{"id":1598,"date":"2016-09-15T14:34:34","date_gmt":"2016-09-15T12:34:34","guid":{"rendered":"http:\/\/frank-stauss.de\/?p=1598"},"modified":"2016-09-15T15:53:30","modified_gmt":"2016-09-15T13:53:30","slug":"der-ehrliche-zorn-des-michael-mueller","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/frank-stauss.de\/index.php\/der-ehrliche-zorn-des-michael-mueller\/","title":{"rendered":"Der ehrliche Zorn des Michael M\u00fcller."},"content":{"rendered":"<p>Eigentlich poste ich auf dieser Seite nur meinen eigenen Senf. Einmal habe ich eine Ausnahme gemacht f\u00fcr die wirklich gro\u00dfe <a href=\"http:\/\/frank-stauss.de\/index.php\/die-grosse-rede-des-olaf-scholz\/\">Rede des Olaf Scholz<\/a> auf dem H\u00f6hepunkt des Fl\u00fcchtlingsjahres im September 2015. Jetzt ist es wieder so weit. Denn was Michael M\u00fcller exklusiv f\u00fcr die taz geschrieben hat, habe ich so deutlich noch von keinem Politiker mitten in einem Wahlkampf geh\u00f6rt. Es ist eigentlich ein Rant. Gegen die Rechten &#8211; aber noch mehr gegen die Gleichg\u00fcltigen.<\/p>\n<p>Forsa hat soeben (15.9., 14:00) neue Zahlen ver\u00f6ffentlicht. Die AfD steht in Berlin bei 13%. SPD 24, CDU 17, Gr\u00fcne 17, Linke 15, FDP 5. <strong>Was mich ersch\u00fcttert: 9% wollen noch &#8222;Sonstige&#8220; w\u00e4hlen. Parteien, die keine Chance haben, ins Parlament einzuziehen. Ist denn wirklich sonst nichts dabei, um ein klares Zeichen gegen die AfD zu setzen?<\/strong> Keine SPD, Gr\u00fcne, Linke? Und wer es konservativ mag, von mir aus FDP? Die Henkel-CDU lasse ich mal raus, die ist mir in Berlin zu nahe an der AfD. Wer aber jetzt noch seine Stimme verschenkt und so tut, als sei das alles nur ein gro\u00dfer Spa\u00df, der hat den Schuss einfach nicht geh\u00f6rt. <strong>Jetzt geht es darum, die zu st\u00e4rken, die im Parlament den Rechten Paroli bieten werden.<\/strong><\/p>\n<p>Ich verstehe die Gleichg\u00fcltigkeit jedenfalls nicht. Was muss eigentlich noch geschehen, damit wir mit dem politischen Snobismus aufh\u00f6ren, nur noch zu 100% nach unserer pers\u00f6nlichen Erf\u00fcllung in einer Partei zu suchen? Und wenn diese nicht 1:1 erf\u00fcllt wird, dann gehen wir eben nicht w\u00e4hlen. Oder w\u00e4hlen irgendeinen Quatsch. Ich m\u00f6chte jedenfalls, dass links von der AfD sehr viel mehr gute Leute im Parlament sitzen. Leute, die in der Lage sind, diesen hasserf\u00fcllten Menschen entschlossen entgegenzutreten. Und nicht diese herumeiernden CDU-ler oder reine Dilettanten, die sich auf der Strecke selbst zerlegen. Aber jetzt zu Michael M\u00fcller:<\/p>\n<p>Aus der <a href=\"http:\/\/taz.de\/Gastkommentar-von-Michael-Mueller-SPD\/!5336312\/\">taz:<\/a><\/p>\n<h3><strong><em>Wer am Sonntag seine Stimme verschenkt, k\u00f6nnte am Montag in einer anderen Stadt aufwachen.<br \/>\n<\/em><\/strong><\/h3>\n<p><em>Von Michael M\u00fcller, Regierender B\u00fcrgermeister von Berlin.<\/em><\/p>\n<p>Man kann es nicht anders sagen, aber wenige Tage vor der Wahl herrscht eine seltsame Gleichg\u00fcltigkeit in der Stadt. AfD 10, 12 oder 14% egal! Noch ein bisschen NPD dazu? Ist dann halt so.<\/p>\n<p>Ich bin zu einer Zeit aufgewachsen, als fast alle in meinem Umfeld gegen die Apartheid in S\u00fcdafrika demonstriert haben. Heute kann ein hochrangiger AfD \u2013 Repr\u00e4sentant lautstark Verst\u00e4ndnis daf\u00fcr \u00e4u\u00dfern, wenn man \u201eeinen Boateng\u201c nicht zum Nachbarn haben will. Die vielen anderen Entgleisungen bis hin zum Schie\u00dfen auf Fl\u00fcchtlingskinder als Ultima Ratio der Grenzsicherung, wie es die Berliner AfD Vorsitzende vorschlug, reihen sich nahtlos ein in ein durch und durch menschenfeindliches und rassistisches Weltbild.<\/p>\n<p>Schulterzucken? 10-14% sind egal? Sie sind es nicht. Sie werden auf der ganzen Welt als ein Zeichen des Wiederaufstiegs der Rechten und Nazis in Deutschland gewertet werden. Berlin ist nicht irgendeine Stadt. Berlin ist die Stadt, die sich von der Hauptstadt Hitlers und Nazi-Deutschlands zum Leuchtturm der Freiheit, Toleranz, Vielfalt und des sozialen Zusammenhalts entwickelt hat. Berlin hat auch Teilung, Mauerbau und Schie\u00dfbefehle \u00fcberwunden und f\u00fcr alle sichtbar aus einer grausamen Geschichte von Leid, Verfolgung, Terror und Krieg die richtigen Lehren gezogen. Berlin ist heute die Hauptstadt der Freiheit. Ein Symbol f\u00fcr viele freiheitsliebende Menschen auf der Welt die sehen: es geht auch so.