{"id":655,"date":"2013-09-27T12:49:49","date_gmt":"2013-09-27T10:49:49","guid":{"rendered":"http:\/\/frank-stauss.de\/?p=655"},"modified":"2015-08-26T10:33:36","modified_gmt":"2015-08-26T08:33:36","slug":"die-falschen-analysen-der-spd","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/frank-stauss.de\/index.php\/die-falschen-analysen-der-spd\/","title":{"rendered":"Die falschen Fehleranalysen der SPD."},"content":{"rendered":"<p>Es ist erstaunlich, wie leicht sich Parteien und Journalisten manchmal Wahlanalysen machen. Zur Zeit steht die SPD zum Beispiel vor einer Zerrei\u00dfprobe, die sie sich nur durch fehlerhafte Analysen in der Vergangenheit selbst eingebrockt hat. Es war einfach viel zu leicht, die Verantwortung f\u00fcr zum Teil verheerende Ergebnisse bei Landtagswahlen seit 2008 und der Bundestagswahl 2009 einfach auf die Gro\u00dfe Koalition zu schieben. Da hatte man einen sch\u00f6nen S\u00fcndenbock und konnte weiter machen wie bisher.<\/p>\n<p>Die Fakten sprechen eine andere Sprache.<\/p>\n<p><b>1. Fehlurteil: Die SPD kann sich in der Opposition besser entwickeln.\u2028 <\/b>Falls es jemand vergessen haben sollte: Die SPD war seit 2009 nicht mehr in einer Gro\u00dfen Koalition sondern in der Opposition und hat dennoch gegen eine lausige Schwarz\/Gelbe Regierung nur 25,7% eingefahren &#8211; Rot\/Gr\u00fcn stagnierte auf niedrigem Niveau. Scheint ja ein super Tipp zu sein, diese Regeneration in der Opposition.<\/p>\n<p><b>2. Fehlurteil: Regiert die SPD in einer Gro\u00dfen Koalition, verliert sie auf L\u00e4nderebene.<\/b>\u2028 Die SPD hat zum Teil ihre besten Wahlergebnisse auf Landesebene zur Zeit der Gro\u00dfen Koalition im Bund erzielt: Kurt Beck erreichte 2006 in Rheinland Pfalz eine absolute Mehrheit, Klaus Wowereit erzielte 2006 sein bestes Ergebnis \u00fcberhaupt, Andrea Ypsilanti f\u00fchrte die Hessen SPD im Januar 2008 von 29,1 auf 36,7% und Michael Naumann packte kurze Zeit sp\u00e4ter in Hamburg ein Plus von 3,6% auf das SPD Ergebnis obendrauf.<\/p>\n<p><b>3. Fehlurteil: Die SPD hat toll in der Gro\u00dfen Koalition gearbeitet und wurde dann abgestraft.<\/b>\u2028 Wenn man das Desaster von 2009 richtig analysiert &#8211; und ich wei\u00df, wovon ich spreche, ich war mittendrin &#8211; dann muss man doch klar zu dem Ergebnis kommen, dass man die SPD ernsthaft gar nicht w\u00e4hlen konnte, so ein j\u00e4mmerliches Bild bot sie 2008\/2009. Und zwar nicht in der Regierung &#8211; sondern au\u00dferhalb. \u00dcber ein geschlagenes Jahr unterhielt die SPD die Nation mit den Ypsilanti-Festspielen aus Hessen, Ausschlu\u00dfverfahren rund um die Tolerierung durch die Linkspartei, gescheiterte Probeabstimmungen oder den durchdrehenden Wolfgang Clement &#8211; immerhin ein ex-MP und ex-Superminister. Von geklauten Dienstwagen in Spanien mitten im Wahlkampf ganz zu schweigen. In Folge wurde die Hatz auf Kurt Beck immer intensiver gef\u00fchrt, bis dieser AM TAG DER NOMINIERUNG DES KANZLERKANDIDATEN vor laufenden Kameras \u00fcber die Feuertreppe aus dem Parteivorsitz floh. Diese ganze Entwicklung \u00fcber Jahre zeigte den Menschen im Land eine Partei, die sich einfach selbst nicht leiden konnte. Und wie bei Menschen, die sich nicht leiden k\u00f6nnen, hat man dann ein Problem, einen Partner zu finden. &#8222;Ich bin h\u00e4\u00dflich, habe Pickel, rieche etwas und kann mich nicht leiden &#8211; willst Du mit mir gehen?&#8220; Wer sagt denn da ja? Immerhin noch 23% muss man da sagen. Ein seltsames Volk.<\/p>\n<p><b>4. Fehlurteil: Merkel hat auch die FDP kaputtregiert.\u2028 <\/b>Bitte? Merkel hat die FDP kaputtregiert? Entschuldigung, aber da brauchte die FDP doch die Merkel nicht f\u00fcr. Das hat sie ganz alleine geschafft. Und zwar nicht durchs Regieren, sondern durch alles andere drumherum. So wie weiland die SPD. Die Merkel hat nur keinen Rettungsring geworfen. Aber das tut sie ja nie. Weder f\u00fcr Schavan, Guttenberg, die FDP und schon dreimal nicht f\u00fcr die SPD. Aber das ist ja auch nicht ihr Job, wenn man mal ehrlich ist.