{"id":2884,"date":"2024-09-11T14:06:51","date_gmt":"2024-09-11T12:06:51","guid":{"rendered":"https:\/\/frank-stauss.de\/?p=2884"},"modified":"2024-09-11T14:06:51","modified_gmt":"2024-09-11T12:06:51","slug":"habecks-zweite-erste-chance","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/frank-stauss.de\/index.php\/habecks-zweite-erste-chance\/","title":{"rendered":"Habecks zweite erste Chance."},"content":{"rendered":"\n<p id=\"ember452\"><em>Die Bundestagswahl 2025 n\u00e4hert sich und es werden nach Medienberichten auch bereits personelle Entscheidungen zur Vorbereitung der Habeck-Kampagne getroffen. Das ist doch ein sch\u00f6ner Anlass, um auf die strategischen Optionen f\u00fcr Robert Habeck und die Gr\u00fcnen zu blicken. Die anderen Parteien folgen dann in loser Reihenfolge. Die strategischen Gedanken bilden nicht in jedem Fall dieser Reihe pers\u00f6nliche Pr\u00e4ferenzen ab, manchmal aber doch und manchmal auch das krasse Gegenteil. Enjoy.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p id=\"ember453\">Das strategische Ziel der Gr\u00fcnen ist so klar wie ein Ziel nur klar sein kann: Robert Habeck muss seine Partei so stark machen, dass auf Bundesebene keine Zweierkoalition ohne die Gr\u00fcnen m\u00f6glich ist. Dreier-Konstellationen auf Bundesebene haben doch sehr an Charme verloren. Selbst wenn die FDP knapp wieder in den Bundestag k\u00e4me &#8211; was unwahrscheinlich ist &#8211; will niemand ohne Not mit ihr arbeiten und ein BSW in einer Dreier-Konstellation kann man sich auch nicht wirklich vorstellen.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"ember454\">Gehen wir also davon aus, dass die FDP nicht mehr in der Regierung vertreten sein wird, weil sie entweder zu schwach ist oder zu verbrannt oder nicht mehr vorhanden oder alles zusammen. Aus aktueller Sicht g\u00e4be es dann nur zwei Optionen f\u00fcr Zweier-Konstellationen und das sind Union\/SPD oder Union\/Gr\u00fcne. Der Union und selbstredend auch der SPD w\u00e4re die erste Konstellation lieber.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"ember455\">Aber was man sich w\u00fcnscht und was einem der W\u00e4hler am Ende kredenzt, ist manchmal recht verschieden. Zwischen den W\u00fcnschen und dem Ergebnis liegt dann eben ein Wahlkampf.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"ember456\">Das vordergr\u00fcndige Problem: Die Gr\u00fcnen sind so out-of-vogue wie schon lange nicht mehr. Augenrollen bei der puren Erw\u00e4hnung der Partei begegnet einem h\u00e4ufiger und das ist noch eine der angenehmsten Reaktionen. In anderen Regionen der Republik wird man daf\u00fcr mit Schmorgurken aus nicht biologischem Anbau beworfen.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"ember457\">Ein Blick auf die Umfragen, Themenlagen und Potentiale l\u00e4sst auf dem Weg bis zur Bundestagswahl 2025 in einem Jahr jedoch auch klare Chancen erkennen. Und diese liegen nicht nur &#8211; aber auch &#8211; in der Schw\u00e4che der anderen. Sie liegen auch in der St\u00e4rke Robert Habecks.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"ember458\">Mit aktuell 11-13% in den nationalen Umfragen notieren die Gr\u00fcnen nur wenig unterhalb ihres Wahlergebnisses von 14,8% im Jahr 2021. Sie ist die robusteste der Ampelparteien. Die FDP kam vor drei Jahren noch auf 11,5% und steht heute bei immer noch erstaunlichen 3-5%. Die SPD errang 25,7% und steht bei 15%. Umfragengewinner sind die Union, die von 24,1% auf 31-33 % zulegt, AfD von 10,3% auf 17-18% und BSW auf 8% national.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"ember459\">Auch wenn Heizungstechnologien und Energiewende, Elektromobilit\u00e4t und Radwege zum lustigen Draufschlagen in bestimmten Kreisen einladen, ist eine andere Entwicklung beachtenswert: Die Themenbedeutung von Klima- und Umweltschutz notiert immer noch in fast allen Erhebungen auf Platz 2 oder 3 der Dringlichkeit. Robert Habeck hat sich wieder auf einen der mittleren Pl\u00e4tze in der Politikerbewertung hochgearbeitet und gesellschaftspolitische Themen werden bei einem Kandidaten Merz auf Unionsseite an Relevanz zunehmen. Auch die aktuellen Top-Themen wie Migration und Wirtschaft m\u00fcssen nicht zwingend in einem Jahr noch die Debatten dominieren.