In eigener Sache.

In einem flüchtigen Geschäft wie der Werbung sind Sentimentalitäten nicht wirklich angebracht. Aber am kommenden Samstag, den 30.6. 2018, ist mein letzter Tag bei BUTTER. Und das ist nach 25 Jahren – die meisten davon als geschäftsführender Gesellschafter – dann doch ein ganz besonderer Tag.

Das Vierteljahrhundert BUTTER. war ein Glücksfall in meinem Leben und ich werde dieser tollen Agentur immer verbunden bleiben. Aber da man ja bekanntlich dann loslassen soll, wenn es am schönsten ist, gehe ich auch in dem Bewußtsein, dass die Agentur mit ihren drei neuen Geschäftsführern Nadine Schlichte, Phillip Böndel und Reinhard Henke sowie meinen langjährigen Weggefährten Oliver Lehnen und Rolf Schrickel sehr gut für die Zukunft aufgestellt ist. Auf meiner letzten Weihnachstfeier im Dezember 2017 dachte ich noch: Das ist so eine tolle Truppe und so ein klasse Spirit – die Zukunft kann kommen.

Auch für mich. 1993 kam ich speziell für die politische Kommunikation zu BUTTER., die damals noch „Agentur für institutionelle Kommunikation“ hieß. Es folgten wilde, wahnsinnige und auch wahnsinnig spannende Jahre in der wunderbaren Welt der Rießenwaschkraft und jetzt ist der Punkt gekommen, an dem ich diese Werbewelt wieder verlasse.

Ab dem 1.7. beginnt etwas Neues.
Aber dazu mehr zu einer anderen Zeit.

Jetzt möchte ich einen Blick zurück werfen, wie alles begann.

In der Nacht vom 6. auf den 7. Dezember 1992 ratterte in der Strelitzer Strasse Ecke Anklamer Strasse in Berlin Mitte mein 24-Nadeldrucker geräuschvoll die Nacht hindurch. Zuvor hatte ich auf meinem „Schneider Euro-PC“ ein Memorandum an den SPD Parteivorsitzenden Björn Engholm und den Bundesgeschäftsführer Karlheinz Blessing beendet. Beiden war ich nie zuvor begegnet und einen Auftrag hatte ich auch keinen. Aber einen guten Grund.

Ende November 1992 war ich nach zwei Jahren aus Washington, D.C. zurückgekehrt, wo ich zuletzt in der Clinton/Gore Kampagne mitarbeiten durfte. Die ganze Story gibt es übrigens hier.

wahl92_al_goreEiner von beiden ging bei der Krawattenauswahl auf Nummer sicher. Und einer nicht.

Am 3. November 1992 wurde Bill Clinton 42. Präsident der Vereinigten Staaten und Al Gore Vizepräsident. Zurück in meiner Berliner Studentenbude schrieb ich dann unter dem Titel „Anleitung zum Glücklichsein“ auf, was ich in der Clinton/Gore Kampagne erlebt hatte. Man könnte das, was dort steht, anmaßend nennen und hätte damit recht.

Noch im Dezember klingelte in meiner Ost-Berliner Wohnung das Telefon und es meldete sich ein Herr: „Butter hier, guten Tag. Sie kennen mich nicht, aber ich habe eine Werbeagentur in Düsseldorf. Der SPD Parteivorstand hat mir ein Papier von Ihnen geschickt. Das finde ich hervorragend. Ich würde sie gerne kennenlernen. Aber können Sie sich überhaupt vorstellen in einer Werbeagentur zu arbeiten?“

Tja, so war das. Ich sagte etwas wie „Ich studiere Politik im 9. Semester und kann mir daher alles vorstellen.“ Er fuhr fort: „Wunderbar, ich bin jetzt über Weihnachten auf Mallorca und dann treffen wir uns im Januar.“

Und so kam der kleine Frank 1993 nach Düsseldorf. Wurde Werber und hat im März 2018 tatsächlich das Vierteljahrhundert bei BUTTER. erreicht. Allerdings lag zwischen dem Telefonat und dem Arbeitsantritt noch der Rücktritt von Björn Engholm, für den wir eigentlich den Wahlkampf bestreiten sollten. Es folgte ein Mitgliederentscheid der SPD und die Partei entschied sich in einem bis dato einmaligen Basisvotum für Rudolf Scharping und gegen Gerhard Schröder. Der Rest ist Geschichte.

