{"id":2647,"date":"2021-07-18T17:18:12","date_gmt":"2021-07-18T15:18:12","guid":{"rendered":"http:\/\/frank-stauss.de\/?p=2647"},"modified":"2021-07-18T17:23:44","modified_gmt":"2021-07-18T15:23:44","slug":"so-wird-robert-habeck-bundeskanzler","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/frank-stauss.de\/index.php\/so-wird-robert-habeck-bundeskanzler\/","title":{"rendered":"So wird Robert Habeck Bundeskanzler."},"content":{"rendered":"<p><em><strong>Obwohl viele diese Bundestagswahl bereits abgehakt haben, gibt es einen plausiblen Weg f\u00fcr die Gr\u00fcnen, diese Wahl zu gewinnen. Sie m\u00fcssten es nur wollen. Und das ist die eigentliche Frage: Wollen sie es \u00fcberhaupt?<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Die Bundestagswahl 2021 hatte bis vor wenigen Tagen kein Thema, jetzt hat sie eines. Es ist ein \u00dcberthema, eine massive Intervention, ein Game-Changer wie wir ihn selten so nah vor Wahlen erleben. Die Toten der vergangenen Tage werden die deutsche Politik auf Jahre pr\u00e4gen und ver\u00e4ndern und das ist auch das mindeste, was diese Gesellschaft ihnen schuldig ist.<\/p>\n<p>Die Reaktorkatastrophe von Fukushima im M\u00e4rz 2011 f\u00fchrte zu einer 180\u00b0 Wende in der deutschen Energiepolitik. Es war \u201eder eine Tag\u201c, der Angela Merkel veranlasst hat, ihre kurz zuvor vollzogene 180\u00b0 Wende wieder r\u00fcckg\u00e4ngig zu machen und am Ende genau dort zu landen, wo die Rot\/Gr\u00fcne Bundesregierung von Bundeskanzler Gerhard Schr\u00f6der bereits Jahre zuvor angekommen war: Beim Atomausstieg. Nur schneller. Fehler erkannt, Fehler korrigiert. Armin Laschet sieht heute keine Veranlassung, nur Aufgrund der Ereignisse eines Tages seine r\u00fcckst\u00e4ndige Umweltpolitik zu \u00e4ndern. Merkel tat es. Was einmal mehr beweist, in welch intellektueller Kreisklasse Laschet im Vergleich zur Weltpolitikerin Merkel boxt.<\/p>\n<p>Heute erleben wir keine ferne Reaktorkatastrophe an Japans K\u00fcste, sondern dutzendfachen, vermutlich hundertfachen Tod und massive Zerst\u00f6rung mitten in unserem Land. Und der Sommer ist noch jung. In den n\u00e4chsten Wochen werden wir alle bei einsetzendem st\u00e4rkerem Regen zusammenzucken und uns fragen: H\u00f6rt das wieder auf \u2013 oder bleibt das 12, 24, 36 Stunden so? Die verheerenden Folgen des Klimawandels sind endg\u00fcltig bei uns angekommen und nur noch ideologische verblendete Vollpfosten oder skrupellose Lobbyisten leugnen das.<\/p>\n<p>Selbstredend ist dieses Ereignis das Thema f\u00fcr die Gr\u00fcnen. Keine Partei genie\u00dft auf irgendeinem Feld h\u00f6here Kompetenzwerte als Die Gr\u00fcnen bei Umwelt- und Klimaschutz. Gleichzeitig wird das Thema in den n\u00e4chsten Tagen die Corona-Krise von Platz eins der wichtigsten Themen, die die Deutschen bewegen, verdr\u00e4ngen.<\/p>\n<p>Schauen wir einmal auf die Zahlen von Deutschlands bestem Meinungsforschungsinstitut, der Forschungsgruppe Wahlen (FGW), die im Auftrag des ZDF seit Jahrzehnten ihre Erhebungen ver\u00f6ffentlicht. Dort standen die Gr\u00fcnen am 7. Mai 2021 bei 26%, die Union bei 25%. In der ungewichteten \u201ePolitischen Stimmung\u201c kamen die Gr\u00fcnen gar auf 32%. In der Beurteilung der 10 wichtigsten Politiker*innen lag Annalena Baerbock mit 1,0 auf dem 7. Platz, allerdings sehr nah an Scholz (1,0), Habeck (1,2) und S\u00f6der (1,3). Abgeschlagen folgten Spahn (0,3), Laschet (0,2) und mit der gelben Laterne Lindner (0,0). Thematisch dominierte Corona (74%) vor Umwelt\/Klima (26%).<\/p>\n<p>Springen wir auf die j\u00fcngsten Zahlen der FGW aus der KW28, ver\u00f6ffentlicht am 16.7.2021, erhoben vom 13.-15.7.2021 \u2013 also bevor die Katastrophe Einfluss nehmen konnte. Die Gr\u00fcnen standen bei 20% (politische Stimmung: 22%), die Union bei 30% (Stimmung: 36%). Thematisch lag Corona bei 50%, Umwelt\/Klima bereits bei 34%. Im Ranking der 10 wichtigsten Politiker*innen belegte Annalena Baerbock nun zum zweiten Mal in Folge den letzten Platz (-0,5) hinter Lindner (0,2) und Spahn (0,2). Laschet steht bei schwachen 0,5 und Scholz bei 1,0. Falls jemand fragt: Ja, oben thront seit Monaten als einzige mit einer 2 vor dem Komma die Kanzlerin.