<\/p>\n<p><strong>Ich bin es leid, dass man Rassismus, Intoleranz und Menschenfeindlichkeit nicht mehr benennen kann, ohne dass einem \u201edie Nazi-Keule\u201c vorgeworfen wird. Aber genau das, verbunden mit den \u201ev\u00f6lkischen\u201c Gedanken der AfD-Vorsitzenden, sind die Zutaten aus denen die braune Suppe anger\u00fchrt wird.<\/strong><\/p>\n<p>Mit einem Rechtsruck wird sich das Leben in Berlin ver\u00e4ndern. Davon bin ich \u00fcberzeugt. Minderheiten, \u201eanders\u201c aussehende Menschen werden nicht nur im Netz angep\u00f6belt werden, sondern auch auf der Stra\u00dfe. So, wie es leider vielen demokratischen W\u00e4hlk\u00e4mpferinnen und W\u00e4hlk\u00e4mpfern in diesen Tagen heute schon geht. Spalter, Ausgrenzer und Ausl\u00e4nderfeinde werden einen Rechtsruck in unserer Stadt als Freibrief f\u00fcr ihre Hassideologie und \u2013taten sehen. Klar: Es wird keine Ver\u00e4nderung von einem Tag auf den anderen geben, sondern dies wird ein schleichender Prozess sein, der das liberale Koordinatensystem unserer Stadt nach rechts verschieben w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Die Passivit\u00e4t vieler Demokratinnen und Demokraten angesichts dieser Entwicklung treibt mich um. Warum stellen sich so wenige die Frage: \u201eWillst Du das, Berlin?\u201c \u2013 wie es k\u00fcrzlich in einem Video die bekannten K\u00fcnstler Joko&amp;Klaas, Clemens Schick, Oliver Kalkofe oder die beiden S\u00e4nger der Band Boss Hoss getan haben. Wir brauchen mehr solche staatspolitische Verantwortung \u2013 erst recht in Berlin.<\/p>\n<p>Wir treten an, um Berlin in einer neuen Koalition gut zu regieren. Die Vorschl\u00e4ge liegen auf dem Tisch und damit kann man sich auseinandersetzen: Von einer Spekulationsbremse f\u00fcr Immobilieninvestoren, mehr guter Arbeit bis hin zu neuen bezahlbaren Mietwohnungen oder geb\u00fchrenfreien Kitas. Das kann man gut, schlecht oder zu sp\u00e4t finden. Man kann \u00fcber den richtigen Weg dorthin streiten. Jeder dieser politischen Vorschl\u00e4ge auch der Konkurrenz im Abgeordnetenhaus bringt Berlin mehr voran als die dummen, ausgrenzenden Parolen.<\/p>\n<p><strong>Ich kann verstehen, dass man an jeder Partei irgendetwas auszusetzen hat. Keine ist perfekt, aber eine der vielen wird eben besser passen, als die anderen. Aber eines kann ich nicht verstehen: Rechts zu w\u00e4hlen, angesichts der offensichtlichen unsozialen und unmenschlichen Politik dieser Parteien.<\/strong> Oder aber seine Stimme zu verschenken und gar nicht zu w\u00e4hlen. Denn das macht es den Spaltern einfach, ihr Werk zu beginnen.<\/p>\n<p><strong>Die Tage der politischen Leichtigkeit sind vorbei, wir erleben eine Zeit, die mehr Ernsthaftigkeit von allen erfordert.<\/strong> Ich w\u00fcnschte mir, es w\u00e4re nicht so. Aber ich hoffe, dass jetzt immer mehr Demokratinnen und Demokraten verstehen, dass es so ist. Ich jedenfalls sehe es als meine Aufgabe als Regierender B\u00fcrgermeister von Berlin an, alle aufzurufen, diese Wahl nicht auf die leichte Schulter zu nehmen.<\/p>\n<p>Berlin sollte jetzt ein ganz deutliches Zeichen in die Welt senden. <strong>In Zeiten der Trumps, Orbans, Le Pens, Hofers und anderer Rechtsausleger stimmt Berlin f\u00fcr die Freiheit.<\/strong> Jede Einzelne und jeder Einzelne hat es am Sonntag in der Hand, in welcher Stadt und in welchem Klima wir am Montag aufwachen. Ich vertraue Berlin, dass die Stadt ihr Schicksal abermals in die eigene Hand nimmt, und eine Wiederholung der Geschichte verhindert.<\/p>\n<p>Quelle: taz und <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/michael.mueller.berlin\/\">Michael M\u00fcller auf Facebook<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eigentlich poste ich auf dieser Seite nur meinen eigenen Senf. 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