{"id":1784,"date":"2017-04-26T15:54:12","date_gmt":"2017-04-26T13:54:12","guid":{"rendered":"http:\/\/frank-stauss.de\/?p=1784"},"modified":"2017-04-26T19:45:24","modified_gmt":"2017-04-26T17:45:24","slug":"der-humus-der-demagogen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/frank-stauss.de\/index.php\/der-humus-der-demagogen\/","title":{"rendered":"Der Humus der Demagogen"},"content":{"rendered":"<p>Teil 2 der Populismus-Serie<strong>.<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p><strong>Zwischen zwei Wahlg\u00e4ngen in Frankreich und nach dem AfD-Rechtsruck von K\u00f6ln, serviere ich heute nach <a href=\"http:\/\/frank-stauss.de\/index.php\/die-rezeptur-des-teufels-teil-1-der-populismus-serie\/\">&#8222;Die Rezeptur des Teufels&#8220;<\/a> den zweiten Teil meiner Populismus-Serie als weiteren Auszug aus der soeben erschienenen Neuauflage von &#8222;H\u00f6llenritt Wahlkampf&#8220; (dtv 2017).<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/H%C3%B6llenritt-Wahlkampf-Insider-Bericht-Erweiterte-Neuausgabe\/dp\/3423349182\/ref=sr_1_1?ie=UTF8&amp;qid=1493213251&amp;sr=8-1&amp;keywords=frank+stauss\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-large wp-image-1729\" src=\"http:\/\/frank-stauss.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/teaser_hoellenritt_wahlkampf_2017-300x147.jpg\" alt=\"teaser_hoellenritt_wahlkampf_2017\" width=\"300\" height=\"147\" srcset=\"https:\/\/frank-stauss.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/teaser_hoellenritt_wahlkampf_2017-300x147.jpg 300w, https:\/\/frank-stauss.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/teaser_hoellenritt_wahlkampf_2017-150x74.jpg 150w, https:\/\/frank-stauss.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/teaser_hoellenritt_wahlkampf_2017-768x377.jpg 768w, https:\/\/frank-stauss.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/teaser_hoellenritt_wahlkampf_2017.jpg 800w\" sizes=\"(max-width: 300px) 85vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Im ersten Teil ging es um die Zutaten des populistischen Gebr\u00e4us, die da w\u00e4ren: 1-3 x potentielle S\u00fcndenb\u00f6cke, 1 x Mehrheitsgesellschaft in Opferlaune, 1 x Wordingsetzkasten Populismus (mit Elite, Establishment, Oben, Unten.), 2-3 Prisen Anti-Bildung, 1 Hauch Fremdbestimmung.<\/p>\n<p>Das Gebr\u00e4u wird seit Jahrtausenden anger\u00fchrt und gebraut \u2013 aber es braucht ein gesellschaftliches Klima, um seine destruktive Langzeitwirkung entfalten zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>Teil 2: Der Humus der Demagogen.<\/strong><\/p>\n<p>Der N\u00e4hrboden f\u00fcr Populismus ist Verunsicherung. Und damit kommen wir zu dem vermeintlichen R\u00e4tsel, weshalb Populismus zu Zeiten starken wirtschaftlichen Wachstums in den USA, zu Zeiten friedlicher Stabilit\u00e4t in weiten Teilen Europas oder sogar zu Zeiten st\u00e4ndig steigender Prosperit\u00e4t am Rande der Vollbesch\u00e4ftigung in Deutschland gedeihen kann. Nach dem Brexit-Votum in Gro\u00dfbritannien und nach der Wahl Donald Trumps in den USA waren die vermeintlichen Gr\u00fcnde rasch gefunden und zwar meist anhand traditioneller sozio-\u00f6konomischen Erkl\u00e4rmuster. Aber Geschichte wiederholt sich nicht so plump. Die geht da schon raffinierter vor.<\/p>\n<p>Begleitet man Wahlk\u00e4mpfe \u00fcber Jahrzehnte, erh\u00e4lt man einen umfassenden Einblick in die Ver\u00e4nderungen der Medienlandschaft ebenso, wie in die Befindlichkeiten der Menschen im Alltag \u2013 und findet dort auch ein paar Antworten, die \u00fcber das \u00dcbliche hinaus gehen.<\/p>\n<p><strong>Ursache 1: Eskapismus und der Verlust von Kollateralwissen.