{"id":1685,"date":"2016-11-29T11:29:57","date_gmt":"2016-11-29T09:29:57","guid":{"rendered":"http:\/\/frank-stauss.de\/?p=1685"},"modified":"2016-12-02T10:50:45","modified_gmt":"2016-12-02T08:50:45","slug":"this-is-not-america","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/frank-stauss.de\/index.php\/this-is-not-america\/","title":{"rendered":"This is not America."},"content":{"rendered":"<p><strong><em>Man kommt ja mit dem Fakten-Checken gar nicht mehr hinterher, so viel Unsinn wird und wurde \u00fcber die Wahl in den USA geschrieben. Hier mal ein aktualisierter Zwischenstand gut drei Wochen nach der Wahl. Denn es wird ja zum Teil auch noch und bald auch schon wieder gez\u00e4hlt. H\u00f6chste Zeit, klugzuschei\u00dfen.<\/em><\/strong><\/p>\n<p><strong>I. Die &#8222;v\u00f6llig falschen&#8220; Umfragen.<br \/>\n<\/strong>Stand 27. November 2016 f\u00fchrt Hillary Clinton bei den Pr\u00e4sidentschaftswahlen mit einem Vorsprung von 1,7%: Clinton 48,2%; Trump: 46,5%.\u00a0 Damit k\u00f6nnen wir hier zum Einstieg schon einmal mit der M\u00e4r abrechnen, dass die Umfragen so falsch gelegen h\u00e4tten. Die Umfragen sagten vor der Wahl im Mittel einen nationalen Vorsprung von Clinton von ca. 2-3% voraus. Clinton n\u00e4hert sich jetzt diesen 2%. Laut USA Today \u00fcbersprang Hillary Clinton am 23. November die Marke von 2 Millionen Stimmen Vorsprung. Zum Vergleich: Al Gore hatte im Jahr 2000 \u201enur\u201c einen Vorsprung von einer halben Million Stimmen. Nach gegenw\u00e4rtigem Ausz\u00e4hlungsstand in realen Zahlen bedeutet dies: 64.469.963 Stimmen f\u00fcr Clinton und 62.379.366 f\u00fcr Trump.<\/p>\n<p>ACHTUNG: ZAHLENUPDATE STAND 2.12.2016 BASIEREND AUF RCP\/COOK POLITICAL REPORT. ZAHLEN IM FLIESSTEXT BLEIBEN UNVER\u00c4NDERT, DA SIE AN DER KERNAUSSAGE NICHTS \u00c4NDERN:<br \/>\nCLINTON: 48,2%; TRUMP: 46,3%; CLINTON + 1,9%<br \/>\nCLINTON: 65.250.267; TRUMP: 62.686.000; CLINTON + 2,564 MIO<\/p>\n<p>Nein, ich will nicht behaupten, dass Clinton gewonnen hat, denn ich denke, sie wusste Bescheid, dass in den USA die Stimmen der Wahlm\u00e4nner z\u00e4hlen. Offensichtlich hat ihre Kampagne mannigfaltige strategische Fehler begangen. Ich will allerdings betonen, dass die nationalen Umfragen ziemlich pr\u00e4zise waren und das trotz dramatischer Ver\u00e4nderungen in den USA. Als Jimmy Carter 1976 Pr\u00e4sident wurde, z\u00e4hlten die USA etwa 220 Mio. Einwohner, heute sind es 320. Das sind ziemlich viele mehr und erkl\u00e4rt auch, weshalb Prognosen in den sehr engen Battleground Staaten immer schwerer werden.<\/p>\n<p>Aber egal ob auf RCP oder 538: Jeder, der es wissen wollte, konnte sehen, dass dieses Rennen mit einer Wahrscheinlichkeit von 30% von Trump gewonnen werden konnte. Man las aber nur 70% Wahrscheinlichkeit f\u00fcr Clinton. Eine Gewinnchance von 30%! Da w\u00fcrde doch jeder von uns zwei Mal die Woche Lotto spielen. Dort liegt sie bei 1:140 Millionen. Es gab auch keinen Erdrutschsieg f\u00fcr Trump, denn nat\u00fcrlich h\u00e4tten die f\u00fcr Clinton knapp verlorenen Staaten mit ein bisschen Gl\u00fcck und Spucke auch andersherum ausschlagen k\u00f6nnen. Wir reden bei Florida \u00fcber 1,1%, bei Pennsylvania \u00fcber 1,1% und bei Wisconsin \u00fcber 0,8%. Wir reden dar\u00fcber, dass sich nur ca. 55.000 W\u00e4hler in den gro\u00dfen Swing-States anders h\u00e4tten entscheiden m\u00fcssen. Haben sie nicht, ich wei\u00df \u2013 aber ein Erdrutsch sieht anders aus.