{"id":2340,"date":"2019-07-30T11:50:14","date_gmt":"2019-07-30T09:50:14","guid":{"rendered":"http:\/\/frank-stauss.de\/?p=2340"},"modified":"2019-07-30T11:50:14","modified_gmt":"2019-07-30T09:50:14","slug":"bringt-endlich-elektroautos-aufs-land","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/frank-stauss.de\/index.php\/bringt-endlich-elektroautos-aufs-land\/","title":{"rendered":"Bringt endlich Elektroautos aufs Land!"},"content":{"rendered":"<p><strong><em>Ein Bekannter von mir vertreibt Ferienimmobilien rund um die Mecklenburgische und Feldberger Seenlandschaft und f\u00e4hrt t\u00e4glich weite Strecken mit seinem Hyundai Vollstromer. Auch ich fahre seit gut vier Jahren einen Vollstromer. Auf dem Land w\u00e4re der Umstieg allerdings f\u00fcr viele noch wesentlich leichter als in der Stadt. Daf\u00fcr braucht es aber nicht nur neue Autos, sondern auch ein neues Marketing.<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Eigentlich bin ich ein treuer deutscher Autok\u00e4ufer. Mein erstes eigenes Auto war ein VW K\u00e4fer, es folgten Passat, Audi, Chrysler (ok, aber sie geh\u00f6rten damals noch zu Daimler-Chrysler) und dann Mercedes. Nach dem zweiten CLS \u201eBlue-Whatever-Diesel\u201c war mir das aber fad, und nachdem ich bei einem Bekannten in einem Elektroauto mitfahren durfte, wollte ich kein anderes mehr.<\/p>\n<p>Vier Jahre sp\u00e4ter will ich immer noch kein anderes. Vielleicht irgendwann mal ein Wasserstoff-Fahrzeug. Aber ein Auto, das mit fossilen Brennstoffen f\u00e4hrt, ist f\u00fcr mich raus. Weil sich ein e-Auto einfach so geil f\u00e4hrt. Und leise ist. Und absolut nichts braucht \u2013 au\u00dfer Strom. Mein Tesla hat eine einzige \u00d6ffnung, in die man etwas einf\u00fcllen kann: Wischwasser. Inspektion gibt es nicht, weil nicht n\u00f6tig \u2013 wenn was sein sollte, h\u00e4ngt sich der Kundendienst per W-Lan rein, und bisher hat ein Neustart wie beim i-Phone (beide Kn\u00f6pfe am Lenkrad gleichzeitig dr\u00fccken und halten) ggf. verbunden mit einem Software-Update alles gel\u00f6st. Der T\u00dcV-Mann meinte: \u201eWas soll ich hier checken \u2013 hier ist ja nichts.\u201c<\/p>\n<p>Unterwegs laden war bisher nie ein Problem, da Tesla entlang des europ\u00e4ischen Autobahnnetzes etwa alle 150 km eigene Schnelladestationen errichtet hat \u2013 von Oslo bis Porto. Haben der Staat und Tank &amp; Rast jahrelang nicht hinbekommen, etwas so irre kompliziertes wie Steckdosen zu bauen. Ist die Karre recht leer, dauert das Laden gute 25 Minuten. Die App informiert mich beim Kaffeetrinken oder den theoretisch m\u00f6glichen Dehn\u00fcbungen, wann genug geladen wurde, um das n\u00e4chste Ziel zu erreichen.<\/p>\n<p>Ich lebe in Berlin und habe mir f\u00fcr etwa 500 EUR eine Starkstromsteckdose an meinen Tiefgaragenplatz d\u00fcbeln lassen. Wenn der Wagen fast leer sein sollte, l\u00e4dt er in etwa 5 Stunden komplett auf. Abends nach der Arbeit dranh\u00e4ngen, morgens vollgestromt wieder losfahren. Zugegeben eine sehr privilegierte Variante f\u00fcr einen Stadtmenschen \u2013 denn wer hat schon einen TG-Stellplatz und dann noch eine Eigent\u00fcmergemeinschaft, die einer Ladestation zustimmt?<\/p>\n<p>Und jetzt sind wir bei dem Punkt, weshalb ich es problematisch finde, dass Mercedes und Audi ihre ersten elektrischen Fahrversuche mit SUVs absolvieren und BMW mit dem i3 nur ein sehr kleines Stadtauto am Start hat. Denn die Ladeinfrastruktur wird gerade in den Metropolen zu Engp\u00e4ssen f\u00fchren m\u00fcssen. Mal ganz abgesehen von der immer noch extrem umst\u00e4ndlichen Systemanmeldung bei den unterschiedlichsten Anbietern \u2013 warum funktionieren die Dinger nicht einfach mit einer stinknormalen EC- oder Kreditkarte? \u2013 gibt es einfach zu wenige davon.<\/p>\n<p>Die Vorstellung, an einem kalten Wintertag im Schneeregen im Kiez erst eine verf\u00fcgbare Ladestation zu suchen, dann den Wagen dranzuh\u00e4ngen und nach der Ladezeit wieder umparken zu m\u00fcssen weil sonst ein Strafzettel droht \u2013 das ist nicht so irre verlockend. So wird es aber zumindest in den Jahren des \u00dcbergangs sein.