<\/strong><\/p>\n<p>Die Schere zwischen informierten, unterinformierten oder gar desinformierten Teilen der \u00d6ffentlichkeit \u00f6ffnet sich immer weiter. Interessanter Weise in einer Zeit, in der Zugang zu Information so einfach ist wie noch nie in der Geschichte der Menschheit. Gleichzeitig steigt aber auch die Zahl derer, die sich aus weiten Teilen des Informationszyklus v\u00f6llig zur\u00fcckziehen oder aktiv ausklinken. Man sucht nicht nach Wegen, eine scheinbar immer komplexere Welt besser zu verstehen, sondern man pflegt eine mehr oder minder ausgepr\u00e4gte Form des Eskapismus.<\/p>\n<p>Und Eskapismus wird einem heute wesentlich leichter gemacht als etwa 1980, 1990 oder 2000. Im Vergleich zu \u201efr\u00fcher\u201c nimmt ab, was ich \u201eKollateralwissen\u201c nenne. Also nicht wirklich nachgefragtes, zum Teil sogar unerw\u00fcnschtes aber dennoch beil\u00e4ufig aufgeschnapptes Wissen \u00fcber Gesellschaft, Kultur und Politik. Wer fr\u00fcher eine Tageszeitung las oder durchbl\u00e4tterte, nahm auch Wissen aus den Bereichen Feuilleton, Landespolitik, Weltpolitik etc. auf, selbst wenn man sich eigentlich nur f\u00fcr den Sportteil, Lokales oder Vermischtes interessierte. \u00c4hnlich verlief auch der Konsum von TV-Sendern oder Radiosendungen. Irgendwann nahm man auch dort eine Nachrichtensendung, ein Politikmagazin oder \u00e4hnliches mit.<\/p>\n<p>Ein solches Wissen k\u00f6nnen wir in wachsenden Teilen der W\u00e4hlerschaft nicht mehr voraussetzen. Die Menschen entscheiden viel rigider als fr\u00fcher, welche Nachrichten sie an sich heranlassen und ob sie \u00fcberhaupt Nachrichten an sich heranlassen. Man konfiguriert den Wissensstrom vor oder ganz aus.<\/p>\n<p>Nun ist nicht jede Form des Eskapismus politisch motiviert. Im Gegenteil. Es geht ja eher darum, Nachrichten zu entkommen, die man zum Teil als verst\u00f6rend, in jedem Fall aber f\u00fcr \u00dcberkomplex h\u00e4lt. Weiss man aber immer weniger, wird das Geschehen in der Welt jedoch noch undurchschaubarer und bedrohlicher. In diesem Informationsvakuum haben es Falschmeldungen, Ger\u00fcchte oder gar gezielte Desinformationen viel leichter, durchzudringen als in einer besser informierten Bev\u00f6lkerung. Das Immunsystem der Unterinformierten ist nicht mehr Abwehrbereit gegen\u00fcber Legenden, Verschw\u00f6rungstheorien, kruden Vereinfachungen oder schlichtweg L\u00fcgen.<\/p>\n<p>Der Zustand der permanenten Erregung der Medien hilft da wenig weiter. Die Medien- und Werbelandschaft befindet sich in einem dramatischen Umbruch. Das hat nat\u00fcrlich auch R\u00fcckwirkungen auf den Berufsstand der Journalisten. In vielen Redaktionen herrscht Existenzangst \u2013 mit Auswirkungen auf die Recherchequalit\u00e4t aber nat\u00fcrlich auch auf die eigene Sicht der Dinge. Online m\u00fcssen \u00dcberschriften anders konzipiert werden, um Klickraten und damit auch Einnahmen durch Werbung zu finanzieren. Je lauter und schriller die Headline und die dann folgenden Einlaufzeilen, desto h\u00f6her die Wahrscheinlichkeit, aufzufallen. Und Schnelligkeit wird ebenfalls belohnt. Mehr jedenfalls, als Recherche.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/H%C3%B6llenritt-Wahlkampf-Insider-Bericht-Erweiterte-Neuausgabe\/dp\/3423349182\/ref=sr_1_1?ie=UTF8&amp;qid=1493213251&amp;sr=8-1&amp;keywords=frank+stauss\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-large wp-image-1729\" src=\"http:\/\/frank-stauss.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/teaser_hoellenritt_wahlkampf_2017-300x147.jpg\" alt=\"teaser_hoellenritt_wahlkampf_2017\" width=\"300\" height=\"147\" srcset=\"https:\/\/frank-stauss.