<\/p>\n<p>Am Wahltag sind wir hier in der Agentur noch einmal die Staaten durchgegangen und in keinem der ber\u00fcchtigten Swing-States lag der Vorsprung Clintons jenseits der Fehlertoleranz. Sofern es \u00fcberhaupt einen Vorsprung gab. Das konnte jeder sehen, der es sehen wollte. Vor allem aber hat es die Clinton-Kampagne gesehen. Wer innerhalb der letzten 48 Stunden den Pr\u00e4sidenten der USA nach New Hampshire (4 Wahlm\u00e4nner) schicken muss, dem geht der A auf Grundeis. Und wer die Abschlusskundgebung dann nach Pennsylvania legt, der wei\u00df, dass alles gerade den Bach runtergeht.<\/p>\n<p>Fazit: Es gab offenbar keinen nennenswerten \u201eSchweigefaktor\u201c gegen\u00fcber den Instituten bei den Trump-W\u00e4hlern, denn die Umfragen waren so falsch nicht.<\/p>\n<p>V\u00f6llig falsch waren allerdings zum Teil die medialen Prognosen, was vermutlich damit zu tun hat, dass Statistik nicht zum Pflichtfach geh\u00f6rt. Die gr\u00f6\u00dfte journalistische Meisterleistung war es, nach der Wahl die Institute zu dissen, die Trump hinten hatten und die zu feiern, die ihn vorne hatten. Wenn man aber Trump national mit 2% vorne sieht, er aber am Ende 1,7% hinten liegt, ist das eine Abweichung von 3,7%. Und liegt damit sogar falscher, als ein Institut, das Clinton mit 3% vorne sah, sie aber nun nur 1,7% vorne ist. Catch the drift? Thank you!<\/p>\n<p><strong>II. Trump hat die wei\u00dfe Mehrheitsgesellschaft st\u00e4rker mobilisiert.<br \/>\n<\/strong>Oh, well. Nein. Trump hat 58% der Stimmen der Wei\u00dfen geholt, Mitt Romney 2012 jedoch 59-60% (CNN; Roper Center, Cornell University). Auch dies unterstreicht das Mobilisierungsdefizit von Clinton in der Rainbow-Coalition und kein Momentum von Trump bei den Wei\u00dfen.<\/p>\n<p><strong>III. Die Frauen haben Trump gew\u00e4hlt.<br \/>\n<\/strong>Ja, es haben Frauen Trump gew\u00e4hlt. Es haben auch Schwarze Trump gew\u00e4hlt. Und jetzt festhalten: es haben sogar wei\u00dfe M\u00e4nner vor 4 Jahren Obama gew\u00e4hlt. Insgesamt haben aber 54% der Frauen Clinton gew\u00e4hlt und nur 42% Trump. Nat\u00fcrlich kann man sagen, wie kann man als Frau usw&#8230; Aber das w\u00e4re wiederum recht chauvinistisch. Denn mal ehrlich, wie kann man als Mann eigentlich..?<\/p>\n<p><strong>IV. Clinton hat die Arbeiter in den St\u00e4dten verloren.<br \/>\n<\/strong>Illinois, Rust Belt: Clinton 55,4%; Trump 39,4%. In Michigan (Detroit etc.) sprechen wir zurzeit von einem Trump-Vorsprung von 0,2%. Da m\u00fcssen auch ziemlich viele Arbeiter Clinton gew\u00e4hlt haben. Haben sie auch. Und das Problem lag auch nicht in den St\u00e4dten, sondern auf dem Land und abgeh\u00e4ngten Mittelzentren. Es ist halt nicht immer so einfach, wie man es gerne h\u00e4tte.<\/p>\n<p>Ronald Reagan hat auch schon mal Pennsylvania, Michigan, Wisconsin und sogar Illinois gewonnen, da haben die dort noch alle Arbeit gehabt. Woher ich das wei\u00df? Weil Reagan 1984 alle Staaten gewonnen hat&#8230; au\u00dfer D.C. und den Heimatstaat seines bedauernswerten Herausforderers Walter Mondale aus Minnesota. 1988 hat Dukakis in PA und Michigan verloren. Kerry vs. George W. in Wisconsin 2004: 49,7% : 49,32%; Gore vs. George W. in North Carolina 2000: 47,83 : 47,61.<\/p>\n<p>Warum ich das schreibe? Um noch einmal deutlich zu machen, dass Swing-States deshalb Swing-States genannt werden, weil sie swingen k\u00f6nnen. In jede Richtung \u2013 zu jeder Zeit. Nothing unusual here.