{"id":2215,"date":"2018-08-30T12:12:54","date_gmt":"2018-08-30T10:12:54","guid":{"rendered":"http:\/\/frank-stauss.de\/?p=2215"},"modified":"2018-08-31T10:39:51","modified_gmt":"2018-08-31T08:39:51","slug":"rechtsdrift-der-untergang-der-liberalen-liberalen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/frank-stauss.de\/index.php\/rechtsdrift-der-untergang-der-liberalen-liberalen\/","title":{"rendered":"Rechtsdrift &#8211; Der Untergang der liberalen Liberalen"},"content":{"rendered":"<p>Es gab Grund zu zweifeln, es gab Grund zu hoffen. Niemand konnte ahnen, ob und wie die FDP sich in der au\u00dferparlamentarischen Opposition erneuern w\u00fcrde, und auf dem Weg zum am Ende fulminanten Wiedereinzug in L\u00e4nderparlamente und Bundestag lie\u00df Christian Lindner auch diverse Testballons in Richtung Rechte starten. Am Ende aber setzte er auf eine Kampagne, die neben dem verbliebenen Stammkapital von 3-4% vor allem auf eine moderne, urbane und digitale Boh\u00e8me setzte. Oder auf die, die sich daf\u00fcr hielten.<\/p>\n<p>Das machte strategisch auch gro\u00dfen Sinn. Die SPD lie\u00df das Klientel nach dem Entgleisen des Schulz-Zuges eher irritiert zur\u00fcck, die CDU \u2013 und vor allem die krakeelende CSU, war das Gegenteil von attraktiv, die Gr\u00fcnen kamen vielen modernen W\u00e4hlern noch zu zauselig daher, und wenn Lindner eines kann, dann modern daherkommen.<\/p>\n<p>Jetzt allerdings gibt es Konkurrenz. Die Gr\u00fcnen erscheinen moderner als noch 2017 und graben an eben dieser W\u00e4hlerschicht, die Lindner deutlich \u00fcber den Durst in den Bundestag hievte. Von nun an ging\u2019s bergab. Nach dem kurios begr\u00fcndeten Ausb\u00fcxen vor tats\u00e4chlicher Verantwortung und einem bis dato sehr k\u00fcmmerlichen Dasein als nicht vorkommende Oppositionspartei, macht man sich in der FDP zu recht Gedanken, wie das denn weitergehen soll. Denn nat\u00fcrlich ist alles sehr fragil f\u00fcr alle im deutschen Parteiensystem des Jahres 2018.<\/p>\n<p>Aus unseren eigenen Untersuchungen \u2013 und die werden bei der FDP nicht anders aussehen \u2013 wissen wir, dass es mit der modernen FDP nur ein Jahr sp\u00e4ter nicht mehr weit her ist. Die moderne Boh\u00e8me ist ein fl\u00fcchtiges V\u00f6lkchen und wer sich heute zur FDP in unseren Gruppen bekennt, ist stockkonservativ. Manchmal noch konservativer als die CDU. Es ist ein in weiten Teilen kleinb\u00fcrgerliches, um nicht zu sagen regelrecht spie\u00dfiges Mittelstandsv\u00f6lkchen, das au\u00dfer dem eigenen Wohlergehen absolut nichts weiter im Sinn hat. Soziale Verantwortung, ob im In- oder Ausland, ist v\u00f6llige Fehlanzeige, die Grenzen sollten doch eher zu als offen sein, Umweltschutz ist Firlefranz und das Einzige, das einen Hauch an Internationalit\u00e4t verspr\u00fcht, ist globaler Handel \u2013 solange er f\u00fcr die eigene Tasche mehr Kohle verspricht. Und was liberale B\u00fcrgerrechte angeht \u2013 die sind nicht ganz so wichtig. Wichtiger ist doch Recht und Ordnung.<\/p>\n<p>Das ist der verbliebene FDP-W\u00e4hler 2018. Und nun blasen angesichts der Entwicklung von Chemnitz Herr Wolfgang &#8222;Die Wurzeln f\u00fcr die Ausschreitungen liegen im &#8218;Wir schaffen das&#8216; von Kanzlerin Angela Merkel&#8220; &#8211; Kubicki, Herr Sebastian \u201eAntifaschisten sind auch Faschisten\u201c &#8211; Czaja und nat\u00fcrlich auch Herr Christian \u201eDie Migrationspolitik von Angela Merkel hat unsere politische Kultur ver\u00e4ndert. Zum Schlechteren.\u201c &#8211; Lindner innerhalb von 24 Stunden ins selbe rechte Horn. Ein Depp, der da an Zufall denkt.<\/p>\n<p>Nun, man wird sehen, was weiter geschieht. Aber mit jeder weiteren Rechtsdrift wird es f\u00fcr die FDP schwerer werden, die W\u00e4hlerkoalition von 2017 zu halten bzw. wiederzubeleben. Das ist insofern beachtlich, als es aus unserer Perspektive wesentlich leichter w\u00e4re, diese W\u00e4hlerkoalition 2018 progressiv weiterzuentwickeln. Lindner und manche seiner erfolgreichen LandespolikerInnen h\u00e4tten durchaus das Zeug, weit in das \u2013 \u00fcbrigens stetig wachsende \u2013 progressive Klientel der Republik vorzudringen. Also gerade bisherige Merkel-W\u00e4hler der Union zu gewinnen, die mit einer rechtsdriftenden Union der S\u00f6ders, Spahns etc. absolut nichts anzufangen wissen.