<\/p>\n<p>Als Kind vom Lande frage ich mich daher, weshalb Elektroautos wie der kommende VW id, oder bereits erh\u00e4ltliche wie der Hyundai IONIQ nicht konsequenter als Zweitwagen f\u00fcr den l\u00e4ndlichen Raum vermarktet werden. Und konzipiert. Auf dem Land brauche ich keinen wendigen Stadtflitzer, sondern ein \u201evern\u00fcnftiges\u201c Auto in Golfgr\u00f6\u00dfe mit Platz f\u00fcr vier und ein erlegtes Reh. Selbst wenn Vati dort nicht auf seine Dieselkutsche verzichten will \u2013 sp\u00e4testens als Zweit- oder Drittwagen macht ein E-Auto sehr gro\u00dfen Sinn. Ich wei\u00df, das sind Rollenklischees \u2013 aber ich wei\u00df auch, dass sie noch stimmen. Zumindest dort, wo ich herkomme.<\/p>\n<p><strong>Das spricht f\u00fcr e-Autos auf dem Land:<\/strong><\/p>\n<p>Zun\u00e4chst einmal die Infrastruktur. In l\u00e4ndlichen Gegenden leben wesentlich mehr Menschen in Einfamilienh\u00e4usern oder in H\u00e4usern mit 3-4 Wohnungen. Jedes dieser H\u00e4user kann problemlos eine simple, handels\u00fcbliche Starkstromsteckdose anbringen.<\/p>\n<p>Die t\u00e4glich gefahrenen Strecken erreichen nicht ann\u00e4hernd die 300 \u2013 500 km Reichweite, die bei neuen Elektroautos \u00fcblich sind. Und die klassischen Fahrten zur Arbeit, zum Einkaufen, in die n\u00e4chste gr\u00f6\u00dfere Stadt, zum Arzt oder zum Besuch bei Freunden sind locker mit dieser Reichweite zu erledigen, ohne dass jemand Schwei\u00dfperlen auf der Stirn bekommt.<\/p>\n<p>Viele dieser Regionen sind \u00fcbrigens keineswegs \u201eabgeh\u00e4ngt\u201c. Im Gegenteil. \u00dcberall in Deutschland gibt es sehr wohlhabende Landkreise, f\u00fcr deren Bewohner es auch heute schon kein Problem darstellt, neben dem obligatorischen SUV auch noch einen nagelneuen Golf mit allem Schnickschnack zu ordern.<\/p>\n<p>Viele Jugendliche sehnen auf dem Land ihren F\u00fchrerschein herbei, damit sie sich endlich unabh\u00e4ngig fortbewegen k\u00f6nnen. Einfamilienh\u00e4user mit vier Bewohnern und vier Autos sind keine Seltenheit \u2013 ob man das nun gut findet oder nicht. Und junge Menschen sind innovationsfreudig und technologiebegeistert. Warum sollten sie noch lernen, wie man Motoren\u00f6l nachf\u00fcllt oder stinkenden Diesel mit Handschuhen tankt? Das ist \u00fcberfl\u00fcssiges Wissen im 21. Jahrhundert.<\/p>\n<p>Die Voraussetzungen daf\u00fcr, der Elektromobilit\u00e4t gerade auf dem Land zum Massendurchbruch zu verhelfen, sind also hervorragend. Das gilt nat\u00fcrlich auch f\u00fcr Sharing-Angebote, aber wie so oft gibt es die nat\u00fcrlich dort, wo viele Menschen auf engem Raum leben \u2013 also nicht im l\u00e4ndlichen Raum.<\/p>\n<p>Vier Jahre nach dem Tesla (und sieben Jahre nach dessen Markteinf\u00fchrung), war ich wieder bereit, auf einen deutschen Hersteller umzusteigen. Mein bescheidener Beitrag zum Umweltschutz sollte dabei aus einem Downsizing bestehen, denn der Tesla ist mir eigentlich zu gro\u00df. Aber es gibt kein \u00fcberzeugendes deutsches Angebot. In keiner Gr\u00f6\u00dfe. Das ist schlimm. Es wird jetzt wohl wieder ein Tesla, diesmal das kleinere \u201eModel 3\u201c. G\u00e4be es von Mercedes die A-Klasse oder \u00e4hnliches in elektrisch, w\u00e4re meine Kohle im Land geblieben. So geht sie nach Palo Alto. Dann vielleicht in 3-4 Jahren wieder, meine lieben Schlafm\u00fctzen in Stuttgart, M\u00fcnchen, Ingolstadt, Wolfsburg\u2026 Waren schon mal weiter vorne, Autos Made in Germany.<\/p>\n<p><em>Dieser Beitrag erschien zuerst auf richelstauss.de<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Bekannter von mir vertreibt Ferienimmobilien rund um die Mecklenburgische und Feldberger Seenlandschaft und f\u00e4hrt t\u00e4glich weite Strecken mit seinem Hyundai Vollstromer. Auch ich fahre seit gut vier Jahren einen Vollstromer. Auf dem Land w\u00e4re der Umstieg allerdings f\u00fcr viele noch wesentlich leichter als in der Stadt. 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