The Need for Speed 2014

In den Tagen vor der Pressekonferenz von Barack Obama zu den neuen Verhaltensregeln der US-Geheimdienste wurde über die Inhalte nicht spekuliert. Nein, man wusste schon im Vorfeld zu berichten: Nichts Neues. Er sagte dann aber doch einiges Neues und manches sogar sehr konkret. Tenor: Überraschend viel Neues.

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Die neue Familienministerin Manuela Schwesig schlägt vor, dass berufstätige Eltern in Zukunft nicht mehr als 32 Stunden pro Woche arbeiten sollten, um mehr Zeit für die Kinder zu haben. Tenor: Unabgestimmt, unbezahlbar. Schwesig scheitert mit ihrem Vorschlag. Da war der Tag noch nicht einmal zu Ende.

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Die Bunderegierung trifft sich am 22. Januar zur Klausurtagung. Die Vereidigung war am
17. Dezember. Dazwischen lagen (inklusive der Samstage) 25 Arbeitstage. Tenor: Fehlstart. Was machen eigentlich die Unionsminister? Hält das vier Jahre?

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Michael Schumacher liegt seit Wochen im Koma. Focus Online begleitet das mit einem „Live-Ticker.“ Und ein WELT Journalist versteigt sich noch am Tag des Unfalls in peinlichster Hobby-Fern-Psychoanalyse zu der These, dass der Mann den Tod geradezu suchte. Klar, weil er auf einem Mini-Abschnitt zwischen zwei Pisten eine Abkürzung gefahren ist. Demnach kenne ich ziemlich viele Menschen mit Todessehnsucht, einschließlich meiner Wenigkeit.

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Ihr geht mir alle so auf den Sack.

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Was genau wäre jetzt das Problem, eine Pressekonferenz abzuwarten, bis sie gehalten wurde? Und danach zu berichten, zu kommentieren, zu analysieren, zu loben oder zu verdammen, was dort gesagt wurde?

Warum kann man über eine 32-Stunden-Woche für Eltern nicht mal 48 Stunden nachdenken?

Muss man nicht selbst hirntot sein, um bei einem Koma-Patienten einen Live-Ticker einzurichten?

Und das waren nur ganz wenige Beispiele aus dem Jahr 2014, das den ersten Monat noch nicht hinter sich hat.

Noch schlimmer als diejenigen, die solche „News“ verzapfen, sind nur noch die, die sie kommentieren. Denn unten warten die Irren.

Man soll es ja nicht tun, jeder weiß es. Es bringt nichts. Und man sagt es sich auch jedes Mal, wenn man am Ende des Artikels angelangt ist: Jetzt nur nicht weiter nach unten scrollen. Denn dort lauern die Irren. Die Verschwörungstheoretiker, die Loser, die Gelangweilten, Homophoben, die sexuell Frustrierten und die Gescheiterten, die aber über alles nicht nur Bescheid, sondern richtig Bescheid wissen. Sie nennen sich „kampfhuhn52“, „hochimint“, „motzmaus “ oder „chaoskarl“  – und sie werden dich zu ihnen nach unten ziehen, dich zumindest zum Staunen bringen, dass so viel Irrsinn möglich ist – vor allem aber werden sie dir die Zeit stehlen, die man doch nicht hat. Ok. Vielleicht doch einmal kurz….Nein! Denn Du bist nirgends sicher. Du glaubst, bei ZEIT-Online sind sie nicht – HAHAHA – gefangen! Vor lauter Verzweiflung gehst du offline, schaltest das Deutschlandradio ein, landest in einer Call-Inn-Sendung – und da sind sie wieder. Wer hat das Fass aufgemacht, wer die gute alte „Leserbriefredaktion“ abgeschafft? Wer war der Meinung, dass Dialog und Partizipation die Lösung sind? Dort sollst du schmoren, unten bei den Irren, gemeinsam mit dem quicklebendigen Adolf, dem Geheimnis um das wahre Geschlecht Obamas, dem Mastermind hinter 9/11, dem echten Grund für Hitzlspergers Outing und natürlich auch dem Geheimnis von Lakritzbonbons. Sie wissen nicht, was Lakritzbonbons mit Ihnen machen? DAS WISSEN SIE NICHT?!!

Allen ein entspanntes 2014. Vielleicht ab Februar.

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