Richel, Stauss bleibt am Boden.

Heute gibt es hier mal keinen politischen Blogbeitrag, sondern eine Selbstverpflichtung unserer Agentur. Vielleicht ist das dann aber doch auch irgendwie politisch. Wie alles im Leben.

Wir sind Agenturmenschen und wir sind es gewohnt, auf Flughäfen zu leben, einzukaufen, in Lounges zu lungern und vor allem zu warten, zu warten und zu warten. Wir nehmen Kundentermine an, die voraussetzen, dass man den 6:05 ab Tegel nimmt und den 12:45 zurück, damit man noch einen weiteren Kundentermin reinquetschen oder in die Agentur gehen kann. Wir haben – das geben wir zu – auch schon mal am Jahresende Termine so gelegt, dass man noch die vier Flugsegmente bekommt, die man für die nächste Vielflieger-Status-Stufe braucht. Wir absolvieren je nach aktueller Kundengeographie 50 bis 80 innerdeutsche Flüge pro Geschäftsführer pro Jahr, also 100 bis 160 Starts und Landungen, und bewegen uns je nach Airline im Platin-, Gold- oder Frequent-Status. Damit gehören wir noch längst nicht zur Spitze der Beratungsindustrie. Wir steigen in ein Flugzeug wie in die Straßenbahn. Oder, ehrlich gesagt, wesentlich häufiger als in die Straßenbahn.

Wir haben beschlossen, damit aufzuhören. Es macht keinen Sinn und vor allem macht es unser Klima kaputt. Wir wissen, dass es konsequentere Menschen als uns gibt und ziehen den Hut davor. Aber wir sind keine Heiligen und wollen auch in Zukunft in den Urlaub fliegen oder einen Konferenztermin in Madrid nicht mit dem Zug absolvieren. Aber wir werden die Kurzstrecke in Zukunft sein lassen.

Das bedeutet für uns ganz konkret, in Zukunft noch verstärkter auf digitale Meetingtools wie Videokonferenzen, HangOuts etc. zu setzen und sollten sich Präsenztermine am gegenüberliegenden Ende des Landes einmal nicht vermeiden lassen, nur mit dem Zug anzureisen. Wir werden selbst vor Umsteigeverbindungen nicht mehr zurückschrecken, obwohl Die Bahn viel zur Förderung des innerdeutschen Flugverkehrs beigetragen hat. Unseren Kunden haben wir das so mitgeteilt und darum gebeten, dies bei Meetingplanungen zu berücksichtigen.

Wir sprechen nur für uns und unser Team, würden uns aber freuen, wenn noch mehr Kolleginnen und Kollegen, Kunden, Politiker, Manager, Journalisten sich abstimmen, um künftige Kurzstreckenflüge auf ein Minimum zu beschränken oder ganz sein zu lassen. Es geht anders und es gibt schlimmeres als einen ICE. Ryanair, zum Beispiel.

Lasst uns am Boden bleiben.

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