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/teaser_hoellenritt_wahlkampf_2017-300x147.jpg 300w, https:\/\/frank-stauss.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/teaser_hoellenritt_wahlkampf_2017-150x74.jpg 150w, https:\/\/frank-stauss.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/teaser_hoellenritt_wahlkampf_2017-768x377.jpg 768w, https:\/\/frank-stauss.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/teaser_hoellenritt_wahlkampf_2017.jpg 800w\" sizes=\"(max-width: 300px) 85vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Heute treffen immer mehr unbest\u00e4tigte Meldungen auf immer mehr Unterinformierte, die diese permanente Reiz\u00fcberflutung und Katastrophenkakophonie nicht mehr einordnen k\u00f6nnen. Gleichzeitig ver\u00e4ndern sich Lebenswelten und Arbeitswelten in wachsender Geschwindigkeit. Viele Menschen stehen in ihrem Alltag, in ihrem Beruf, in ihrem Umfeld schon mit beiden Beinen in der Zukunft \u2013 andere mit einem Bein \u2013 andere leben hingegen noch ganz im Deutschland von 1990.<\/p>\n<p>Nicht wenige wollen die Uhr zur\u00fcckstellen. Das hat nat\u00fcrlich noch nie funktioniert. Wenn sich immer mehr Menschen dem faktisch unm\u00f6glichen Wunsch anschlie\u00dfen, die Uhr zur\u00fcckzustellen, wird die Frustration immer weiter wachsen. Und zwar in dem Ma\u00dfe, in dem die Erkenntnis w\u00e4chst: Nein, die Uhr l\u00e4sst sich ja gar nicht zur\u00fcckdrehen. Und die Welt auch nicht. Beides dreht sich immer weiter und wer einen Keil in den Mechanismus treiben will, wird feststellen: Das alles bindet nur eine gro\u00dfe negative Energie, die sich aufstaut und sich eines Tages freisetzt.<\/p>\n<p>In den USA hat bereits \u00fcber Jahre eine starke Segmentierung der Medienlandschaft stattgefunden. Einige Sender, Foren und Newsportale geben sich nicht einmal mehr die M\u00fche, so etwas wie Objektivit\u00e4t vorzut\u00e4uschen. Wer nur den Republikanern traut, kann sich ununterbrochen aus deren Quellen informieren, ohne auch nur eine andere Meinung an sich heranzulassen. In diese Regionen kann neues Denken und neues Handeln kaum noch vorsto\u00dfen.<\/p>\n<p>In Deutschland stehen wir am Anfang einer solchen Entwicklung. \u201eL\u00fcgenpresse\u201c \u2013 Vorw\u00fcrfe, Elitenbashing, komplette Desinformation sowie ein selbsterkl\u00e4rter \u201eWille des Volkes\u201c sind feste Bestandteile der Desintegration. Man glaubt nur noch, was man glauben will und liest nur noch, was einen in diesem Glauben best\u00e4rkt.<\/p>\n<p><strong>Ursache 2: Stadt, Land, Schluss.<br \/>\nOder: Die untersch\u00e4tze Binnenmigration.<\/strong><\/p>\n<p>In der Ursachenforschung f\u00fcr den Brexit, Trump oder auch den Aufstieg von Populisten in Frankreich und Deutschland finden wir einen weiteren gemeinsamen Nenner: Den immer weiter wachsenden Unterschied zwischen Stadt und Land.<\/p>\n<p>In Zeiten der internationalen Migration ist die Binnenmigration ein v\u00f6llig untersch\u00e4tztes Thema in Deutschland. Es geht um den Boom von Metropolen wie Berlin, M\u00fcnchen, Hamburg, D\u00fcsseldorf, K\u00f6ln etc. mit bald unerschwinglichen Mieten und Immobilienpreisen einerseits und andererseits dem totalen Gegenteil: Abwanderung, \u00dcberalterung und auch Immobilien- Preisverfall im l\u00e4ndlichen Raum. Mittlerer Weile hat die Landflucht besonders junger Menschen und damit auch junger Familien bereits Mittelzentren mit 50-60.000 Einwohnern erfasst.