{"id":1384,"date":"2016-03-04T12:02:15","date_gmt":"2016-03-04T10:02:15","guid":{"rendered":"http:\/\/frank-stauss.de\/?p=1384"},"modified":"2016-03-04T12:23:51","modified_gmt":"2016-03-04T10:23:51","slug":"der-trend-heisst-dreyer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/frank-stauss.de\/index.php\/der-trend-heisst-dreyer\/","title":{"rendered":"Der Trend hei\u00dft Dreyer."},"content":{"rendered":"<p><strong>Um den desastr\u00f6sen Auftritt von Julia Kl\u00f6ckner im TV-Duell gegen Malu Dreyer einordnen zu k\u00f6nnen, muss man nur die aktuellen Zahlen der Institute mit denen vor dem Duell vergleichen.<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p>Wenn man sich eine gute Weile mit Wahlk\u00e4mpfen und TV-Duellen besch\u00e4ftigt, entwickelt man schon ein ganz gutes Gesp\u00fcr daf\u00fcr, wie es am Ende gelaufen ist. Man kennt auch so ziemlich alle Methoden, um danach m\u00f6gliche Sieger und Verlierer zu ermitteln. Sofern es welche gibt. Die meisten Duelle enden im Patt. Nicht so am vergangenen Dienstag, den 1.3. im Sendegeb\u00e4ude des SWR in Mainz. Als die Sendung zu Ende war, dachte und sagte ich: \u201eDas sollte reichen, um st\u00e4rkste Partei zu werden.\u201c Frau Kl\u00f6ckner war von der ersten Minute an fahrig und mangelhaft vorbereitet auf die naheliegendsten Fragen zu den Widerspr\u00fcchen ihrer Fl\u00fcchtlingspolitik. Von den ersten schlimmen f\u00fcnf Minuten der Debatte hat sie sich nie wieder erholt und warf zum Ende hin nur noch zusammenhanglos mit Schlagw\u00f6rtern aus ihrem Wahlkampfsetzkasten um sich. Mit diesen antrainierten Satzbausteinen kommt man in einer 5er Runde der \u00fcblichen TV-Talkshows vielleicht durch, aber nicht in einer einst\u00fcndigen TV-Debatte. So etwas muss man wissen und ernst nehmen.<\/p>\n<p>Und jetzt sehen wir die Auswirkungen der Niederlage von Frau Kl\u00f6ckner. Gerade kamen die frischen Zahlen der Institute. Am l\u00e4ngsten, n\u00e4mlich bis sp\u00e4t in den Donnerstag Abend hinein war die Forschungsgruppe Wahlen (FGW) im Auftrag des ZDF im Feld. Und je l\u00e4nger sie im Feld war, desto klarer ging die CDU nach unten und die SPD nach oben. Am Ende war der Vorsprung der CDU auf die SPD seit der letzten Erhebung der FGW von 7% auf 1% zusammengeschmolzen. Infratest Dimap war nicht ganz so lange im Feld, dort schmolz der Vorsprung der CDU von zuletzt 4% auf jetzt 2%.<\/p>\n<p><strong>Forschungsgruppe Wahlen: CDU: 35% (-3%), SPD: 34% (+ 3%). Abstand: von 7% auf 1%. Und der Trend setzt sich fort.<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p>Das sind mitten im Wahlkampfendspurt tektonische Verschiebungen. Und sie k\u00f6nnen nur eine Ursache haben: Julia Kl\u00f6ckner hat das TV-Duell gegen Malu Dreyer nicht nur ein wenig verloren, sondern krachend. Der unmittelbar w\u00e4hrend der Sendung mit einer NICHT repr\u00e4sentativen Untersuchung gemessene \u201ekleine\u201c Sieg von Malu Dreyer, muss in Wirklichkeit ein sehr, sehr gro\u00dfer gewesen sein.<\/p>\n<p>Einen solchen Swing zwischen den Erhebungen vor und nach dem Duell erlebte ich zuletzt im Bundestagswahlkampf 2005 zwischen Gerhard Schr\u00f6der und Angela Merkel. Dort lagen uns repr\u00e4sentative Untersuchungen von vier Instituten unmittelbar nach dem Duell vor. Der Sieg Schr\u00f6ders bewegte sich damals in Dimensionen von 16-33% Vorsprung auf Frau Merkel. Danach verlor die CDU in der n\u00e4chsten Umfrage 2% und die SPD gewann 2% hinzu. Diese Entwicklung setzte sich dann so fort, dass der Vorsprung der Union in den verbleibenden Tagen von 13% auf 1% zusammenschmolz. Interessant war damals auch, dass in den Tagen danach der Sieg Schr\u00f6ders bei den Befragten noch h\u00f6her ausfiel. Das bedeutet: am Arbeitsplatz und im Freundeskreis wurde im pers\u00f6nlichen Gespr\u00e4ch Schr\u00f6der noch deutlicher favorisiert als am Sendetag selbst gemessen. So eine Entwicklung findet jetzt gerade auch in Rheinland-Pfalz statt.<\/p>\n<p>In Rheinland-Pfalz haben wir keine repr\u00e4sentative \u201eDuell-Messung\u201c vorliegen, aber wir k\u00f6nnen eben anhand des vorliegenden Swings sehr klar feststellen: <strong>Die 400.000 Zuschauer des Duells haben offensichtlich nicht nur Malu Dreyer als klare Siegerin gesehen, sondern sie sprechen auch jetzt noch dar\u00fcber am Arbeitsplatz und im Freundeskreis.