{"id":2849,"date":"2023-06-07T12:26:22","date_gmt":"2023-06-07T10:26:22","guid":{"rendered":"https:\/\/frank-stauss.de\/?p=2849"},"modified":"2023-06-07T12:26:22","modified_gmt":"2023-06-07T10:26:22","slug":"die-woke-waermepumpe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/frank-stauss.de\/index.php\/die-woke-waermepumpe\/","title":{"rendered":"DIE WOKE W\u00c4RMEPUMPE"},"content":{"rendered":"\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><em>Wir schreiben das Jahr 2023 und die Entscheidung f\u00fcr eine Heizungstechnologie bestimmt den politischen Gradmesser zwischen Wokeness und AfD-N\u00e4he. Willkommen im gesellschaftlichen Drama des W\u00e4rme-Wahnsinns um woke W\u00e4rmepumpen, verlotterte Diskurse, verwirrte W\u00e4hler.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Wer wissen will, wie sehr der Heizungswahnsinn Deutschland erfasst hat, dem lege ich den Artikel \u201eIn einem aufgeheizten Land\u201c auf der Seite 3 der S\u00fcddeutschen Zeitung vom 3.6.2023 ans Herzen. Darin begleitet Autor Jan Schmidbauer einen gutwilligen, gestandenen und nervenstarken Heizungsinstallateur auf seinen Beratungsterminen. Aus nachvollziehbaren Gr\u00fcnden empfiehlt er sowohl einem jungen Paar, einer \u00e4lteren Dame als auch einem Bauern und dessen Sohn den Einbau einer Luft-W\u00e4rmepumpe, je nach Gegebenheit erg\u00e4nzt durch Photovoltaik und weiteren Ma\u00dfnahmen zur Energiegewinnung oder -einsparung. In allen drei F\u00e4llen w\u00e4re der Einbau einer W\u00e4rmepumpe technisch kein Problem. In jedem Fall f\u00fchrten diese Ma\u00dfnahmen zu einer deutlichen Wertsteigerung der Immobilie bei gleichzeitiger Senkung der Betriebskosten. Zwei von drei entscheiden sich an diesem Tag dann f\u00fcr eine Gasheizung, der dritte f\u00fcr eine \u00d6lheizung.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Mit ihrer Entscheidung reduzieren sowohl die \u00e4ltere Dame als auch das junge Paar \u2013 bei beiden ist die bestehende Heizung kaputt, sie brauchen also so oder so eine neue \u2013 den Wert ihrer Immobilie um gesch\u00e4tzte 50.000 EUR&nbsp; \u2013 statt ihn um 50.000 EUR zu steigern. Denn wohl dem, der heute schon ein Haus mit einer modernen Heizung hat. Den Bauern mit der \u00d6lheizung bzw. seinen Sohn werden wir dann in sp\u00e4testens zehn Jahren auf einer Demo gegen die EU und die explodierenden Heiz\u00f6l-Kosten wieder treffen.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine nicht minder ern\u00fcchternde Anekdote des Heizungsmonteurs: Nach dem Einbau einer Luft-W\u00e4rmepumpe in einem Neubauobjekt habe sich der Nachbar in den Tagen danach \u00fcber die L\u00e4rmbel\u00e4stigung beschwert. Zu einem Zeitpunkt, als der Monteur die Heizung noch gar nicht angeschaltet hatte.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Umweltschutz und Klimawandel spielten bei der Entscheidung keine Rolle &#8211; auch nicht bei den jungen Eltern. Eher dr\u00e4ngt sich der Verdacht auf, dass die Wahl der (Alt-)Technologien ideologiegetrieben waren.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Willkommen im Deutschland des Jahres 2023, in dem eine Luft-W\u00e4rmepumpe Zeichen von Wokeness zu sein scheint und man lieber dem Habeck eines auswischt, als sich selbst und seinen Nachkommen etwas Gutes zu tun.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wie konnte es soweit kommen und wer treibt diesen Irrsinn, der Menschen zu offensichtlichen und kostenintensiven Fehlentscheidungen animiert, eigentlich an?&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Das W\u00e4rmepumpen-Desaster ist nur ein Aspekt eines verlotterten politischen Diskurses bei gleichzeitigem Click-Bait-Kalk\u00fcl vieler Medienh\u00e4user im Augenblick h\u00f6chster Verunsicherung der \u00d6ffentlichkeit angesichts multipler Krisen, einer verkrachten Regierung und einer Opposition, die ihre Orientierungslosigkeit mit populistischer Rhetorik zu kaschieren versucht.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Mischung macht\u2019s. Und diese Mischung ist toxisch.