{"id":2752,"date":"2021-09-18T13:43:05","date_gmt":"2021-09-18T11:43:05","guid":{"rendered":"http:\/\/frank-stauss.de\/?p=2752"},"modified":"2021-09-18T13:43:05","modified_gmt":"2021-09-18T11:43:05","slug":"es-ist-diese-zeit-in-der-kampagne","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/frank-stauss.de\/index.php\/es-ist-diese-zeit-in-der-kampagne\/","title":{"rendered":"Es ist diese Zeit in der Kampagne."},"content":{"rendered":"<h5 class=\"fusion-responsive-typography-calculated\" data-fontsize=\"19\" data-lineheight=\"28.5px\">Die Union hat in ihrem erratischen Kampf gegen den drohenden Untergang ihr letztes Pulver verschossen. Aber selbst das Pulver war nass. Wir biegen ein in die letzte Runde des \u201eMega-Giga-Supersexy-Superwahljahres.\u201c<\/h5>\n<p>Die j\u00fcngsten Umfragen sind rund um den 17.9. eingetroffen und stabilisieren sich. Sie beinhalten alles, was die Union noch im K\u00f6cher hatte: Rot\/Rot\/Gr\u00fcn, Friedrich Merz, einen CDU-Wahlk\u00e4mpfer, der im Nebenberuf Staatsanwalt in Osnabr\u00fcck ist, einen CSU-Parteitag, zwei Trielle, unz\u00e4hlige weitere Formate von Arenen bis Klartexten und Uschi Glas.<\/p>\n<p>Nach der Erhebung der Forschungsgruppe Wahlen f\u00fcr das ZDF vom 17.9. trauen 67% der Befragten Armin Laschet das Amt des Bundeskanzlers nicht zu. Hingegen trauen 67% Olaf Scholz das Amt zu. 67% Nein : 67% Ja. Das ist desastr\u00f6s f\u00fcr Armin Laschet und zeigt einmal mehr: Das Problem der Union in dieser Kampagne hei\u00dft Armin Laschet. Nur Armin Laschet konnte dieses Problem mit \u00fcberzeugenden Auftritten l\u00f6sen und es ist ihm nicht gelungen. L\u00e4sst man den Soziologen-Sprech einmal weg wird eines klar: Die Menschen in Deutschland k\u00f6nnen Armin Laschet einfach nicht ausstehen. So einfach ist das manchmal.<\/p>\n<p>Die Laschet-Kampagne hat sich in den letzten Tagen entscheiden m\u00fcssen, woher sie gegebenenfalls noch die letzten Stimmen zusammenkratzen kann, um doch noch vor der SPD ins Ziel zu kommen. Wenig originell hat sie sich f\u00fcr die FDP entschieden. Logisch ist das insofern, da die FDP nur deshalb zweistellig notiert, weil sie von dem Laschet-Fallout der Union profitiert. Ein Kandidat S\u00f6der h\u00e4tte die FDP kleiner gehalten. Deshalb hat die Laschet-Kampagne Friedrich Merz wieder nach vorne geschoben. Daher spricht Armin Laschet pl\u00f6tzlich \u00fcber \u201eEntfesselung\u201c der M\u00e4rkte und B\u00fcrokratieabbau. Das ist FDP-Sprech und hei\u00dft f\u00fcr die gro\u00dfe Mehrheit der Bev\u00f6lkerung \u00fcbersetzt: Abbau von Arbeitnehmerrechten, Sozialstaat und Verbraucherschutz. Und genau hier zeigt sich das Dilemma: Diese Botschaften sind nur f\u00fcr die FDP-Klientel attraktiv und f\u00fcr absolut niemanden sonst. In einigen Umfragen klappt das: Die Union gewinnt 1-2 Punkte auf Kosten der FDP. Die Krux an der Sache: Da die SPD auch weiter stabil bleibt oder sogar dazugewinnt \u2013 zum Teil von den Gr\u00fcnen \u2013 kann es am Ende nicht einmal mehr f\u00fcr Jamaika reichen \u2013 der letzten Option Laschets auf das Kanzleramt.<\/p>\n<p>Friedrich Merz ist seit gut 20 Jahren ein Scheinriese der deutschen Politik und hat dieses Alleinstellungsmerkmal erfolgreich verteidigt. Er ist eine von seiner Partei und Fraktion mehrfach abgelehnte Geheimwaffe f\u00fcr nichts. Und au\u00dferdem noch ein Mann ohne jegliche Regierungserfahrung. Heute notiert er in der \u201eBeliebtheitsskala\u201c der Forschungsgruppe bei -0,3 auf dem vorletzten Platz. Hinter ihm nur noch: Armin Laschet (-0,4). Minus mal Minus ergibt f\u00fcr die Union in diesem Wahlkampf: Minus.