{"id":2258,"date":"2019-02-11T13:26:08","date_gmt":"2019-02-11T11:26:08","guid":{"rendered":"http:\/\/frank-stauss.de\/?p=2258"},"modified":"2019-02-11T13:26:08","modified_gmt":"2019-02-11T11:26:08","slug":"endlich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/frank-stauss.de\/index.php\/endlich\/","title":{"rendered":"Endlich."},"content":{"rendered":"<p><em>Mit ihrer neuen Sozialpolitik bereitet die SPD Deutschland auf eine Zukunft vor, die sehr, sehr viele Ver\u00e4nderungen mit sich bringen wird. Und genau deshalb muss der Staat alles tun, um den Zusammenhalt in der Gesellschaft zu st\u00e4rken.<\/em><\/p>\n<p>Unsicherheit ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Populisten. Und wir leben in unsicheren Zeiten. Auch wenn sich die \u00fcberw\u00e4ltigende Mehrheit der Deutschen mit ihrer finanziellen Situation zufrieden oder sogar sehr zufrieden zeigt, gilt diese aktuelle Selbsteinsch\u00e4tzung nicht mehr als Stabilit\u00e4tsparameter. Die Unsicherheit hat andere Ursachen, denen man auch nicht mit den Rezepten von vor 20 Jahren begegnen kann. Denn vor 20 Jahren gab es diese Ursachen noch gar nicht.<\/p>\n<p>Wir leben in einer Zeit des Umbruchs, gegen den die industrielle Revolution ein schleichender Prozess war. Alleine das Smartphone hat das Leben der Deutschen und ihren Alltag so dramatisch ver\u00e4ndert, wie kaum eine Erfindung zuvor. Die technologische Entwicklung seit dem Amtsantritt des letzten sozialdemokratischen Kanzlers vor zwei Jahrzehnten ist atemberaubend. Mit allen Konsequenzen auf das Arbeitsleben, den Medienkonsum, das Privatleben und die globale Vernetzung. Es gibt nicht den kleinsten Bereich unseres Alltags, der nicht auf den Kopf gestellt wurde. Vor allem aber erleben wir, dass sich viele Menschen in einem nerv\u00f6sen Dauerzustand befinden. Und viele auch einen permanenten Ver\u00e4nderungsdruck versp\u00fcren.<\/p>\n<p>Alleine in den letzten zehn Jahren durchlebten die Menschen in Deutschland eine massive Konjunkturkrise (2009) mit langen Kurzarbeitsphasen bis hinein in die Boomregionen von Bayern und Baden-W\u00fcrttemberg. Sie erlebten die Eurokrise, die in Kombination mit der weltweiten Rezession zu Dauerniedrigzins und dem Niedergang der Lebensversicherungen f\u00fchrte. Sie erlebten eine massive Binnenmigration mit einer regelrechten Landflucht der jungen Leute in die Ballungszentren und Boomst\u00e4dte. Mit doppelten Folgen: Ausd\u00fcnnung, Ladenschlie\u00dfungen, \u00d6PNV-, Schul- und Kitaabbau und damit Vergreisung auf der einen Seite \u2013 explodierende Mieten, Gentrifizierung, \u00dcberlastung der Infrastruktur, Schul- und Kitamangel sowie Bauboom und Dauerbaustellen auf der anderen.<\/p>\n<p>Diese im Alltag aller Menschen sp\u00fcrbare Ver\u00e4nderung wird nun noch erg\u00e4nzt durch erste Auswirkungen der technologischen Entwicklung auf die Zukunftsf\u00e4higkeit der deutschen Schl\u00fcsselindustrien und Symbole des Wohlstands. Die Deutsche Bank, Volkswagen, Karstadt-Quelle \u2013 Symbole des Wohlstands durchleben Krisen oder verschwinden gleich ganz vom Markt. Die Dieselkrise f\u00fchrt zu zus\u00e4tzlicher und direkt erlebter Verunsicherung. Die Produkte von BMW, Mercedes, Audi, Porsche, Volkswagen \u2013 aufgrund einer beispiellosen Technologieverweigerung Ihrer Chefs bald Auslaufmodelle oder gar versehen mit dem Makel eines Fahrverbotes in Ballungszentren im In- und Ausland?