<\/p>\n<p>Ein Beispiel: Etwa seit 2013 ziehen j\u00e4hrlich rund 40.000 Menschen mehr nach Berlin als von dort wegziehen. Die Folgen f\u00fcr die Boomtown Berlin sind bekannt: steigende Mieten, Gentrifizierungsprobleme, ein ungebrochener Bauboom, massive Investitionen in die Infrastruktur und damit verbunden nicht enden wollende Baustellen quer durch die Metropole.<\/p>\n<p>Weniger bekannt und auch weniger ernst genommen wird die Frage, was eigentlich dort passiert, woher alleine diese Neuberliner kommen. Plus all jene, die es in die anderen Boomst\u00e4dte Deutschlands zieht. W\u00e4hrend Berlin und Hamburg ein Bev\u00f6lkerungswachstum von 7 -10% erwarten, werden andere Fl\u00e4chenl\u00e4nder in den n\u00e4chsten Jahren massiv Einwohner verlieren und einzelne Regionen Deutschlands sogar bis zu 25% seiner Bev\u00f6lkerung bis ins Jahr 2030.<\/p>\n<p>Der Abw\u00e4rtstrend in der Region oder der Kleinstadt wird mit der Zeit immer sichtbarer. Leere Ladenlokale, zu kleine Schulklassen, mangelnde Kitaangebote, Artpraxen ohne Nachfolgeregelung, schlie\u00dfende Apotheken, sinkende Lebensqualit\u00e4t. Mit einher geht der Preisverfall klassischer Einfamilienh\u00e4user, die h\u00e4ufig auch als Altersvorsorge oder Erbe f\u00fcr die Kinder gedacht waren. In vielen F\u00e4llen reicht der Verkaufswert aber gerade einmal f\u00fcr die eigene Unterbringung in Seniorenheimen. Im schlimmsten Fall findet sich \u00fcberhaupt kein K\u00e4ufer.<\/p>\n<p>Fakt ist: Der l\u00e4ndliche Raum hat nur eine Zukunft, wenn wieder junge Menschen dort hinziehen. Nur mit Kindern gibt es eine Kita, nur mit Kindern gibt es Schulen, nur mit Schulen gibt es einen Bus. Und nur mit Schulen, Kitas und einem Bus gibt es \u00fcberhaupt eine Chance, dass weitere Familien dort hinziehen oder die Jungen bleiben und eine Familie gr\u00fcnden.<\/p>\n<p>Das Fatale an der gegenw\u00e4rtigen Entwicklung ist aber, dass nun ausgerechnet die Landbev\u00f6lkerung besonders offen f\u00fcr neue Mitb\u00fcrgerinnen und Mitb\u00fcrger sein m\u00fcsste. Und zwar egal, woher diese kommen. Heute ist Weltoffenheit f\u00fcr die Landbev\u00f6lkerung \u00fcberlebenswichtig.<\/p>\n<p>Und nat\u00fcrlich ist das Allerd\u00fcmmste, was man auf dem Land machen kann, AfD zu w\u00e4hlen. Denn man signalisiert allen, die vielleicht kommen wollen: Hier lebt eine vernagelte, verbohrte, hoffnungslose, fremdenfeindliche Bev\u00f6lkerung. Damit vernichtet man nicht nur endg\u00fcltig die Chance auf einen Zuzug, nein \u2013 die letzten mit einem Funken Grips im Hirn hauen auch noch ab. Das darf man so ruhig auch sagen: Wer auf dem Land AfD w\u00e4hlt, stirbt einen einsamen Tod.<\/p>\n<p>Den Wettbewerb um junge Menschen werden nur die Regionen bestehen, die Zukunft zulassen. Galt es fr\u00fcher, das Dorf mit den sch\u00f6nsten Vorg\u00e4rten zu sein, so schadet das heute auch nicht. Aber man sollte heute auch das Dorf mit der schnellsten Internetverbindung sein, damit etwa eine Architektin arbeiten und an internationalen Wettbewerben teilnehmen kann. Damit junge Menschen im Ort bleiben und eine Familie gr\u00fcnden k\u00f6nnen. Es sollte auch ein Ort sein, der Fremde willkommen hei\u00dft, denn nur diese werden ihn am Leben erhalten. Und nur mit mehr Menschen, egal woher sie kommen, wird es sich lohnen eine Arztpraxis, eine Apotheke, eine Kneipe und einen Sportverein am Leben zu halten. Und vielleicht sogar eines Tages von dort aus eine Gesch\u00e4ftsidee zu entwickeln, die um die Welt fliegt.<\/p>\n<p>Kleinst\u00e4dte, Regionen und D\u00f6rfer brauchen jetzt Leute die Anpacken, den alten Muff vertreiben, Ideen zulassen und die Arme weit \u00f6ffnen f\u00fcr Neuank\u00f6mmlinge.<\/p>\n<p><strong>Ursache 3: Die Digitalisierung, guten Morgen!