<\/p>\n<p>N\u00e4hern wir uns der \u00dcberschrift dieses Beitrages.<\/p>\n<p>Die Gr\u00fcnen waren schon einmal der Union auf den Fersen oder gar knapp vor ihr und das nicht irgendwann, sondern noch im Mai. Dann wurde Annalena Baerbock medial getestet und ist durchgefallen. Baerbock ist heute ein Klotz am Bein der Gr\u00fcnen-Kampagne. Sie zieht die Gr\u00fcnen massiv nach unten und wird das weiter tun. Bleibt Baerbock Kanzlerkandidatin der Gr\u00fcnen, werden deren Werte zwar in Folge der Katastrophe steigen, aber je n\u00e4her wir dann ab Ende August der Bundestagswahl im September kommen, auch wieder fallen. Weil man Baerbock das Kanzleramt nicht zutraut. Das wird so bleiben. Der Schaden ist innerhalb von acht Wochen nicht zu reparieren.<\/p>\n<p>Wie k\u00f6nnen die Gr\u00fcnen jetzt das Blatt noch wenden? Nun, diese Katastrophe und die damit verbundene politische Disruption er\u00f6ffnet der Partei ein kurzes Zeitfenster, um sich neu aufzustellen und zu sortieren. Kann Habeck die Gr\u00fcnen auf Platz 1 f\u00fchren? Ja, er ist zwar bis dato auch kein Mega-Zugpferd (0,8; Platz 5), aber vor allem ist er kein Bremsklotz am Bein der Gr\u00fcnen. Wer die Bilder seines Wahlkampfauftaktes im Norden gesehen hat, wei\u00df: Das ist der einzige Politiker im Feld, der \u00fcberhaupt etwas wie Aufbruchstimmung verbreiten kann. Ist er fehleranf\u00e4llig? Auf jeden Fall! Aber er ist l\u00e4nger im Gesch\u00e4ft, erfahrener und schlicht und ergreifend interessanter als Baerbock.<\/p>\n<p>W\u00fcrde man den Gr\u00fcnen diesen Wechsel verzeihen? Nun, die W\u00e4hler*innen der Gr\u00fcnen sollten diesen Wechsel nicht nur verzeihen, sondern herbeisehnen. Baerbock verhindert mit ihrer gescheiterten Kandidatur den Erfolg der Gr\u00fcnen und damit mehr Klimaschutz, mehr Tierschutz, mehr Umweltschutz. Das ist die Lage und nur die Gr\u00fcnen k\u00f6nnen sie \u00e4ndern. Genauer: Nur Baerbock kann das \u00e4ndern. Daf\u00fcr braucht es Gr\u00f6\u00dfe und Verzicht.<\/p>\n<p>Es geht um die historisch einmalige Chance f\u00fcr die Gr\u00fcnen auf das Kanzleramt und Baerbock steht im Weg. Ist das alles gerecht? Wei\u00df ich nicht. Ungerecht ist es jedenfalls nicht. Eine Garantie f\u00fcr den Erfolg ist Habeck auch nicht, aber der Ticket-Wechsel ist die einzige Chance.<\/p>\n<p>Zeitlicher Ablauf:<\/p>\n<p>Dieser Wahlkampf kann noch enormes Momentum f\u00fcr die Gr\u00fcnen entfachen. Das Thema Klimawandel\/Umwelt wird stark und entscheidend. Wann w\u00e4re dann der beste Zeitpunkt?<\/p>\n<p>Der Fokus in den n\u00e4chsten zwei Wochen wird sich auf Laschet als Frontrunner richten und er wird dabei nicht gut aussehen. Weder politisch noch sonst irgendwie. Weil er das gar nicht kann. Da sollte man nicht st\u00f6ren.<\/p>\n<p>Ein R\u00fcckzug Baerbocks zur Mitte der ersten Augustwoche w\u00e4re die zweite gro\u00dfe Disruption f\u00fcr die Gr\u00fcnen und w\u00fcrde massive mediale Aufmerksamkeit auf Habeck lenken. Alle Karten w\u00fcrden neu gemischt. F\u00fcr die Plakate der dritten Welle ist das noch ausreichend und ein Kanzlerkandidatinnen-Plakat f\u00fcr Baerbock gibt es bis dato sowieso noch nicht. Alles k\u00e4me au\u00dferdem rechtzeitig zu Beginn der wichtigen Briefwahl.<\/p>\n<p>Die anderen Parteien k\u00f6nnen nicht mehr reagieren und Habeck hat wenig Zeit, um Fehler zu machen. Habeck w\u00e4re der einzige Kandidat mit der Chance, den Wahlkampf noch elektrisieren zu k\u00f6nnen. Sehr viele W\u00e4hlerinnen und W\u00e4hler sind noch unentschlossen und empf\u00e4nglich.<\/p>\n<p>Vor allem aber \u2013 und das unterscheidet ihn von anderen Ad-hoc Kandidaten der Vergangenheit: Er ist vorbereitet. Er hat sich seit Jahren darauf vorbereitet. Er ist bereit.<\/p>\n<p>Das ist der Weg f\u00fcr Robert Habeck und die Gr\u00fcnen ins Kanzleramt.<br \/>\nWerden sie es versemmeln?<br \/>\nWahrscheinlich.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Obwohl viele diese Bundestagswahl bereits abgehakt haben, gibt es einen plausiblen Weg f\u00fcr die Gr\u00fcnen, diese Wahl zu gewinnen. Sie m\u00fcssten es nur wollen. Und das ist die eigentliche Frage: Wollen sie es \u00fcberhaupt? 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