<\/p>\n<p>Gleichzeitig sehen wir, dass das Kompetenzthema der SPD \u201eSoziale Gerechtigkeit\u201c bei der pers\u00f6nlichen Wahlentscheidung auf Platz 1 liegt (FGW). Die SPD legt auch in anderen Kompetenzfeldern zu und das bereits best\u00e4ndig in den vergangenen Wochen korrespondierend mit ihren besseren Umfragewerten und den positiven Werten f\u00fcr Olaf Scholz. Au\u00dferdem wird ihre Arbeit in der Bundesregierung mittlerweile deutlich besser bewertet als die der Union \u2013 auch das war bisher nicht der Fall gewesen.<\/p>\n<p><em><strong>Wir erleben die Postrationalisierung einer bereits getroffenen Entscheidung.<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Das bedeutet, die Menschen haben sich f\u00fcr Olaf Scholz entschieden (und auch sehr stark gegen Armin Laschet). Daf\u00fcr m\u00fcssen sie jetzt aber SPD w\u00e4hlen. Damit das zusammenpasst, rechtfertigen sie diese eher \u201eemotionale\u201c Entscheidung vor sich selbst \u2013 aber auch in ihrem pers\u00f6nlichen Umfeld \u2013 durch die rational zur SPD passenden Themen. Die SPD war auch nie so sehr in Misskredit, dass dies nicht m\u00f6glich ist.<\/p>\n<p>F\u00fcr die SZ hatte ich vor ein paar Tagen geschrieben: \u201eDie Menschen saufen sich jetzt die SPD sch\u00f6n, damit sie zu ihrer Entscheidung f\u00fcr Olaf Scholz passt.\u201c Das haben manche als kritisch gegen\u00fcber der SPD empfunden. Im Gegenteil! Alles an diesem Vergleich ist doch sch\u00f6n. Vor allem aber: Gegen so etwas ist die andere Seite nat\u00fcrlich v\u00f6llig machtlos.<\/p>\n<p>Hinzu kommt, dass Scholz tats\u00e4chlich diese sozialen Themen (12 EUR Mindestlohn, Rente \u2013 aber vor allem auch das \u00dcberthema \u201eRespekt\u201c) seit \u00fcber einem Jahr f\u00fcr sich absteckt. Laschet ist in diesem Bereich v\u00f6llig blank. In seinem Bestreben, W\u00e4hler von der FDP zur\u00fcckzugewinnen, ist er au\u00dferdem gezwungen, deren traditionelle Themen (\u201eEntfesselung\u201c, \u201eEntb\u00fcrokratisierung\u201c) zu fahren. F\u00fcr Soziales bleibt da gar kein Platz mehr. Und Friedrich Merz hat beim Thema soziale Gerechtigkeit imagem\u00e4\u00dfig so viel Kredit, wie RWE bei Fridays for Future. Der N\u00e4hrboden f\u00fcr dieses Thema wurde zus\u00e4tzlich durch Corona und die damit verbundenen Lohneinbu\u00dfen oder gar Existenz\u00e4ngste geschaffen. Es ist also da \u2013 und die Union hat nichts zu bieten. Au\u00dfer vielleicht die M\u00fctterrente der CSU, die Laschet aber ablehnt. Hier zeigt sich einmal mehr, wie konfus und kaputt diese Unions-Kampagne ist. Nichts passt zueinander, nichts l\u00e4sst einen vermuten, dass es jemals eine Strategie gab. Noch nicht einmal eine gescheiterte.<\/p>\n<p>Was kann jetzt noch geschehen: Ich denke, dass der \u201eJustizskandal aus Osnabr\u00fcck\u201c oder die \u201eRazzia bei Scholz\u201c (je nach Sichtweise) ein typischer Kampagnen-Aufreger kurz vor Toresschluss bleiben wird und keinen wirklich interessiert. Wir werden nach der Wahl nie wieder etwas davon h\u00f6ren. Case closed. Hoffentlich wird er besonders den Verantwortlichen in Osnabr\u00fcck und anderen, die ihr Amt gerne instrumentalisieren wollten, eine Lehre sein: Noch funktionieren in Deutschland die Kontrollmechanismen auch der Medien gegen\u00fcber einer unzul\u00e4ssigen Einmischung in einen Wahlkampf. Diese Einmischung kam diesmal nicht von Wikileaks oder Putin-Trollen sondern direkt aus der Staatsanwaltschaft unter Mitwisserschaft der Nieders\u00e4chsischen CDU-Justizministerin. Manchen in der Union ist scheinbar alles egal.