<\/strong><\/p>\n<p>Zu behaupten, dass die Digitalisierung Ursache der gr\u00f6\u00dften gesellschaftlichen Umbr\u00fcche seit der Industrialisierung sei, ist vermutlich eine Untertreibung. Sie hat bereits unsere Arbeitswelt st\u00e4rker und vor allem schneller ver\u00e4ndert als die Dampfmaschine. Aber nicht nur diese. Auch unser Privatleben hat sich ver\u00e4ndert. Aus unz\u00e4hligen analytischen Gespr\u00e4chen mit den W\u00e4hlerinnen und W\u00e4hlern wissen wir, dass viele die Erleichterungen, die durch die Digitalisierung in unsere Leben kam, sehr zu sch\u00e4tzen wissen. Gleichzeitig sp\u00fcren sie aber auch den Druck einer vermeintlichen oder tats\u00e4chlichen st\u00e4ndigen Verf\u00fcgbarkeit.<\/p>\n<p>Niemand zwingt uns, alle drei Minuten das Smartphone zu checken, aber wir tun es. Viele von uns setzen sich unter selbst gemachten Stress \u2013 andere werden unter Stress gesetzt. Und das ist nur der private Teil des Lebens.<\/p>\n<p>Im Berufsleben sp\u00fcren wir die Ver\u00e4nderung ebenso permanent \u2013 vor allem aber sorgt das Thema \u201eArbeiten 4.0\u201c f\u00fcr Unsicherheit. Es geht nicht um eine kurzfristige Sorge um den Arbeitsplatz. Es geht darum, ob es diese Form der Arbeit in zehn oder zwanzig Jahren \u00fcberhaupt noch gibt. Hinzu kommen wankende Giganten wie die Deutsche Bank, einst m\u00e4chtige Energiekonzerne oder das Herzst\u00fcck der deutschen Industrie: der Automobilbau. Ver\u00e4nderte Anforderungen und Arbeitswelten werden neuerliche Debatten um Arbeitszeitmodelle oder Grundsicherungen notwendig machen.<\/p>\n<p>Nun kann man sich diesen Ver\u00e4nderungen in einer Weltuntergangsstimmung widmen, konstruktiv oder gar nicht. Gar nicht scheint zur Zeit der Common Sense zu sein.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/H%C3%B6llenritt-Wahlkampf-Insider-Bericht-Erweiterte-Neuausgabe\/dp\/3423349182\/ref=sr_1_1?ie=UTF8&amp;qid=1493213251&amp;sr=8-1&amp;keywords=frank+stauss\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-large wp-image-1729\" src=\"http:\/\/frank-stauss.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/teaser_hoellenritt_wahlkampf_2017-300x147.jpg\" alt=\"teaser_hoellenritt_wahlkampf_2017\" width=\"300\" height=\"147\" srcset=\"https:\/\/frank-stauss.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/teaser_hoellenritt_wahlkampf_2017-300x147.jpg 300w, https:\/\/frank-stauss.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/teaser_hoellenritt_wahlkampf_2017-150x74.jpg 150w, https:\/\/frank-stauss.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/teaser_hoellenritt_wahlkampf_2017-768x377.jpg 768w, https:\/\/frank-stauss.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/teaser_hoellenritt_wahlkampf_2017.jpg 800w\" sizes=\"(max-width: 300px) 85vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Von wenigen Ausnahmen abgesehen, widmen sich Medien, Verb\u00e4nde, Organisationen und auch die meisten Politiker am liebsten weiter ihren \u00fcblichen Ritualen. Es geht um kurzfristige Siege und Niederlagen, Personalien und die redundanten Dauerbrenner wie Rente, Agenda 2010 oder Migration. Als ob das die wichtigsten Themen der Zeit w\u00e4ren. Vor allem, wenn man bedenkt, dass zum Beispiel die Agenda 2010 ein Zukunftsprogramm aus dem Jahre 2002 ist und damit nicht nur sieben Jahre \u00fcberf\u00e4llig sondern auch noch 15 Jahre alt.<\/p>\n<p>Wenn man den Wandel positiv gestalten will, muss man an vielen Stellen neu denken und dieses neue Denken auch zulassen. Auch in der Politik sollte ein Ideenwettbewerb stattfinden in dem Gedanken wie neue Arbeitszeitregeln, Grundeinkommen oder Sharing-Konzepte nicht gleich ritualisiert vom Tisch gefegt werden. Leider steht dem aber auch wieder eine Medienlandschaft im Wege, in der nicht ein Gedanke mal ein paar Tage oder gar Wochen verfolgt werden kann, ohne skandalisiert zu werden.