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"ember460\">Hinzu kommt, dass nach dem beliebten Motto \u201eAktion-Reaktion\u201c auf den aktuellen Backlash auch eine Gegenbewegung folgen kann. F\u00fcr mehr Umweltschutz, gegen einen Rechtsruck, der auch die Union unterwandert, f\u00fcr die Verteidigung gesellschaftlicher Errungenschaften wie Gleichberechtigung, Minderheitenschutz etc., f\u00fcr Fortschritt gegen R\u00fcckschritt oder Stillstand. Diese Bewegung braucht einen Anf\u00fchrer.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"ember461\">Merz ist wiederum in seinem Gr\u00fcnen-Bashing gefangen, das er einst losgetreten hat und nun nicht mehr los wird. Weil viele seiner Leute ihn ernst genommen haben und sich nicht mehr einfangen lassen. Von Markus S\u00f6der wurde Merz wiederum nie ernst genommen und er \u00fcberf\u00fcllt dessen vermeintlichen Auftrag nur, weil er ihm damit am effektivsten schaden kann. Denn Merz verliert nat\u00fcrlich eine wichtige Option, die er aber am Ende doch noch brauchen wird &#8211; wenn die Gr\u00fcnen an der SPD vorbeiziehen. Was bleibt ihm sonst \u00fcbrig?<\/p>\n\n\n\n<p id=\"ember462\">Die Union ist also wieder dort, wo sie 2020\/21 schon einmal war: So siegessicher und selbstberauscht, dass sie sich wieder lustige R\u00e4nkespiele bis in die Zielgerade meint leisten zu k\u00f6nnen. Das Kandidatenkarussel der Union ist wieder neu er\u00f6ffnet, Br\u00fccken in alle Richtungen werden eingerissen &#8211; auch innerparteiliche.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"ember463\">Zur\u00fcck zu den Gr\u00fcnen, denen alles hilft, was den anderen schadet aber denen auch das weitere Kandidatenumfeld in die H\u00e4nde spielt: Habeck kann reden und Emotionen in Worte fassen und ausl\u00f6sen. Habeck kann im zunehmenden Kulturkampf der Republik das immer noch relevante progressive Lager hinter sich versammeln, motivieren, vielleicht sogar klimaneutral elektrisieren.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"ember464\">Und viele Merkel-W\u00e4hler:innen die 2021 von der Union zur SPD gewechselt waren, sind heute wieder heimatlos. Nicht nur, aber erst recht im Vergleich zu Merz und Scholz hat Habeck definitiv einen \u201eSchlag bei den Frauen\u201c (sagt meine Mama). Vielleicht kann er sogar noch eine kleine Portion aus den Konkursmassen von FDP und Linken abgreifen.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"ember465\">Ein weiterer Vorteil: Die Gr\u00fcnen sind eine urbane und speckg\u00fcrtelstarke Partei, weshalb aktuelle Wahlergebnisse der Ost-Wahlen in Bezug auf die BTW wenig Relevanz haben, da im Osten ja kaum jemand wohnt. Von etwa 83,5 Mio. Bundesb\u00fcrgern leben noch 12,6 Mio. im Osten (ohne Berlin), so dass die deutlich dichter besiedelten Regionen im Westen plus Berlin und die wenigen St\u00e4dte im Osten viel wichtiger sind. Das ist ein gro\u00dfer Vorteil f\u00fcr die Gr\u00fcnen, die sich im Mittel- und Personaleinsatz konzentrieren k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"ember466\">Bei einer aus Sicht vieler progressiver W\u00e4hler:innen wenig attraktiven Wiederauflage der Gro\u00dfen Koalition &#8211; und dann noch unter Merz &#8211; k\u00f6nnen die Gr\u00fcnen und Habeck das von nicht wenigen erw\u00fcnschte Korrektiv sein. Und das kann entscheidend sein, um am Ende als Nr. 2 durch die Zielgerade zu kommen. 46-48% der W\u00e4hlerstimmen k\u00f6nnen f\u00fcr eine Zweier-Konstellation reichen &#8211; und es ist gut m\u00f6glich, dass Union\/SPD daran scheitern Union\/Gr\u00fcne aber nicht.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"ember467\">Als Warnung vor der GroKo kann sich Habeck einen aktuell wohl bekannten Schlachtruf ausleihen und mit eigenen Inhalten und Parolen f\u00fcllen: We are not going back!<\/p>\n\n\n\n<p id=\"ember468\">Das kann klappen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Bundestagswahl 2025 n\u00e4hert sich und es werden nach Medienberichten auch bereits personelle Entscheidungen zur Vorbereitung der Habeck-Kampagne getroffen. Das ist doch ein sch\u00f6ner Anlass, um auf die strategischen Optionen f\u00fcr Robert Habeck und die Gr\u00fcnen zu blicken. Die anderen Parteien folgen dann in loser Reihenfolge. 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