<\/p>\n<p>Gelaufen ist dieses Rennen aber erst am 26.9. Der Vorsprung der SPD vor der Union liegt bei 2-5 Prozentpunkten. Da haben wir schon an manchen Wahlabenden gesehen, dass da noch \u00dcberraschungen m\u00f6glich sind. Dagegen sprechen alle vorliegenden anderen Werte, sowie der fehlende Trend zur Union.<\/p>\n<p>Aber: Ein paar Gr\u00fcnen-Anh\u00e4nger die den Vorsprung der SPD f\u00fcr zu sicher halten und wieder zu den Gr\u00fcnen zur\u00fcckgehen, ein paar mehr FDP-W\u00e4hler und Unentschlossene, die am Ende doch noch unter Schmerzen Laschet w\u00e4hlen \u2013 und schon kann die Union doch noch vorne liegen.<\/p>\n<p>M\u00f6glich ist auch, dass die SPD am Wahltag selbst noch einmal zulegt, weil der Trend Genosse ist und vor allem viele Laschet einfach verhindern wollen. Oder aber es bleibt alles in etwa so wie heute: Stabil.<\/p>\n<p><em><strong>Wenn der Pulverdampf verzogen ist, wird jedenfalls eines bleiben: Der kurioseste Wahlkampf der Nachkriegsgeschichte.<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Und eines, was man kaum noch f\u00fcr m\u00f6glich gehalten hatte: Eine nahezu perfekte SPD-Kampagne. Basierend auf einer klaren Strategie, klaren Verantwortlichkeiten, einem absolut geschlossenen F\u00fchrungsteam, einem teamf\u00e4higen Spitzenkandidaten und einem klaren Plan. Wie auch immer das Ergebnis am Ende aussehen wird: Die SPD wird am oberen Ende ihrer M\u00f6glichkeiten landen und die Union unterhalb ihrer schlimmsten Albtr\u00e4ume.<\/p>\n<p>Ja, die SPD profitiert von den Fehlern der anderen. Aber sie konnte das nur, weil sie selbst perfekt vorbereitet war. Sie hat aus ihren Fehlern der vergangenen beiden Wahlen gelernt und alle Erwartungen \u00fcbertroffen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Union hat in ihrem erratischen Kampf gegen den drohenden Untergang ihr letztes Pulver verschossen. Aber selbst das Pulver war nass. Wir biegen ein in die letzte Runde des \u201eMega-Giga-Supersexy-Superwahljahres.\u201c Die j\u00fcngsten Umfragen sind rund um den 17.9. eingetroffen und stabilisieren sich. Sie beinhalten alles, was die Union noch im K\u00f6cher hatte: Rot\/Rot\/Gr\u00fcn, Friedrich Merz, &hellip; <a href=\"https:\/\/frank-stauss.de\/index.php\/es-ist-diese-zeit-in-der-kampagne\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eEs ist diese Zeit in der Kampagne.\u201c<\/span> weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[318,91,358,320,41,120,367,72,291,319,196,402,38],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/frank-stauss.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2752"}],"collection":[{"href":"https:\/\/frank-stauss.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/frank-stauss.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/frank-stauss.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/frank-stauss.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2752"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/frank-stauss.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2752\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2753,"href":"https:\/\/frank-stauss.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2752\/revisions\/2753"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/frank-stauss.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2752"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/frank-stauss.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2752"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/frank-stauss.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2752"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}