<\/p>\n<p>Dennoch muss dringend die Erkenntnis wachsen, dass wir in eine doppelte Falle laufen. In Deutschland trifft die Digitalisierung auf eine alternde und damit h\u00e4ufig auch innovationsfeindliche Bev\u00f6lkerung. <strong>Gerade eine alternde Gesellschaft muss darauf aufpassen, Neues nicht gleich im Keim zu ersticken.<\/strong> Das Wort Altersstarrsinn hat ja eine Geschichte und eine Berechtigung. Eine solche Gesellschaft braucht eine F\u00fchrung, die diese Probleme offen anspricht und das Volk nicht den Angstmachern \u00fcberl\u00e4sst.<\/p>\n<p><strong>Ursache 4: Zu viel Zeit f\u00fcr nichts.<\/strong><\/p>\n<p>Wir diskutieren in unserem Land die Ver\u00e4nderungen einer alternden Gesellschaft ausschlie\u00dflich unter der Versorgungssicht. Es geht um Rente, Pflege, Armut, Tod. Die meisten von uns werden allerdings nicht zwingend dement, gebrechlich, hilflos und pflegebed\u00fcrftig sondern vor allem einfach nur alt.<\/p>\n<p>Zu wenig Aufmerksamkeit wird einem bedeutend wichtigeren Faktor f\u00fcr die Stimmung und Lebensqualit\u00e4t der \u00e4lteren Menschen in unserem Land geschenkt: Dem Gef\u00fchl, noch f\u00fcr irgend etwas n\u00fctze zu sein, gebraucht zu werden oder einfach nur Spa\u00df haben zu k\u00f6nnen und nicht zu vereinsamen. Das gr\u00f6\u00dfte Problem der Rentner ist nicht das Geld, sondern die Langeweile. Fr\u00fcher ging man mit 65 in Rente, hat f\u00fcnf Jahre das gemacht, was man immer mal machen wollte und ist dann gestorben. Mit 70, 72, bei etwas Gl\u00fcck mit 75. Heute geht man mit 63 in Rente und hat eine Lebenserwartung von 83 oder 85 oder 90 Jahren.<\/p>\n<p>Man kommt aus einem Beruf, der einen viele Jahrzehnte lang zu 100% gefordert hat, wird auf Nulldi\u00e4t gesetzt und hat noch zwanzig Jahre vor sich. Viele kommen mit der Situation auch klar, die meisten davon mit guten Bez\u00fcgen und ordentlich abgesichert. Andere aber kommen trotz finanzieller Absicherung mit dem langen Leerlauf nicht zurecht. Widmen wir uns ausgiebig diesem Thema? Nicht wenige \u00c4ltere wollen tats\u00e4chlich ein paar Stunden arbeiten, ehrenamtlich oder auch gegen eine finanzielle Anerkennung. Das wird zunehmen. Und die alternde Gesellschaft wirft weitere Fragen auf: Wie gestalten wir unsere St\u00e4dte und unser Zusammenleben? Wird die Nachbarschaft zur neuen Familie, wenn die Kinder, wie so h\u00e4ufig schon der Fall, nicht mehr vor Ort sein k\u00f6nnen? Kann man das staatlich unterst\u00fctzen und organisieren? Brauchen wir sehr viel mehr moderne Wohnkonzepte?<\/p>\n<p>In jedem Fall m\u00fcssen wir uns dringend der Frage eines erf\u00fcllenden und langen Lebens im Alter stellen. Sonst bekommen besonders die alten M\u00e4nner schlechte Laune und w\u00e4hlen peinlichen Unfug. Mit einer Eisenbahn im Keller ist das Problem nicht mehr zu l\u00f6sen.<\/p>\n<p>Dies sind vier der wichtigsten Ursachen der Verunsicherung, ohne Anspruch auf Vollst\u00e4ndigkeit. Es sind l\u00e4nder\u00fcbergreifende Ursachen und damit Erkl\u00e4rmuster f\u00fcr aufkommenden Populismus in den unterschiedlichsten Nationen.