<\/p>\n<p>Und im Privatleben sp\u00fcren die Menschen auch einen permanenten Kommunikationsdruck und deutlich gestiegene Erwartungen an Erreichbarkeit, Erziehung, Ern\u00e4hrung, Sozialverhalten und digitale Kompetenz. Hinzu kommen die gesellschaftlichen Ver\u00e4nderungen, die manche mehr irritieren als andere. Die Stichworte hier: Emanzipation, Ehe f\u00fcr alle, Patchwork, Internationalisierung der Gesellschaft. Obendrauf erleben wir den Klimawandel nun auch in Deutschland und Europa und kennen ihn nicht mehr nur aus Berichten von fernen L\u00e4ndern.Diese Ver\u00e4nderungen fanden und finden statt \u2013 und zwar v\u00f6llig unabh\u00e4ngig von den Fl\u00fcchtlingsbewegungen und deren H\u00f6hepunkt in Deutschland 2015\/2016. Schon vorher stand also fest: Alles ist in Bewegung. Planbarkeit wird schwieriger. Zukunftsszenarien werden immer schneller Gegenwartsszenarien.<\/p>\n<p>Auf Ver\u00e4nderung gibt es drei Reaktionsm\u00f6glichkeiten:<\/p>\n<ul>\n<li>Stagnative Fixierung auf die Gegenwart und Verteidigung des Status Quo.<\/li>\n<li>Reaktion\u00e4re Idealisierung des Gestern, Flucht in die Vergangenheit<\/li>\n<li>Aktive Gestaltung der Zukunft.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die SPD geht mit ihrer Neuordnung des Sozialstaates einen ersten, mutigen Schritt nach vorne. Weitere werden folgen. Den Beginn aber macht ein umfassendes Konzept, bei dem man vor allem eines sp\u00fcrt, was vielen anderen Akteuren abgeht: eine substantielle Auseinandersetzung mit den Erfahrungen der letzten zwanzig Jahre und eine Ausrichtung entlang der Anforderungen der n\u00e4chsten zwanzig Jahre.<\/p>\n<p>Die neue F\u00fchrung unter Andrea Nahles hat damit in weniger als zw\u00f6lf Monaten wesentlich mehr geleistet als ihre Vorg\u00e4nger und auch die Konkurrenz \u00fcber die letzten Jahre. Dieses Konzept ist belastbar und genau das ist auch der Grund, warum die SPD (endlich) mal wieder richtige Gegner in den neoliberalen Lobbyverb\u00e4nden der Industrie findet. Einer Industrie, die aufgrund ihrer eigenen Zukunftskonzepte sehr gro\u00dfen Anlass f\u00fcr Demut und Zur\u00fcckhaltung h\u00e4tte.<\/p>\n<p>Die wichtigste Aufgabe demokratischer F\u00fchrung \u00fcber die n\u00e4chsten Jahre ist die St\u00e4rkung des gesellschaftlichen Zusammenhaltes. In Zeiten schneller Umbr\u00fcche, wachsender Unsicherheit und zunehmendem Populismus ist sozialer Zusammenhalt die Lebensversicherung einer freien und vielf\u00e4ltigen Demokratie. Demokratien m\u00fcssen immer besser sein als undemokratische Regime, um sich gegen Angriffe der Populisten zu immunisieren. Freier und erfolgreicher aber auch sozialer, berechenbarer und gerechter.<\/p>\n<p>Mit der Neuausrichtung des Sozialstaates ist der SPD ein gro\u00dfer Wurf auf dem Feld ihrer Kernkompetenz gelungen. Vor allem aber ist es eine Abkehr vom neoliberalen Mantra der Vergangenheit, das auf staatlichem Misstrauen gegen\u00fcber seinen B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrgern beruhte. Die Zukunftssorgen, die viele B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger gerade umtreiben, sind nicht auf ein paar Hartz IV-Betrugsf\u00e4lle zur\u00fcckzuf\u00fchren. Die wahren Probleme mit denen wir gerade und in n\u00e4chster Zukunft konfrontiert werden, wurden und werden in den Chefb\u00fcros von millionenschweren Unternehmenslenkern verursacht, die in ihrer Selbstverliebtheit und Sattheit die Zukunft verpennt haben. Und die jetzt schon wieder nach dem Staat rufen, der sie retten soll.<\/p>\n<p><em>Dieser Text erschien erstmalig auf richelstauss.de<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit ihrer neuen Sozialpolitik bereitet die SPD Deutschland auf eine Zukunft vor, die sehr, sehr viele Ver\u00e4nderungen mit sich bringen wird. Und genau deshalb muss der Staat alles tun, um den Zusammenhalt in der Gesellschaft zu st\u00e4rken. Unsicherheit ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Populisten. Und wir leben in unsicheren Zeiten. 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