<\/p>\n<p><strong>V. Trump hat als Anti-Establishment-Kandidat gewonnen und ist damit ein weiterer Beweis f\u00fcr die Krise der etablierten Parteien.<\/strong><br \/>\nDa w\u00fcrde ich gerne fragen, welche Partei denn weniger etabliert ist, als die Republikanische Partei der USA von 1854? Sie hat die Pr\u00e4sidentschaftswahl, Senat- und Abgeordnetenhaus sowie zwei Drittel aller Gouverneursposten gewonnen. Nicht schlecht. Ja, nat\u00fcrlich war Donald Trump ein au\u00dfergew\u00f6hnlicher Kandidat \u2013 aber <em>innerhalb<\/em> dieser Partei und nicht als Independent wie dereinst Ross Perot. Am Ende unterst\u00fctzt von nicht wenigen einflussreichen Republikanern und vor allem von den registrierten W\u00e4hlerinnen und W\u00e4hlern dieser Partei bereits in den Vorwahlen.<\/p>\n<p>Die amerikanische Geschichte ist voll von \u201eOutsidern\u201c, die gegen die eigentlichen Favoriten gewonnen haben, weil sie sich als anders und unkonventionell pr\u00e4sentierten. Zum Beispiel der bewusst als erdiger Erdnu\u00dffarmer positionierte Absolvent der Navy-Elite-Kaderschmiede von Annapolis und Offizier der US-Atom-U-Boot-Flotte Jimmy Carter 1976. Oder der Hollywood-Politik-Quereinsteiger Reagan 1980. Und Bill Clinton 1992 sowieso, der seine Wahlkampfzentrale bis zuletzt in Little Rock, Arkansas, belie\u00df, um allen zu zeigen: Wir sind anders, wir sind nicht die Etablierten.<\/p>\n<p>Donald Trump war insofern ein au\u00dfergew\u00f6hnlicher Outsider, denn er war ja <em>nur als Politiker unbekannt. <\/em>The Donald geh\u00f6rt seit Jahrzehnten zur amerikanischen Medienlandschaft. Er ist f\u00fcr die Amerikaner kein Unbekannter, sondern ein Household-Name wie die Streisand (sorry, Barbra) oder Warren Buffet &#8211; someone who&#8217;s been around forever. Er war schon immer pr\u00e4sent und hatte den Status einer Celebrity, zu Zeiten sogar mit eigener Casting Show. Ob zu Recht oder Unrecht: Viele Amerikaner hatten vor Donald Trump nicht wirklich Angst. Er war schon immer laut, polternd, undiplomatisch und egozentrisch. Aber irgendwie auch unterhaltsam. Wie Nachwahlumfragen zeigen, nahmen viele Trump-W\u00e4hler seine Spr\u00fcche nicht f\u00fcr bare M\u00fcnze. Vielleicht hoffen sie heute \u2013 wie der gro\u00dfe Rest der Menschheit \u2013 dass das alles nur Mittel zum Zweck war.<\/p>\n<p>In dem aggressiven Anti-Clinton-Lager innerhalb der republikanischen Partei (Evangelikale, Mormonen, Tea-Party) \u00fcberwog am Ende auch die Ablehnung Clintons die Zweifel am eigenen Kandidaten. Diese f\u00fcr Trump wichtige republikanische Basis schloss am Ende der Kampagne die Reihen und lieferte ihm schon einmal gut 43% seiner W\u00e4hler frei Haus.<\/p>\n<p>F\u00fcr manche war er durchaus ein erfrischend anderer Bewerber. S\u00e4tze wie \u201eder hat soviel Geld, der ist nicht bestechlich\u201c sind nat\u00fcrlich in Zusammenhang mit einem recht skrupellosen Immobilientycoon, der bis heute seine Steuererkl\u00e4rung nicht ver\u00f6ffentlicht, absurd. Aber auf Twitter macht das schon was her. Trumps gr\u00f6\u00dfte St\u00e4rke war, einfach nicht f\u00fcr ein \u201eweiter so\u201c zu stehen. F\u00fcr das immer gleiche Wechselspiel von politischen Akteuren, die zu weiten Teilen schon l\u00e4ngst das Verfallsdatum \u00fcberschritten hatten, bevor sie Kandidaten der GOP wurden. So wie Bob Dole oder John McCain. Und die Republikaner hatten es diesmal auch satt, mit den Bushes in Person des dritten m\u00f6glichen Pr\u00e4sidenten seit 1988 eine wahre Dynastie zu begr\u00fcnden. So umwerfend waren die ersten beiden Bushes dann auch nicht gewesen.