<\/strong> Denn der Niedergang der CDU setzt sich wie erw\u00e4hnt weiter fort, was darauf deutet, dass sich immer mehr Unentschiedene f\u00fcr Dreyer entscheiden. Und Infratest betont in der Bewertung der Direktwahlfrage (Dreyer 50%, Kl\u00f6ckner 30%), dass Dreyer besonders in den Tagen nach dem TV-Duell ihren Vorsprung weiter ausbauen konnte.<\/p>\n<p>Vor allem aber passiert jetzt auch verst\u00e4rkt, was ich bisher als unm\u00f6glich betrachtete: Es wechseln W\u00e4hler direkt von der CDU zur SPD. Demnach will jetzt selbst jeder 5. CDU-W\u00e4hler Malu Dreyer als Ministerpr\u00e4sidentin.<\/p>\n<p><strong>Julia Kl\u00f6ckner entwickelt sich in den letzten Tagen des Wahlkampfes deutlich zum Klotz am Bein der CDU.<\/strong> Mit 30% in der Direktwahlfrage liegt sie jetzt 5% unter der CDU. Malu Dreyer hingegen liegt mit 50% deutliche 16% \u00fcber der SPD und zieht diese jetzt auch (endlich) mit.<\/p>\n<p><strong>Bez\u00fcglich der Dynamik des Prozesses ist es nicht mehr unm\u00f6glich, dass die SPD nicht nur st\u00e4rkste Partei wird, sondern dass Malu Dreyer sogar das letzte Wahlergebnis von Kurt Beck \u00fcbertrifft.<\/strong> Doch einige Unsicherheitsfaktoren bestehen. Die Rheinland-Pf\u00e4lzerinnen und Rheinland-Pf\u00e4lzer erwarten mit \u00fcber 10% Vorsprung einen Wahlsieg Malu Dreyers. Das ist zwar nett, aber doch auch etwas verfr\u00fcht. Und wir sollten auch sehen, dass die Briefw\u00e4hler bereits Stimmen abgeben konnten, als die CDU noch 7% vor der SPD lag.<\/p>\n<p>Wie selten zuvor wird es also auf den Wahltag selbst ankommen, an dem die SPD vermutlich ein halbes Prozent vor der Union landen muss, um am Ende auch mit den Briefw\u00e4hlern vorne zu bleiben. Das ist wie gesagt gut m\u00f6glich, erfordert aber eine Rundum-Mobilisierung.<\/p>\n<p>Der beste Mobilisierungsfaktor zur Zeit ist die Erkenntnis von vielen Menschen in Rheinland-Pfalz, dass sie am 14. M\u00e4rz aus Versehen mit einer Ministerpr\u00e4sidentin Kl\u00f6ckner aufwachen k\u00f6nnen. Das scheint sie nachhaltig zu erschrecken. Denn der Zick-Zack-Kurs von Julia Kl\u00f6ckner in der Fl\u00fcchtlingsfrage, vor allem aber, dass sie der Bundeskanzlerin immer offener in den R\u00fccken f\u00e4llt, ist bei den Leuten gar nicht gut angekommen. Die Glaubw\u00fcrdigkeit von Frau Kl\u00f6ckner ist durch ihr eigenes Zutun mittlerweile so besch\u00e4digt, dass ich keinen Weg w\u00fcsste, wie sie diesen Imageschaden in den verbleibenden Tagen reparieren k\u00f6nnte.<\/p>\n<p><strong>Was wir in Rheinland-Pfalz gerade erleben, nennt sich Momentum und zwar mit hoher Dynamik und klarer Richtung zugunsten von Ministerpr\u00e4sidentin Malu Dreyer und der SPD.<\/strong> Diese Entwicklung ist noch klarer zu erkennen, wenn man sie mit der Entwicklung der SPD in den anderen wahlk\u00e4mpfenden Bundesl\u00e4ndern vergleicht. Sie ist aber nicht atypisch f\u00fcr Rheinland-Pfalz, das bei der Bundestagswahl 2013 noch zu 43,3% CDU w\u00e4hlte, so wie die CDU auch die vergangenen Bundestagswahlen in Rheinland-Pfalz immer gewann. Nicht aber die letzten vier Landtagswahlen. Jetzt liegt die CDU von Frau Kl\u00f6ckner \u00fcber 8% unter dem Wahlergebnis von Frau Merkel in Rheinland-Pfalz.<\/p>\n<p>Der Wahlkampf der CDU in Rheinland-Pfalz, man muss es so sagen, ist eine Blaupause daf\u00fcr, wie man eine Wahl auf den letzten Metern in den Sand setzt. <strong>Der Wahlkampf der CDU ist unkonzentriert, unentschieden, unglaubw\u00fcrdig in der zentralen Politikfrage und hat zu allem \u00dcberfluss auch noch eine erratische Frontfrau an der Spitze.<\/strong><\/p>\n<p>Zuletzt erlebte ich eine solche Entwicklung in NRW 2010, als J\u00fcrgen R\u00fcttgers seinen sicheren Vorsprung erst einb\u00fc\u00dfte und in den letzten acht Tagen v\u00f6llig verlor. Die letzten Umfragen von ZDF und ARD sahen damals acht Tage vor der Wahl die R\u00fcttgers-CDU mit 2% &#8211; 4% vorne. Die Ministerpr\u00e4sidentin hie\u00df dann Hannelore Kraft.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Um den desastr\u00f6sen Auftritt von Julia Kl\u00f6ckner im TV-Duell gegen Malu Dreyer einordnen zu k\u00f6nnen, muss man nur die aktuellen Zahlen der Institute mit denen vor dem Duell vergleichen. Wenn man sich eine gute Weile mit Wahlk\u00e4mpfen und TV-Duellen besch\u00e4ftigt, entwickelt man schon ein ganz gutes Gesp\u00fcr daf\u00fcr, wie es am Ende gelaufen ist. 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