{"id":1976,"date":"2017-09-17T16:54:05","date_gmt":"2017-09-17T14:54:05","guid":{"rendered":"http:\/\/frank-stauss.de\/?p=1976"},"modified":"2017-09-17T21:22:36","modified_gmt":"2017-09-17T19:22:36","slug":"der-erste-wahlkampf-fuer-das-vergreisende-deutschland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/frank-stauss.de\/index.php\/der-erste-wahlkampf-fuer-das-vergreisende-deutschland\/","title":{"rendered":"Der erste Wahlkampf f\u00fcr das vergreisende Deutschland."},"content":{"rendered":"<p><em><strong>Mit Lisa Caspari sprach ich eine Woche vor der Wahl f\u00fcr <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/politik\/deutschland\/2017-09\/wahlkampf-bundestagswahl-langeweile-frank-stauss\/komplettansicht\">ZEIT ONLINE<\/a> \u00fcber die Gr\u00fcnde f\u00fcr den schleppenden Wahlkampf. Um es vorweg zu nehmen: Das Problem sind weniger &#8222;Die Alten&#8220;, also die \u00fcber 65ff, es sind eher die jung vergreisten ab 45, die zu einem nicht unerheblichen Anteil jetzt schon so auf Sicherheit bedacht sind, als w\u00e4ren sie bereits 70.<\/strong> <\/em><\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\"><strong>ZEIT ONLINE:<\/strong> Zehn Tage sind es bis zur Bundestagswahl, doch es gibt immer noch kein z\u00fcndendes Wahlkampfthema. Wieso ist das so?<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\"><strong>Frank Stauss: <\/strong>Wir erleben den ersten Wahlkampf f\u00fcr das vergreisende Deutschland. Jeder zweite Wahlberechtigte ist \u00fcber 52, die W\u00e4hler sind so alt wie nie zuvor. Viele Politiker und auch Journalisten und Leitartikler sind ebenfalls in diesem Alter. Dieser Wahlkampf ist auf den Status quo ausgerichtet. Das Land ist regelrecht verstopft von Besitzstandswahrern, digitalen Angsthasen, analogen Nostalgikern und rechten Heulsusen. Und die Politik durchbricht den Kreislauf nicht, sondern gibt dem Affen auch noch Zucker. Wichtige Zukunftsthemen spielen keine Rolle.<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\"><strong>ZEIT ONLINE: <\/strong>Wirklich? Die Gr\u00fcnen zum Beispiel fordern das Ende des Verbrennungsmotors im Jahr 2030. Das wurde anfangs bel\u00e4chelt, kam aber genau zur richtigen Zeit.<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\"><strong>Stauss:<\/strong> Das ist ja schon Regierungspolitik in einigen unserer Nachbarl\u00e4nder, und was Herr Kretschmann davon h\u00e4lt, ist auch bekannt. Keiner Partei ist es gelungen, eine stimmige Zukunftsvision zu pr\u00e4sentieren. Einen gro\u00dfen Wurf, der \u00fcber die Aneinanderreihung von Einzelthemen hinausgegangen w\u00e4re. Wenn die Parteien alle die gleiche sicherheitsfixierte Politik machen und sich von links bis rechts nichts trauen, dann haben wir eben die viel beschworene Alternativlosigkeit. Aufgabe der Politik w\u00e4re es doch, die Gesellschaft aus der gef\u00e4hrlichen Erstarrung herauszuf\u00fchren: Wir sind inmitten zweier epochaler Umbr\u00fcche: der weltweiten Digitalisierung unserer Wirtschaft, unseres Alltags, unseres ganzen Lebens, und in Deutschland kommt der demografische Wandel noch obendrauf. Die Leute sehen doch, dass die gro\u00dfen Innovationen derzeit aus anderen L\u00e4ndern kommen.<\/p>\n<section id=\"seite-1\" class=\"article-page\" data-page-number=\"1\">\n<p class=\"paragraph article__item\"><strong>ZEIT ONLINE: <\/strong>Und was w\u00e4re hier die Erz\u00e4hlung? Doch ein Sorgenwahlkampf?<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\"><strong>Stauss:<\/strong> Nein, im Gegenteil: ein Mutwahlkampf! Die Politik muss einen Weg aufzeigen, wie Deutschland die n\u00e4chsten 20 bis 30 Jahre gut bestehen kann. Ja, wir sind auf einigen wichtigen Feldern nicht auf der H\u00f6he der Zeit, aber dennoch: Wir haben nach wie vor hervorragend ausgebildete, tolle und innovative Leute. Wir sind ein Land mit weltweit nahezu einzigartigen sozialen Standards und ein Magnet f\u00fcr viele hervorragend ausgebildete Menschen in aller Welt. Wir m\u00fcssen einiges nachholen und besser machen, aber auch viel offener sein f\u00fcr Ideen, wie unsere Gesellschaft in diesem Umbruch der Arbeitswelt gerechter organisiert werden kann.<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\"><strong>ZEIT ONLINE:<\/strong> Und warum passiert das nicht?<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\"><strong>Stauss:<\/strong> Weil alle Politiker die gleichen Umfragen lesen und sich denken: &#8222;Oh, die Leute haben Angst, dann muss ich ihnen Sicherheit bieten.&#8220;<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\"><strong>ZEIT ONLINE: <\/strong>Ihr Szenario ist f\u00fcr junge Menschen sehr ern\u00fcchternd. Wenn die Abstiegs\u00e4ngste der \u00c4lteren die politische Agenda bestimmen, wie soll dann je eine zukunftsgerichtete Politik gemacht werden?