<\/p>\n<p><b>How to do it &#8211; nutze den Tag, SPD! \u2028<\/b>Ich bin kein Fan der Gro\u00dfen Koalition. \u00dcberhaupt nicht. Aber die Gr\u00fcnen haben sich gerade selbst zerlegt und zeigen der Republik, was f\u00fcr ein weinerlicher Haufen sie sind, wenn sie nicht bekommen was sie sich gew\u00fcnscht haben. Erinnert mich an ein trotziges Kind im Sandkasten. Mit denen k\u00f6nnte man nicht mal R-R-G machen, selbst wenn man es wollte. Au\u00dferdem haben sich alle, die man anrufen k\u00f6nnte schon l\u00e4ngst in die B\u00fcsche geschlagen. Lasst uns ehrlich sein: Die Gr\u00fcnen sind zur Zeit im Bund nicht regierungsf\u00e4hig. Das kann nicht die Rolle der SPD sein. Sie kann jetzt auch vieles besser machen, als in den Verhandlungen 2005. Zu unsch\u00f6nen Dingen muss man sich ggf. zwingen lassen, die sch\u00f6nen muss man selbst reinverhandeln.<\/p>\n<p>Vor allem aber hat die SPD die ganz seltene Chance, ihr Spektrum wieder zu erweitern: Die Gr\u00fcnen sind erst mal kaputt, die FDP tot, jetzt gilt es, neue Territorien zu erobern! B\u00fcrgerrechte, eine moderne Gesellschaft, mehr Demokratie &#8211; ein Aufbruch!<\/p>\n<p><b>Also, das muss ins Paket: Es gibt sie noch, die sch\u00f6nen Dinge!<\/b>\u2028 Mindestlohn &#8211; bekommt sie sowieso, da ist ja nicht mal die Union dagegen. Da g\u00e4hnt die Merkel einmal und drin ist es.\u2028 Doppelte Staatsb\u00fcrgerschaft. Jetzt endlich. Mit 2\/3 Mehrheit im Parlament. Ein Mu\u00df! \u2028Volle Anerkennung der Rechte Homosexueller &#8211; qu\u00e4lt Sie, die alten Recken.\u2028 Frauenquote in F\u00fchrungspositionen &#8211; wann, wenn nicht jetzt. Spalterthema f\u00fcr die Union.\u2028 Betreuungsgeld weg, logo. Soll sich Hotte Seehofer gegen von der Leyen und die anderen drei Progressiven in der Union dran verschlucken. Und nat\u00fcrlich Datenschutz und B\u00fcrgerrechte &#8211; da \u00f6ffnet sich mit den abgesoffenen Piraten und dem Kentern der Liberalen ein Fenster ganz, ganz weit!<\/p>\n<p><b>Was soll nicht ins Paket: Don&#8217;t touch this!\u2028 <\/b>Die Maut f\u00fcr Ausl\u00e4nder &#8211; die lassen wir sch\u00f6n die Kanzlerin abr\u00e4umen. Hat sie ja im TV Duell vor 17 Millionen Zuschauern versprochen. Nicht unser Ding. Ball liegt bei ihr &#8211; don&#8217;t touch this.\u2028 Jetzt \u00fcberhaupt eines nicht machen &#8211; die ganzen Grausamkeiten an sich ziehen. Denn das will die Union: Wer ist schuld, wenn die Steuern steigen? Die SPD. Wer ist schuld, wenn der Strompreis steigt: Die SPD. Wer ist Schuld, wenn es ein Gemurkse an der Gesundheitsfront gibt? Die SPD. It\u00b4s a dirty job, but somebody&#8217;s gotta do it? Vielleicht &#8211; aber diesmal die dirty Jobs bei der Union abladen, bitte.<\/p>\n<p>So wie 2005 darf es jedenfalls nicht laufen, dass ein Spalterthema f\u00fcr die eigenen Leute, wie die Rente mit 67, nicht am Ende eines langen Prozesses steht, in dem die SPD deutlich machen konnte, dass das nur unter z\u00e4hneknirschen und gro\u00dfen Zugest\u00e4ndnissen der Union m\u00f6glich war. 2005 hat ja die Union gar nichts tun m\u00fcssen &#8211; die SPD hat die Rente mit 67 ja schon mit in die Ehe gebracht und Merkel sagte: Danke sch\u00f6n, dass ihr den Schwarzen Peter gleich freiwillig nehmt. Ihr seid super! Kann man ihr ja nicht vorwerfen.<\/p>\n<p>Fazit: Die Chance ist da, die Alternative sind Neuwahlen. Was ist jetzt besser? \u2028Wenn das Ding scheitert, dann an Hotte Seehofer und der Union, aber nicht an einer SPD, die ihre eigenen Fehler falsch analysiert und dabei eine gro\u00dfe Chance vertut.<\/p>\n<p>Carpe diem, SPD<\/p>\n<p><strong>&#8222;Technisches Versagen&#8220;<\/strong> Artikel in der Zeitschrift &#8222;Berliner Republik&#8220; zum Bundestagswahlkampf 2013. <a href=\"http:\/\/www.b-republik.de\/aktuelle-ausgabe\/technisches-versagen\">Hier geht es zum Text.<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist erstaunlich, wie leicht sich Parteien und Journalisten manchmal Wahlanalysen machen. Zur Zeit steht die SPD zum Beispiel vor einer Zerrei\u00dfprobe, die sie sich nur durch fehlerhafte Analysen in der Vergangenheit selbst eingebrockt hat. 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