{"id":2292,"date":"2019-05-23T22:08:14","date_gmt":"2019-05-23T20:08:14","guid":{"rendered":"http:\/\/frank-stauss.de\/?p=2292"},"modified":"2019-05-23T22:44:42","modified_gmt":"2019-05-23T20:44:42","slug":"game-changer-in-bremen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/frank-stauss.de\/index.php\/game-changer-in-bremen\/","title":{"rendered":"Game-Changer in Bremen."},"content":{"rendered":"<p><strong><em>Der Trend in Bremen war eindeutig: INSA ver\u00f6ffentlicht am Dienstag einen 5% Vorsprung f\u00fcr die CDU. Dann kam die Absage der SPD an die CDU. Und es sortiert sich neu. <\/em><\/strong><\/p>\n<p>Ein Game-Changer bricht mit bisherigen Regeln, betritt neues, unerforschtes Territorium und birgt daher hohe Risiken \u2013 oder aber die Chance, den Lauf der Dinge nachhaltig und \u00fcber den Moment hinaus zu ver\u00e4ndern. Am Freitag, den 17.5.2019 um 17:00 treten der Bremer B\u00fcrgermeister Carsten Sieling, die SPD Landesvorsitzende Sascha Aulepp und Fraktionschef Bj\u00f6rn Tsch\u00f6pe vor die Presse, um einen m\u00f6glichen Game-Changer zu verk\u00fcnden. Einstimmig hat soeben der Landesvorstand der SPD beschlossen, eine Zusammenarbeit mit der CDU, ja sogar Sondierungsgespr\u00e4che, kategorisch auszuschlie\u00dfen. Es wird in Bremen keine gro\u00dfe Koalition geben. Ebenso wird eine Zusammenarbeit mit der FDP ausgeschlossen. Das ist nur konsequent, da die Ablehnung einer Zusammenarbeit mit der CDU haupts\u00e4chlich mit deren Sozial- und Mieterpolitik begr\u00fcndet wird \u2013 und diese Argumente gelten in Richtung FDP ebenso.<\/p>\n<p>Es ist das erste Mal, dass eine der beiden Volksparteien eine Koalition mit der anderen vor der Wahl ausgeschlossen hat. Bisher hat man je nach politischer Himmelsrichtung vieles ausgeschlossen \u2013 Linke, anfangs auch Gr\u00fcne, Rechte sowieso \u2013 aber keine Koalition untereinander. Auch hat die SPD es in einem der alten Bundesl\u00e4nder bisher nicht gewagt, offensiv f\u00fcr eine Rot-Rot-Gr\u00fcne Koalition zu werben. Die Gr\u00fcnen und die Linke allerdings auch nicht. Das ist also alles neu \u2013 k\u00f6nnte aber die politische Landschaft \u00fcber Bremen hinaus ver\u00e4ndern.<\/p>\n<p>Was keiner bisher wusste: Wie reagieren die W\u00e4hlerinnen und W\u00e4hler auf eine solche klare Aussage nur neun Tage vor der Wahl? In den letzten Jahren hatten die W\u00e4hler ja gelernt, dass nach der Wahl alles m\u00f6glich ist. Schwarz-Gr\u00fcn, Gr\u00fcn-Schwarz, Schwarz-Gelb-Gr\u00fcn, GroKo, Ampel, Rot-Gr\u00fcn, Gr\u00fcn-Rot. Es wurde immer unklarer, was die Stimmabgabe am Ende bewirkt. Und vielleicht finden das die Leute gar nicht so schlecht. Oder doch?<\/p>\n<p>In der sehr diffusen Medienwelt unserer Zeit, muss man mit mindestens 5-7 Tagen rechnen, bis eine solche Nachricht tats\u00e4chlich bei den W\u00e4hlerinnen und W\u00e4hlern ankommt. Und dann muss man sehen, ob sie \u00fcberhaupt zu irgendwelchen Reaktionen f\u00fchrt. Und wenn, dann welche Reaktionen sie ausl\u00f6st.<\/p>\n<p><strong>Heute, am Donnerstag 22:00, ist Tag 6 nach der Gro-Ko Absage und uns liegt die erste Umfrage vor, die nach dieser Entscheidung erhoben wurde. <\/strong>Sie wurde im Auftrag des ZDF von der Forschungsgruppe Wahlen erhoben und zwar noch bis sp\u00e4t in den heutigen Donnerstag-Abend hinein. Frischer geht es nicht.<\/p>\n<p>Zum Vergleich steht die bisher aktuellste Umfrage, die von dem Meinungsinstitut INSA im Auftrag der BILD am Dienstag, den 21.5.2019 ver\u00f6ffentlicht wurde. Diese Befragung fand noch haupts\u00e4chlich vor der Pressekonferenz der SPD statt oder so kurz danach, dass die Befragten die Absage an die CDU noch nicht mitbekommen konnten (15.5.