<\/p>\n<p>Sie k\u00f6nnten auch den Gr\u00fcnen-Aufschwung stoppen, denn ein Robert Habeck mag zwar f\u00fcr manche progressive Unionisten attraktiv erscheinen, aber der Rest seines Ladens eben nicht. Und nat\u00fcrlich w\u00e4ren auch noch vagabundierende Sozis zu holen. Nur von der AfD halt nichts. Von der ist aber so oder so nichts zu holen. So weit rechts kann die FDP gar nicht driften, um heutige AfD-W\u00e4hler, die wirklich alles, aber auch alles massiv ablehnen, was man unter Zivilisation des 21. Jahrhunderts versteht (Gleichberechtigung der Frauen, Soziale Sicherheit (au\u00dfer f\u00fcr einen selbst), Europa, Umweltschutz, Minderheitenrechte (au\u00dfer f\u00fcr einen selbst), B\u00fcrgerrechte (au\u00dfer den eigenen), Digitalisierung (au\u00dfer f\u00fcr die eigenen Hass-Tweets) und so weiter und so fort, f\u00fcr sich zur\u00fcckzugewinnen.<\/p>\n<p>Nun k\u00f6nnte man sagen, dass sich doch zwischen dem FDP und dem AfD-W\u00e4hler vor allem ein verbindendes Element aufdr\u00e4ngt, n\u00e4mlich ein kristallklarer und ungetr\u00fcbter Egoismus. Damit h\u00e4tte man selbstverst\u00e4ndlich recht. Aber es handelt sich durchaus um unterschiedliche Ausformungen des Egoismus. Der Egoismus des FDP-W\u00e4hlers ist insofern klar und rein, als es ihm wirklich nur um sich selbst geht. Dem AfD-W\u00e4hler geht es um sich selbst, aber gleichzeitig soll es allen anderen auch noch richtig dreckig gehen. Es ist die Kombi von Selbst\u00fcberh\u00f6hung als meist korpulenter Herrenmensch mit Hass auf alle anderen, die diese Klientel so ungenie\u00dfbar f\u00fcr alle anderen macht.<\/p>\n<p>Kurzum \u2013 die Strategie der FDP ist auf den ersten Blick stimmig \u2013 auf den zweiten aber schon nicht mehr. Denn der FDP-W\u00e4hler sieht sich nat\u00fcrlich selbst auch als viel zu elit\u00e4r an, als dass er sich mit dem p\u00f6belnden B\u00e4h der AfD-W\u00e4hler gemein machen wollte. Und f\u00fcr den AfD-W\u00e4hler ist die FDP die Inkarnation jener verhassten Elite, die ihn nachts dreimal mit besoffenem Kopp zum Hassposting rausm\u00fcssen l\u00e4sst.<\/p>\n<p>Die Rechtsdrift macht f\u00fcr die FDP also strategisch gar keinen Sinn. Es kann daher nur eine einleuchtende Erkl\u00e4rung geben. Die Herren Czaja, Kubicki und Lindner glauben einfach an das, was sie twittern. Das w\u00e4re immerhin glaubw\u00fcrdig. Und abgr\u00fcndig.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/H%C3%B6llenritt-Wahlkampf-Insider-Bericht-Erweiterte-Neuausgabe\/dp\/3423349182\/ref=sr_1_1?ie=UTF8&amp;qid=1535623518&amp;sr=8-1&amp;keywords=frank+stauss\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-large wp-image-1729\" src=\"http:\/\/frank-stauss.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/teaser_hoellenritt_wahlkampf_2017-300x147.jpg\" alt=\"teaser_hoellenritt_wahlkampf_2017\" width=\"300\" height=\"147\" srcset=\"https:\/\/frank-stauss.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/teaser_hoellenritt_wahlkampf_2017-300x147.jpg 300w, https:\/\/frank-stauss.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/teaser_hoellenritt_wahlkampf_2017-150x74.jpg 150w, https:\/\/frank-stauss.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/teaser_hoellenritt_wahlkampf_2017-768x377.jpg 768w, https:\/\/frank-stauss.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/teaser_hoellenritt_wahlkampf_2017.jpg 800w\" sizes=\"(max-width: 300px) 85vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Dieser Beitrag erschien zuerst auf richelstauss.de<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es gab Grund zu zweifeln, es gab Grund zu hoffen. 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