{"id":2887,"date":"2024-10-01T15:41:04","date_gmt":"2024-10-01T13:41:04","guid":{"rendered":"https:\/\/frank-stauss.de\/?p=2887"},"modified":"2024-10-01T15:41:04","modified_gmt":"2024-10-01T13:41:04","slug":"die-fdp-ohne-zielgruppe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/frank-stauss.de\/index.php\/die-fdp-ohne-zielgruppe\/","title":{"rendered":"Die FDP ohne Zielgruppe."},"content":{"rendered":"\n<p id=\"ember1393\"><strong><em>Um die Probleme der FDP verstehen zu k\u00f6nnen, muss man etwas tiefer in ihre Positionierung einsteigen. Und da beginnen schon die Schwierigkeiten.<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p id=\"ember1394\"><em>Tempi passati.<\/em> Es gab eine Zeit, da hatte die FDP mit Christian Lindner ein Potenzial von \u00fcber 15%. Und tats\u00e4chlich notierte sie ja bei den Wahlen 2017 und 2021 jeweils zweistellig. Der triumphale Wiedereinzug in den Bundestag 2017 nach dem Scheitern an der 5%-H\u00fcrde bei der Wahl zuvor war der Frische des Vorsitzenden und auch einer herausragenden Kampagne geschuldet. Eine Regierungsbeteiligung schloss die FDP damals mit gr\u00f6\u00dftm\u00f6glicher Dramatik aus, weshalb in der Opposition nicht weiter auffiel, dass es mit der Frische der tats\u00e4chlichen Politik nicht weit her war.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"ember1395\">Damals jedoch stand das Fenster weit offen, eine neue, moderne W\u00e4hlerschaft dauerhaft zu binden. Die Gr\u00fcnen hatten noch keine neue Doppelspitze und kamen recht altbacken daher.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"ember1396\">Aber trotz ihres frischen Images und herausragenden Marketings erf\u00fcllten weder die FDP als Partei noch die wichtigsten Akteure dieses moderne Versprechen. Im Gegenteil. Von wenigen lobenswerten gesellschaftlichen Symbolthemen abgesehen, versagte die FDP auf drei zentralen Feldern: der Wirtschafts-, Bildungs- und Umweltpolitik. Heute wirft sie im Todeskampf auch noch gesellschaftlich liberale Grundrechte \u00fcber Bord, aber das ist auch schon egal.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"ember1397\"><strong><em>Die FDP hatte die Chance, die wachsende und zukunftstr\u00e4chtige Zielgruppe der modernen, urbanen, digitalen, aber auch international ausgerichteten, aufstiegsorientierten B\u00fcrger:innen zu erreichen. Diese sehen die Zukunft grunds\u00e4tzlich eher als Chance denn als Bedrohung, wollen pers\u00f6nlich weiterkommen und vereinen liberale gesellschaftliche Grund\u00fcberzeugungen mit leistungsorientiertem Erfolgsstreben.<\/em><\/strong> Wir finden sie in allen m\u00f6glichen Berufsfeldern: in international ausgerichteten Konzernen (auch Industriekonzernen), in Start-ups, in der digitalen Wirtschaft, Kommunikationsagenturen, bei Freelancern\/Digitalnomaden, Selbst\u00e4ndigen, in der Finanz- und Versicherungswirtschaft, in der Entertainment-, Event-, Hotellerie-, Medienbranche und so weiter und so fort. <strong><em>Sie w\u00e4ren die Lebensversicherung der FDP auf Jahrzehnte mit Potenzialen um die 20%. Allerdings geh\u00f6rt zum Lebensstil dieser Klientel auch ein Mindestma\u00df an Umweltbewusstsein, gesunder Ern\u00e4hrung, internationaler Zusammenarbeit, Gleichberechtigung, sozialem Frieden und europ\u00e4ischer Orientierung.<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p id=\"ember1398\">Aber au\u00dfer ihrer Werbeagentur interessiert sich niemand in der FDP f\u00fcr sie. Die FDP hat sich immer weiter ideologisch verzwergt und h\u00e4lt sich heute nur noch mit einem \u00fcberalterten, erzkonservativen und staats- und europaskeptischen Fundi-Fl\u00fcgel \u00fcber 3% in den Umfragen.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"ember1399\">Das FDP-gef\u00fchrte BMBF mit einer skandalbelasteten Ministerin ist ein Totalausfall. In der Wirtschaftspolitik steht die FDP angesichts massiver Probleme unserer Industrie weiter fest auf der Schuldenbremse und verst\u00f6rt damit auch die sehr gro\u00dfe Klientel der dort arbeitenden modernen und aufstrebenden Potenziale. Und das entgegen aller guten Ratschl\u00e4ge f\u00fchrender und auch nicht f\u00fchrender Wirtschaftswissenschaftler. Also aller.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"ember1400\">Umweltpolitisch positioniert sich die FDP als Bremsklotz, und ihre neue Migrationsrhetorik sucht noch ihren Platz zwischen S\u00f6der und Weidel. Das kann man alles machen. Aber diese Zielgruppe gibt es nicht. Vielleicht finden sich zehn Leute, die diesen kruden Politikmix in sich vereinen k\u00f6nnen. Aber es ist eine seltene Gabe.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"ember1401\">Es gibt keine modernen, innovativen, liberalen, global- und erfolgsorientierten Menschen, die gleichzeitig die umweltfeindliche, europaskeptische, investitions- und zunehmend auch ausl\u00e4nderfeindliche Politik der gegenw\u00e4rtigen FDP attraktiv f\u00e4nden.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"ember1402\">Gleichzeitig gibt es keine erzkonservativen, neoliberalen Diesel- und Atomnostalgiker, die mit der Legalisierung von Dope, der Selbstbestimmung Transsexueller oder dem Widerstand gegen die Vorratsdatenspeicherung zum Zwecke der Verbrechensbek\u00e4mpfung etwas anfangen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"ember1403\"><strong>Die FDP hat sich auf eine Zielgruppe verengt, DIE ES GAR NICHT GIBT. <\/strong>Falls ich das noch nicht erw\u00e4hnte. Sie hat sich in eine Ecke man\u00f6vriert, in der die CDU unter Merz ihr komplett das Wasser auf konservativer Seite abgr\u00e4bt, und Robert Habeck sich gerade eine Partei bastelt, die exakt das brachliegende moderne Potenzial adressiert.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"ember1404\">Der vermutlich anstehende Rechtsruck der FDP ist dann ihr endg\u00fcltiges Todesurteil \u2013 denn dieser Markt ist besetzt, und die FDP hinkt angeschlagen einem Zug hinterher, der l\u00e4ngst abgefahren ist &#8211; und das auch noch in die falsche Richtung.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"ember1405\">Bevor die FDP jetzt Selbstmord aus Angst vor dem Tod begeht, sollte sie sich vielleicht noch einmal auf ihre eigentlichen St\u00e4rken besinnen \u2026 und auf all the things that could have been. Or maybe still can\u2026<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Um die Probleme der FDP verstehen zu k\u00f6nnen, muss man etwas tiefer in ihre Positionierung einsteigen. Und da beginnen schon die Schwierigkeiten. 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