<\/p>\n<p>In Deutschland sind wir (noch) besser aufgestellt als andere L\u00e4nder, betrachtet man die Meinungsvielfalt, eine freie Presse und den respektvollen Umgang der Regierenden mit der Gewaltenteilung. Auch f\u00e4llt es bei uns noch schwerer, sich medial v\u00f6llig einseitig zu &#8222;ern\u00e4hren&#8220;, wie das etwa in den USA der Fall ist, wo man sich von Radiosendern \u00fcber TV bis zu Newsportalen problemlos nur von der eigenen Meinung berieseln lassen kann. In den USA geschieht das immerhin noch freiwillig. In Russland, Ungarn, Polen oder der T\u00fcrkei \u00fcbernimmt die Regierung die massive Beeinflussung der \u00d6ffentlichkeit gleich selbst. Aber das ist vielleicht auch ein Grund f\u00fcr die Deutschen, noch achtsamer zu sein und die zarte Pflanze der Demokratie noch engagierter zu verteidigen. Auch und besonders im Wahlkampf.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/frank-stauss.de\/index.php\/die-rezeptur-des-teufels-teil-1-der-populismus-serie\/\">Teil 1: Die Rezeptur des Teufels<\/a><br \/>\nTeil 2: Der Humus der Demagogen<br \/>\nTeil 3: Wahlkampf in Zeiten des Populismus.<br \/>\nTeil 3 demn\u00e4chst hier oder sofort im Buchhandel:<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/H%C3%B6llenritt-Wahlkampf-Insider-Bericht-Erweiterte-Neuausgabe\/dp\/3423349182\/ref=sr_1_1?ie=UTF8&amp;qid=1493213251&amp;sr=8-1&amp;keywords=frank+stauss\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-large wp-image-1729\" src=\"http:\/\/frank-stauss.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/teaser_hoellenritt_wahlkampf_2017-300x147.jpg\" alt=\"teaser_hoellenritt_wahlkampf_2017\" width=\"300\" height=\"147\" srcset=\"https:\/\/frank-stauss.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/teaser_hoellenritt_wahlkampf_2017-300x147.jpg 300w, https:\/\/frank-stauss.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/teaser_hoellenritt_wahlkampf_2017-150x74.jpg 150w, https:\/\/frank-stauss.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/teaser_hoellenritt_wahlkampf_2017-768x377.jpg 768w, https:\/\/frank-stauss.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/teaser_hoellenritt_wahlkampf_2017.jpg 800w\" sizes=\"(max-width: 300px) 85vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Teil 2 der Populismus-Serie. Zwischen zwei Wahlg\u00e4ngen in Frankreich und nach dem AfD-Rechtsruck von K\u00f6ln, serviere ich heute nach &#8222;Die Rezeptur des Teufels&#8220; den zweiten Teil meiner Populismus-Serie als weiteren Auszug aus der soeben erschienenen Neuauflage von &#8222;H\u00f6llenritt Wahlkampf&#8220; (dtv 2017). Im ersten Teil ging es um die Zutaten des populistischen Gebr\u00e4us, die da w\u00e4ren: &hellip; <a href=\"https:\/\/frank-stauss.de\/index.php\/der-humus-der-demagogen\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eDer Humus der Demagogen\u201c<\/span> weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/frank-stauss.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1784"}],"collection":[{"href":"https:\/\/frank-stauss.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/frank-stauss.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/frank-stauss.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/frank-stauss.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1784"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/frank-stauss.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1784\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1794,"href":"https:\/\/frank-stauss.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1784\/revisions\/1794"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/frank-stauss.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1784"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/frank-stauss.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1784"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/frank-stauss.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1784"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}