<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\"><strong>Stauss:<\/strong> Ich bin nun auch schon 52 Jahre alt, ich glaube, auch meine Generation ist zu begeistern f\u00fcr neue Vorschl\u00e4ge. Jetzt braucht es F\u00fchrung, Optimismus und Mut, um das Beste in uns zu wecken. Die Erfolge von Justin Trudeau in Kanada und Emmanuel Macron in Frankreich haben bei allen Unterschieden gezeigt: Es gibt ein politisches Vakuum, das man mit einer modernen, demokratischen und sozialen Alternative f\u00fcllen kann, und nicht nur mit einer reaktion\u00e4ren Alternative. Jeremy Corbyn und Bernie Sanders sind die weitaus linkeren Beispiele mit Achtungserfolgen. Wir haben bei der Nominierung von Martin Schulz erlebt, dass die Menschen sich etwas Neues w\u00fcnschen, dass sie hingucken, wenn es eine Option des Wandels gibt.<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\"><strong>ZEIT ONLINE:<\/strong>\u00a0 Warum hat Schulz die Aufbruchsstimmung nicht halten k\u00f6nnen?<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\"><strong>Stauss<\/strong>: Solch ein politisches Szenario muss \u00fcber Jahre vorbereitet werden. Als Martin Schulz im Januar nominiert wurde, blieb ihm zu wenig Zeit. Die SPD-Kampagne hatte in diesem Sommer eher das Problem, dass sie zu viele Themen auf einmal vorgebracht hat. Schulz hat wichtige Themen gesetzt, zum Beispiel mit seiner nationalen Bildungsinitiative, bei Europa, mit der Investitionspflicht \u2013\u00a0 aber die Kontinuit\u00e4t in der Argumentation hat ebenso gefehlt wie eine attraktive Zukunftserz\u00e4hlung. Aber das gilt nicht nur f\u00fcr die SPD.<\/p>\n<\/section>\n<section id=\"seite-2\" class=\"article-page\" data-page-number=\"2\">\n<p class=\"paragraph article__item\"><strong>ZEIT ONLINE<\/strong>: Erkl\u00e4rt sich der Wiederaufstieg der FDP also durch die Jugend Christian Lindners und die Tatsache, dass er bei Themen wie der Digitalisierung einfach glaubw\u00fcrdiger wirkt?<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\"><strong>Stauss: <\/strong>Vielleicht, allerdings macht er sonst klassische FDP-Politik. Da w\u00e4re noch mehr gegangen. Alle Parteien gehen auf Nummer sicher. Dass die Kanzlerin das tut, ist nicht verwunderlich, von ihr erwartet man auch nicht mehr viel. Aber selbst die Gr\u00fcnen machen einen sehr traditionellen Kernthemenwahlkampf, die SPD hat mit dem Thema Gerechtigkeit ihr Standardrepertoire abgerufen, die AfD lebt von klassischem Rassismus und Rechtsnationalismus. Und die Linkspartei ist gerade zu stumm in diesem Wahlkampf. Weil auch sie denkt, sie m\u00fcsse auf Sicherheit spielen und den Ball flach halten. Wenn das so weitergeht, dann wird Deutschland innovationsfeindlich und r\u00fcckw\u00e4rtsgewandt.<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\"><strong>ZEIT ONLINE: <\/strong>Es ist die Rede von einer neuen gro\u00dfen Koalition nach der Wahl.<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\"><strong>Stauss: <\/strong>Da kann man ja gleich ins Grab h\u00fcpfen, da ist ja noch mehr los. Das ist die Sehnsucht nach Harmonie. Aber Harmonie geh\u00f6rt in Rosamunde-Pilcher-Romane und nicht in einen demokratischen Wettstreit der Ideen. F\u00fcr Union und SPD kann ein solcher neuerlicher GroKo-Verdacht sehr gef\u00e4hrlich werden am Wahltag. Die CDU-W\u00e4hler werden demobilisiert, weil sie glauben, das Ding ist gelaufen. Und die SPD kann keine Option zum Wechsel anbieten. Das kann dann ausfransen und am Wahlabend noch zu \u00dcberraschungen f\u00fchren.<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\"><strong>ZEIT ONLINE: <\/strong>Was soll k\u00fcnftig anders werden?<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\"><strong>Stauss:<\/strong> Das ist zwar der erste Wahlkampf f\u00fcr das vergreisende Deutschland \u2013 aber es sollte auch der letzte sein. Wir d\u00fcrfen nicht in Angststarre verfallen und L\u00f6sungen im Gestern suchen. Gestern war ja schon.<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\"><a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/H%C3%B6llenritt-Wahlkampf-Insider-Bericht-Erweiterte-Neuausgabe\/dp\/3423349182\/ref=sr_1_1?ie=UTF8&amp;qid=1505659407&amp;sr=8-1&amp;keywords=frank+stauss\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-large wp-image-1729\" src=\"http:\/\/frank-stauss.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/teaser_hoellenritt_wahlkampf_2017-300x147.jpg\" alt=\"teaser_hoellenritt_wahlkampf_2017\" width=\"300\" height=\"147\" srcset=\"https:\/\/frank-stauss.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/teaser_hoellenritt_wahlkampf_2017-300x147.jpg 300w, https:\/\/frank-stauss.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/teaser_hoellenritt_wahlkampf_2017-150x74.jpg 150w, https:\/\/frank-stauss.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/teaser_hoellenritt_wahlkampf_2017-768x377.jpg 768w, https:\/\/frank-stauss.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/teaser_hoellenritt_wahlkampf_2017.jpg 800w\" sizes=\"(max-width: 300px) 85vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<\/section>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit Lisa Caspari sprach ich eine Woche vor der Wahl f\u00fcr ZEIT ONLINE \u00fcber die Gr\u00fcnde f\u00fcr den schleppenden Wahlkampf. 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