<\/p>\n<p>Ok, nehmen wir einmal an, das alles w\u00fcrde stimmen&#8230;<\/p>\n<p><strong>VI. Was ist denn jetzt der Grund f\u00fcr Clintons Niederlage?<\/strong><\/p>\n<p>Die Antwort bleibt wenig originell: Hillary Clinton.<\/p>\n<p>Diese hatten die W\u00e4hler schon satt, bevor sie \u00fcberhaupt kandidierte. Aus gutem Grund hatte sie ja auch schon die Vorwahlen 2008 gegen Obama verloren. Und man kann die W\u00e4hler verstehen. Es war einfach \u201emore of the same\u201c. Die Demokraten haben, wie die Republikaner einst mit Dole oder McCain, jemanden ins Rennen geschickt, der es sich \u201everdient\u201c hatte und an der Reihe war. Die Demokraten hatten ein schlechtes Gewissen, dass Hillary damals schon gegen Obama zur\u00fcckstecken musste. So unternahmen sie alles, um ihr diesmal die Kandidatur zu sichern. Wissend, dass die Chancen immer sehr gering sind, eine 8-j\u00e4hrige Amtszeit im Wei\u00dfen Haus mit einem Kandidaten aus der gleichen Partei zu verl\u00e4ngern. Sie hatten doch selbst miterlebt, wie Al Gore, der wesentlich besserer Werte hatte als Hillary, gegen den vermeintlich leicht zu schlagenden George W. verloren hatte.<\/p>\n<p>Dennoch trat Hillary an, anstatt mit ihrem Einflu\u00df eine neue Kandidatin oder einen neuen Kandidaten mit besseren Chancen zu unterst\u00fctzen. Kein vern\u00fcnftiger Gegenkandidat trat in den Vorwahlen gegen sie an, da ihre Kandidatur vermeintlich \u201ealternativlos\u201c war. Und dann kam ein Outsider wie Sanders und alle erlebten ein deja-vu von 2008. Wieder kam Clinton an den Rand der Niederlage. Wieder wurde sie besch\u00e4digt. Wieder erfuhr sie harte Ablehnung aus ihrer eigenen Klientel. Nein, Bernie Sanders w\u00e4re nicht die Wunderwaffe gegen Trump gewesen. Daf\u00fcr war er mit 75 Jahren zu alt, f\u00fcr die USA zu links und auch zu linkisch. Aber dass ein Bernie Sanders \u00fcberhaupt so erfolgreich wurde, war der n\u00e4chste, deutlich h\u00f6rbare Warnschuss.<\/p>\n<p>Aber es wurde nichts geh\u00f6rt. Clinton riskierte nichts, war eingesch\u00fcchtert und fuhr eine uninspirierte Kampagne. Schon ihre Wahl von Tim Kaine, einem blassen Vize-Pr\u00e4sidentschaftskandidaten dessen Hauptqualifikation darin bestand, aus einem Swing-State zu stammen und flie\u00dfend spanisch zu sprechen, war v\u00f6llig inspirationsbefreit. Das elektrisierte niemanden. Mensch, da war doch schon ihr Mann mit der Wahl von Al Gore mutiger gewesen: Gleiche Generation, auch aus den S\u00fcdstaaten und dann noch mit einem Umweltfimmel \u2013 das war nicht das sichere Ticket, das damals erwartet wurde. Das war ein Risiko und wurde zum Trumpf!<\/p>\n<p>Die ganze Kampagne war angelegt auf \u201enur keine Fehler machen\u201c und \u201egegen Trump zu sein ist genug.