parties have able campaign directors and staff.

But it all comes down to one simple question:

Is Angela Merkel able to deliver a convincing argument why Germany is in need for a fourth term – for another four years after 12 years in office?

An election is not about saying thank you to an incumbent. Winston Churchill won the Second World War and was voted out of office only months later. Helmut Kohl was the architect of a united Germany and was voted out of office when Germany felt, that he had nothing else to give.

Now, is Merkel better for Germanys future as her challenger or not?

Martin Schulz was nominated in late January as the Social Democratic Candidate. That was a late start – maybe too late.

But the man is full of energy and power.
Will he be able to make the convincing argument?

Why a Germany facing the digital revolution, facing challenged democracies all around us, facing a fragile Europe – now needs a fresh start more than ever.

If one candidate is able to find that convincing argument the whole campaign will carry him or her.

With advanced new technology, old print ads, GOTV, Billboards, TV. Radio and Social Media campaigning, rallies and all of that.

If you have no message, nothing will safe you.

Not one thing we have discussed today.

I have not heard that convincing argument yet either from Angela Merkel or from Martin Schulz.

Until September 24 they better have a message to deliver.

Thank you.

teaser_hoellenritt_wahlkampf_2017

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Share on FacebookTweet about this on TwitterShare on Google+