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Denn sie erf\u00fcllt alle Voraussetzungen f\u00fcr eine Abw\u00e4rtsspirale im gesellschaftlichen Diskurs, die schwer wenn \u00fcberhaupt wieder umzukehren ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Beginnen wir bei<strong> Punkt 1: Der verlotterte politische Diskurs<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Kein verantwortungsvoll handelnder Akteur kann ein Interesse daran haben, dass Immobilienbesitzer im Jahre 2023, 2024 und erst recht nicht in den folgenden Jahren, neue Heizungen einbauen bzw. alte ersetzen, die ma\u00dfgeblich oder sogar ausschlie\u00dflich mit fossilen Brennstoffen betrieben werden.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Selbst wenn man der Meinung ist, dass man dies nur dringend empfehlen und nicht gesetzlich vorschreiben sollte, muss die Empfehlung immer lauten:&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>\u201eLiebe Leute, baut keine neuen Gas- oder \u00d6lheizungen ein, sondern setzt auf W\u00e4rmepumpen, Solar und Photovoltaik \u2013 sowie auf alle Alternativen, die bei euch in der Region zur Verf\u00fcgung stehen. Zu eurem eigenen Nutzen. Ihr schadet euch, dem Wert eurer Immobilie und ganz nebenbei auch noch der Umwelt, wenn ihr das anders macht.\u201c \u2013 Mit freundlichen Gr\u00fc\u00dfen CDU\/CSU, FDP, SPD, Gr\u00fcne, Linke, FW.<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Was wir stattdessen zu h\u00f6ren und sehen bekommen sind substanzlose Phantasien von E-Fuels, angeblicher Technologieoffenheit (FDP) und einem \u201eHeizungs-Hammer\u201c (CDU\/BILD). Die CDU sammelt sogar Unterschriften mit der Argumentation \u201eDieser Heizungs-Hammer trifft die Menschen mit voller Wucht. Viele haben Angst \u2026\u201c Eine Angst, welche die Partei wider besseren Wissens selbst sch\u00fcrt.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>In der CDU-Kampagne findet sich kein einziger Hinweis darauf, dass es grunds\u00e4tzlich schon sehr sinnvoll w\u00e4re, auf erneuerbare Energien umzusteigen.<\/p>\n\n\n\n<p>Es findet sich auch kein Hinweis darauf, dass in dem bisherigen Entwurf nur irreparabel defekte Heizungen in Bestandsbauten und Neubauten betroffen sind. Was bedeutet, dass alle mit einer funktionierenden Heizung sich sowieso um gar nichts k\u00fcmmern m\u00fcssen und diese auch erst ersetzen m\u00fcssen, wenn sie nicht mehr repariert werden kann \u2013 also dann, wenn sie sowieso eine neue Heizung brauchen. Wie bisher warten H\u00e4uslebesitzer also darauf, dass irgendwann einmal die Heizung den Geist aufgibt. Ob das in 5, 10, 15 oder 20 Jahren ist. Und dann kauft man wie bisher eine neue. Und w\u00e4hlt aus dem dann verf\u00fcgbaren Angebot.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Stattdessen weisen eigentlich wirtschaftsfreundliche Parteien ihrer eigenen Klientel einen Weg, der wie in dem erw\u00e4hnten Artikel zu einer offensichtlichen Wertevernichtung f\u00fchrt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Punkt 2: Der mediale Click-Bait-Hammer<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcberschriften, die bei diesem aber auch anderen Themen mit bewusst verzerrten oder ins groteske verkehrten \u201eInformationen\u201c arbeiten, betreffen nicht nur die BILD. Sie sind allgegenw\u00e4rtig.<\/p>\n\n\n\n<p>Besonders der Hinweis darauf, dass es hier nicht um ein Verbot bestehender Heizungen geht, wird nicht nur in der Headline sondern gerne auch im Text selbst unterschlagen. Sehr \u00e4hnlich wie schon beim angeblichen EU-weiten \u201eVerbrennerverbot\u201c 2035, bei dem es ausschlie\u00dflich um die NEUZULASSUNG von Fahrzeugen geht. In mehr als einem Jahrzehnt werden also keine Verbrenner mehr neu zugelassen. Keiner muss seine zuvor erworbene M\u00f6hre aufgeben, sondern kann sie fahren, bis sie ihm unter dem Hintern wegrostet.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber die Erfahrung zeigt: Wer Aufregung sch\u00fcrt, erh\u00e4lt Aufmerksamkeit.<\/p>\n\n\n\n<p>Dass diese aufregende bis verhetzende Methode vor allem unvollst\u00e4ndige oder \u201eAlternative Wahrheiten\u201c produziert und damit den Diskurs in einer Gesellschaft vergiftet \u2013 das ist der Preis, den wir am Ende alle zahlen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Punkt 3: Multiple Krisen und eine verkrachte Regierung.