\u201c War es nicht. Und so ist es ausgegangen. Die Amerikaner waren ersch\u00f6pft von den Clintons, die nicht nur Opfer in diesem Spiel waren. Vergessen, wie Bill der ganzen Welt direkt ins Gesicht gelogen hat? Und das nicht nur einmal? Wozu die elende Geheimniskr\u00e4merei um Hillarys Reden vor den Bankern, ihre E-mails und noch viel mehr? Manche sagen: Was hat den Hillary mit Bills Eskapaden zu tun? Und vergessen dabei, dass Bill mit ihr wieder zur\u00fcck ins Wei\u00dfe Haus gezogen w\u00e4re. Ehemann und Ehefrau sechzehn Jahre nach dem Auszug oder gar ein viertel Jahrhundert nach dem ersten Einzug wieder im Wei\u00dfen Haus? Wie attraktiv ist das denn? Bei den Bushes waren es wenigstens Vater und Sohn, also zwei Generationen. Und nein: nicht jede emanzipierte Frau war von der ehelichen Leidensf\u00e4higkeit Hillary Clintons beeindruckt. Im Gegenteil.<\/p>\n<p>Denken wir auch an ihr Wahlkampfteam. Als aufflog, dass Donna Brazile der Clinton-Kampagne Infos zur Vorwahldebatte gegen Sanders zugesteckt hatte, war das besonders heikel, da Brazile ja schon DNC-Interimsvorsitzende f\u00fcr die zuvor ebenfalls aus Gr\u00fcnden der Sanders-Benachteiligung zur\u00fcckgetretene Debbie Wasserman-Schultz geworden war. Noch ein Grund mehr, f\u00fcr Sanders-Fans zu Hause zu bleiben. Inspiriert war wirklich niemand. Auch nicht mehr von der Vorstellung der ersten Frau im Wei\u00dfen Haus. Zu sehr ahnte man, dass Clinton nicht wesentlich anders amtieren w\u00fcrde, als die vielen M\u00e4nner vor ihr.<\/p>\n<p>Ja, das Thema gehackte Mails, Wikileaks, FBI etc. ist noch einmal ein ganz anderes. Aber man muss halt erst einmal Fehler begehen, die dann auffliegen k\u00f6nnen. Und mit Trump wurde ja auch nicht gerade zimperlich umgegangen. Wer sich \u00fcber geleakte Mails aufregt, darf nicht geleakte Open-Mike-Stories pushen.<\/p>\n<p>Kommen wir zu den Zahlen:<\/p>\n<p>Trump hat nicht gewonnen, sondern Clinton hat verloren.<br \/>\nKlingt banal, ist aber entscheidend f\u00fcr die Schlussfolgerungen aus dieser Wahl.<\/p>\n<p>Trump hat mit 46,4% sogar einen etwas geringeren Stimmenanteil bekommen als Mitt Romney 2012 (47%). Es war also kein \u201eDurchmarsch\u201c des Populisten.<\/p>\n<p>Clinton hingegen kommt mit ihren 48,2% auf 2,9% weniger als Obama 2012 (51,1%) und sogar auf 4,7% weniger als Obama 2008 (52,9%).<\/p>\n<p>Wenn man, wie Hillary Clinton 2016, im Vergleich zu Obama 2012 bei gestiegener Wahlbeteiligung gut 3% verliert, dann verliert man \u00fcberall. Bei Frauen, bei Arbeitern \u2013 vor allem aber hat sie diese Stimmen nicht an Trump verloren, sondern durch mangelnde Mobilisierung der Rainbow-Coalition.<\/p>\n<p>Hier liegt der Hund begraben.<\/p>\n<p>Die USA sind sp\u00e4testens seit Anfang der 90er Jahre ein politisch extrem gespaltenes Land. Dies spiegelt sich auch darin wider, dass die Pr\u00e4sidenten der letzten Jahrzehnte nicht unterschiedlicher sein k\u00f6nnten. Auf acht Jahre Clinton folgten acht Jahre George W. folgten acht Jahre Obama, folgen x Jahre Trump.<\/p>\n<p>Jeder dieser Wahlk\u00e4mpfe steht aus Messers Schneide. Man startet mit 50:50 und am Ende geht es \u00e4hnlich aus. Jede Seite muss das Beste geben.<\/p>\n<p><strong>Executive Summary:<\/strong><\/p>\n<p>Trump hat die gleichen W\u00e4hler mobilisiert, die auch schon Romney mobilisiert hat. Er hat in Bezug auf die Gesamtw\u00e4hlerschaft nichts dazugewonnen. Die Republikaner sind nur geschlossen w\u00e4hlen gegangen und haben so gew\u00e4hlt wie immer. Trump hat nicht wegen seiner widerlichen Spr\u00fcche gewonnen, sondern trotz seiner widerlichen Spr\u00fcche. Hillary Clinton zu verhindern war f\u00fcr die entscheidenden W\u00e4hlersegmente ein treibender Faktor, nicht die Liebe zu Donald Trump. Nat\u00fcrlich gibt es auch jede Menge Trump Fans, aber wir reden jetzt \u00fcber die W\u00e4hler, die ihn am Ende \u00fcber den Berg gebracht haben.