IMG_5528Der SPD Ortsverein bestand in dieser Broschüre ausschliesslich aus KollegInnen der Agentur BUTTER., mit Werner Butter in der Rolle des Ortsvereinsvorsitzenden. Foto: Thomas Krüsselmann, Herausgeber: SPD Parteivorstand, Bonn.

IMG_5529Ausweis der Modernität 1994: Ein Laptop und zwar ein MAC!

Das also war der Anfang. Und es war mir vergönnt, noch viele Jahre vom großen Meister selbst zu lernen. Zum Beispiel, dass es nicht darum geht, seine Idee durchzusetzen, sondern die beste. Mehr als einmal lieferte er sich mit mir und anderen Textern eine Battle die auch mehr als einmal mit seinen Worten endete: Eure Lines sind besser als meine – und ratsch zerriss er seinen Zettel und das wars.

„Ich bin wichtiger als Mitterrand.“

Die berühmteste der vielen Anekdoten rund um die Werbelegende Werner Butter spielt in Paris. Er war dorthin mit seinem damaligen Geschäftspartner Jochen Rang eingeladen worden. Und zwar von den vier Gründern der Agenturgruppe RSCG. Darunter auch Jacques Séguéla, der Mitterand beriet. RSCG wollte Butter und Rang von ddb abwerben und bot ihnen den deutsche Agenturableger an. Mitten in den Verhandlungen klingelte das Telefon und Séguéla wurde zu Mitterrand in den Elysée gerufen. Und das dauerte und dauerte und irgendwann stand Werner auf und sagte, er ginge jetzt. Die anderen versuchten noch ihn abzuhalten und argumentierten: „Es ist doch Mitterrand, er muss doch dahin.“ Aber Werner war der Überzeugung, dass wenn man ihn nach Paris einlud, um mit ihm zu verhandeln, es unhöflich sei, auf einer anderen Hochzeit zu tanzen. Egal auf welcher. Und so verabschiedete er sich mit den Worten: „Ich bin wichtiger als Mitterrand.“

Nach RSCG kam BUTTER. und irgendwann stieß ich dazu. Wenig später Rolf Schrickel und gemeinsam machten wir uns auf den Weg, um Klinken zu putzen, Kunden zu akquirieren und Erfolg zu haben. Zu den ersten und treuesten Kunden gehörten die Familie Bauer in Wasserburg am Inn, für die wir die TV-Spot-Serie rund um Tom, Birgit, ein Post-it und den Joghurt-Klau im Kühlschrank kreierten. Und auch heute noch beginnt jeder Tag für mich mit einem Großen Bauer – zur Sommerzeit selbstverständlich Kiwi-Stachelbeere. Es folgten Salzgitter Stahl, debitel, Eizo, Arag, Clausthaler, Radeberger und viele mehr.  Ich fand richtig Spaß an der Werbung für Produkte und vergaß die Politik beinahe. Bis im Jahre 2001 die SPD Berlin eine Agentur für die vorgezogenen Neuwahlen und ihren jungen Kandidaten Klaus Wowereit suchte und sich für uns entschied.

Bildschirmfoto 2014-08-26 um 14.58.09Berlin 2001, Foto: Franklin Berger

Danach war ich wieder so angefixt, dass kein Jahr mehr ohne Wahlkampf blieb.

Die Uhr drehte sich weiter, Kunden und Kollegen kamen und gingen, die Agentur wuchs stetig erst unter Rolfs und meiner Führung, dann im Trio mit Oliver. Werner zog sich erst nach Mallorca zurück und dann in den Himmel, aber sein Spirit weht noch heute durch jede Ecke der Agentur und findet sich in mancher Headline wieder.

Es war eine wunderbare Zeit. Ich habe so vielen Kolleginnen und Kollegen, Kundinnen und Kunden zu danken, dass ich es lieber sein lasse. Ich bin ja auch nicht weg, sondern nur in Mitte.

Tschö, ihr BUTTER.s in Düsseldorf.
Maacht et joot. Et hätt noch emmer joot jejange.

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Werner bekommt von Rolf und mir zum 70. Geburtstag einen Laptop überreicht. Er bevorzugte jedoch bis zuletzt seine Gabriele Schreibmaschine, ein Faxgerät und einen guten Rioja.

 

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