-20.5.)<\/p>\n<p><strong>Vergleichen wir die beiden Umfragen Vor\/Nach der Entscheidung:<\/strong><\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">VORHER : INSA \/ BILD (15.-20.5.2019):<\/span><br \/>\nSPD: 23%, CDU 28%, Gr\u00fcne 18%, FDP 6%, Linke 11%, AfD 6%, BiW 2%<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">NACHHER: Forschungsgruppe Wahlen (FGW) \/ ZDF (21.-23.5.2019)<\/span><br \/>\nSPD: 24,5%, CDU 26%, Gr\u00fcne 18%, FDP 5%, Linke 12%, AfD 7%, BiW 3%<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">Ver\u00e4nderungen:<\/span><br \/>\nSPD +1,5%, CDU -2%.<br \/>\nRRG w\u00e4chst von 52% auf 54,5%,<br \/>\nSchwarz-Gelb sinkt von 34% auf 31%<\/p>\n<p>Im Vergleich zu der letzten vorliegenden Umfrage schrumpft der Abstand zwischen CDU und SPD von 5% auf 1,5% um &#8211; 3,5%. Das ist sehr viel in sehr kurzer Zeit. Ab jetzt kann man wieder sehr klar sagen: Das ist ein Kopf-an-Kopf Rennen.In der Direktwahlfrage legt B\u00fcrgermeister Carsten Sieling im Vergleich zur letzten FGW-Umfrage sogar noch etwas zu auf 43%. Jetzt steht es bei 12% Vorsprung 43% zu 31%.<\/p>\n<p>Fazit: Da es kein \u00e4hnlich relevantes Ereignis in den letzten Tagen des Wahlkampfes in Bremen gegeben hat, muss man davon ausgehen, dass die klare Ansage der SPD zu diesen in der K\u00fcrze der Zeit doch relevanten Verschiebungen gef\u00fchrt hat. Schon jetzt sind alle Auguren, die der SPD einen Zusammenbruch nach der Absage an CDU und FDP attestiert haben, widerlegt. Das Gegenteil ist der Fall. Das durchaus vorliegende Momentum der CDU in den letzten Wochen wurde gestoppt, wenn nicht sogar gedreht. Die Zustimmung zur SPD steigt. Und wir sind jetzt erst bei Tag 6 \u2013 es folgen noch 3.<\/p>\n<p>Die W\u00e4hlerinnen und W\u00e4hler goutieren offenbar die klare Ansage der SPD. Sie wissen jetzt zu 100%, woran sie sind, und dass die mit der SPD keine Regierungsbeteiligung von CDU oder FDP bekommen werden. Die Gr\u00fcnen haben entschieden, sich eine Koalition mit CDU und FDP offenzuhalten. Das bringt sie nicht wirklich weiter. Da sie bei der letzten Wahl bereits 15,5% erreicht hatten, ist ihr jetziger Stand gemessen an der Entwicklung im Bund unterdurchschnittlich.<\/p>\n<p>Das alles hei\u00dft noch lange nicht, dass die Wahl am Sonntag entschieden ist. Aber sie ist wieder offen. F\u00fcr die SPD Bremen hat sich das volle Risiko bisher als Game-Changer mit positiver Tendenz erwiesen. Durch die Basis ging ein sp\u00fcrbarer Motivationsschub und an den Infost\u00e4nden wird viel Zustimmung zu dem klaren Kurs deutlich.<\/p>\n<p>In Bremen gibt es wieder ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Das Momentum liegt f\u00fcr die letzten drei Tage wieder auf Seiten der SPD. Vieles deutet auf eine sehr volatile W\u00e4hlerschaft mit vielen Unentschlossenen hin. Es ist \u00fcbrigens l\u00e4ngst nicht das erste Kopf-an-Kopf Rennen zwischen SPD und CDU in Bremen. Bei der Wahl 1995 trennten beide nur 0,8 Prozentpunkte beim Endstand von 33,4%: 32,6% zugunsten der SPD.<\/p>\n<p>Auch diesmal wird die Wahl in Bremen wohl zu den wenigen Wahlen z\u00e4hlen, bei denen wir wirklich bis Sonntag um 18:00 warten m\u00fcssen, bis wir ein Ergebnis haben. Oder noch l\u00e4nger.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Trend in Bremen war eindeutig: INSA ver\u00f6ffentlicht am Dienstag einen 5% Vorsprung f\u00fcr die CDU. Dann kam die Absage der SPD an die CDU. Und es sortiert sich neu. 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