<\/p>\n<p>Beide Lager haben stramm durchgew\u00e4hlt, sofern sie w\u00e4hlen gegangen sind. Wer kein Problem hat, Donald Trump zu w\u00e4hlen, der hat bei allen anderen Republikanischen Kandidaten von Senat bis Repr\u00e4sentantenhaus sowieso kein Problem. Die Polarisierung zeigte sich \u201eall the way down the Ballot\u201c. Auch bei den Demokraten.<\/p>\n<p>Es stimmt: Trump hat in abgeh\u00e4ngten Regionen und in Regionen des Umbruchs im Vergleich zu Romney zugelegt und damit manchen Swing-Staat gedreht \u2013 daf\u00fcr hat er andernorts verloren. Und ja, Clinton hat im Vergleich zu Obama rund um die gro\u00dfen Seen deutlich verloren. Dennoch sind diese Staaten weit davon entfernt demokratisches Stammland zu sein und fielen schon \u00f6fter an die Republikaner. Die Abgeh\u00e4ngten in den USA w\u00e4hlen tendenziell den Wechsel. Weil sie mit dem Wandel Hoffnung verbinden. Egal, ob der Wandel demokratisch oder republikanisch daherkommt. 1992 hie\u00df der Wandel Clinton, 2016 nicht. In die ganze Geschichte darf man jetzt nicht zu viel hineininterpretieren.<\/p>\n<p>Trump w\u00e4re nicht gew\u00e4hlt worden, h\u00e4tte Clinton Obamas Rainbow-Coalition ausreichend mobilisiert. Anders ausgedr\u00fcckt: Es gab auch 2016 eine Mehrheit f\u00fcr die moderne Koalition der Demokraten zu gewinnen. Aber nicht f\u00fcr Hillary Clinton.<\/p>\n<p>Die \u00dcbertragbarkeit auf Europa und Deutschland im Speziellen hinkt hinten und vorne. Wir erleben kein fulminantes Scheitern von Obama und Clinton oder gar \u201eder Linken\u201c (als ob beide dazugeh\u00f6rten). Wir sehen das Ergebnis einer knapp gescheiterten Kandidatin mit einer falschen Swing-State-Strategie und zum Teil absurden Media-Spendings in Bundesstaaten, die faktisch ungewinnbar waren bei einer Vernachl\u00e4ssigung der Staaten, die sie unbedingt h\u00e4tte gewinnen m\u00fcssen. Das ist aber wieder ein anderes Thema.<\/p>\n<p>Nein, es gibt keinen Grund, jeden gesellschaftlichen Fortschritt zu hinterfragen, nur weil 55.000 Stimmen von ca. 127 Millionen abgegebenen Stimmen fehlten. Da darf man am Ende die 64 Mio. Stimmen f\u00fcr Clinton nicht einfach unterschlagen. Und nein, Donald Trump ist auch nicht nur Pr\u00e4sident, weil die Demokraten versagt haben. Er ist vor allem Pr\u00e4sident, weil die Republikaner ihn nominiert haben.<\/p>\n<p>Allen demokratischen Entscheidern \u00fcberall auf der Welt kann das nur klar machen dass man in der heutigen Zeit einfach keinen Fehler machen darf. Keinen gro\u00dfen aber auch nicht viele kleine hintereinander. Und das beginnt bei der richtigen Analyse.<\/p>\n<p>Und bevor in Deutschland jetzt wieder alle hysterisch werden: Die AfD steht auch drei Wochen nach Trump noch bei 10-13%, etwa 84% der W\u00e4hlerinnen und W\u00e4hler sind stabil bei CDU, CSU, SPD, Gr\u00fcnen, FDP, Linke. Ja, man muss wachsam sein, wie ich in meinem letzten Blogbeitrag vor der Wahl geschrieben habe. Aber wenn man lernen will, muss man auch richtig hinsehen &#8211;\u00a0 auch auf die Unterschiede.<\/p>\n<p>Again: This is not America.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Man kommt ja mit dem Fakten-Checken gar nicht mehr hinterher, so viel Unsinn wird und wurde \u00fcber die Wahl in den USA geschrieben. 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