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wer diesem Blog folgt wei\u00df, dass die zentrale Aufgabe einer Regierung in Zeiten multipler Krisen darin besteht, Orientierung und Halt zu bieten. Mehr ist dazu nicht zu sagen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Folgen: Vertrauensverluste f\u00fcr ausnahmslos alle demokratischen Akteure und Institutionen auf breiter Ebene<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Vertrauen in die politische F\u00fchrung Deutschlands erodiert und ist gleichzeitig hoch volatil. Politiker:innen werden in bisher nicht gekanntem Ausma\u00df in der Beliebtheit nach oben katapultiert, nur um wenige Monate sp\u00e4ter das Schlusslicht zu bilden. Baerbock, Spahn, Habeck, Lauterbach \u2013 es ist ein einzige Achterbahnfahrt.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Sehr deutlich wird dies in den seit Jahrzehnten erhobenen Daten der Forschungsgruppe Wahlen im Auftrag des ZDF. Zum Beispiel bei der Bewertung der Spitzenpolitiker:innen. \u00dcber die letzten drei\u00dfig Jahre notierten dort selbst m\u00e4\u00dfig beliebte Politiker:innen fast durchgehend im deutlich positiven Bereich auf einer Skala von +5\u00a0 bis -5. Ein ordentlicher Mittelwert lag bei etwa 1.0, ein Spitzenwert bei 2.0. Eher schlecht bewertet wurde man mit 0,5. <\/p>\n\n\n\n<p>Angela Merkel notierte zum Ende ihrer Amtszeit im Mai 2021 bei +2,2, Olaf Scholz landete bei +1,0 das Schlusslicht bildete Christian Lindner mit 0,0. Niemand in der Top 10 notierte negativ.\u00a0Der Bundesregierung attestierten 62% der Befragten, einen \u201eguten Job\u201c zu machen. (Politbarometer KW 18 2021). Diese ungef\u00e4hre Bandbreite der Werte hatten \u00fcber fast drei Jahrzehnte Bestand. Aber nicht mehr in den letzten Monaten.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Mai 2023 attestiert nur eine Minderheit von 41% der Bundesregierung eine gute Arbeit. Die Top 10 der Politiker:innen sinkt schon nach dem 3. Platz in den negativen Bereich (1. Pistorius +1,7;&nbsp; 2. Scholz +0,5, 3. Baerbock 0,0.). Die Repr\u00e4sentant:innen der Opposition profitieren im Gegenzug nicht von dem schlechten Erscheinungsbild der Bundesregierung. Oppositionsf\u00fchrer Merz landet mit -0,3 noch vor S\u00f6der (-0,4). Einstmalige Spitzenreiter wie Lauterbach (-0,1) oder Habeck (-0,6) werden nach unten durchgereicht. Deutliches Schlusslicht ist Frau Wagenknecht mit -1,4.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Diese und noch viele weitere Daten bezeugen, dass zwischen 2021 und 2023 ein deutlicher Vertrauensverlust in die handelnden Akteure an der Spitze von Regierung und Opposition stattfand.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Merz, S\u00f6der und auch mal wieder Spahn suchen nun ihr Heil einmal mehr am rechten Rand der Rhetorik und bedienen sich dem beliebten AfD-Sprech vom Heizungs-, Gender-, Migrations-Wahnsinn.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Wie schon so oft bewiesen \u2013 nicht nur in Deutschland \u2013 gewinnen sie damit nichts, st\u00e4rken aber die AfD.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Die FDP versucht sich weiter an dem in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft mehrfach gescheiterten Weg der Opposition in der Koalition, die Gr\u00fcnen irrlichtern, reflektieren und reagieren weiter gl\u00fccklos kommunikativ und die SPD versucht sich mal wieder darin, es allen und damit niemandem recht zu machen.<\/p>\n\n\n\n<p>Na, herzlichen Gl\u00fcckwunsch uns allen.<\/p>\n\n\n\n<p>Noch erweist sich Deutschland als relativ stabil in Bezug auf einen ausufernden Populismus. Aber die Entwicklung ist keine Gute \u2013 die Richtung falsch und die Konsequenzen bedrohlich.<\/p>\n\n\n\n<p><em>So, ich gehe jetzt wieder in den Keller und streichle unsere Luft-W\u00e4rme-Pumpe, die aktuell im Sommerschlaf ruht, aber dennoch etwas Liebe und Zuneigung verdient hat. Sie arbeitet seit 2007 verl\u00e4sslich in unserer Reihenhaussiedlung und leidet an dem Ma\u00df an Mi\u00dftrauen, Ausgrenzung und H\u00e4me, das ihr zur Zeit entgegenschl\u00e4gt.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir schreiben das Jahr 2023 und die Entscheidung f\u00fcr eine Heizungstechnologie bestimmt den politischen Gradmesser zwischen Wokeness und AfD-N\u00e4he. Willkommen im gesellschaftlichen Drama des W\u00e4rme-Wahnsinns um woke W\u00e4rmepumpen, verlotterte Diskurse, verwirrte W\u00e4hler. 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