{"id":1361,"date":"2016-02-22T13:52:56","date_gmt":"2016-02-22T11:52:56","guid":{"rendered":"http:\/\/frank-stauss.de\/?p=1361"},"modified":"2016-02-22T20:26:08","modified_gmt":"2016-02-22T18:26:08","slug":"auch-du-julia-brutus-kloeckner","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/frank-stauss.de\/index.php\/auch-du-julia-brutus-kloeckner\/","title":{"rendered":"Auch Du, Julia Brutus-Kl\u00f6ckner"},"content":{"rendered":"<p><strong>Oder: Die Iden des M\u00e4rz in Rheinland-Pfalz.<\/strong><\/p>\n<p><em>Vor drei Monaten lag die CDU in Rheinland-Pfalz 11 Prozentpunkte vor der SPD. Jetzt sind es noch zwei. \u00c4hnlich wie in Baden-W\u00fcrttemberg droht der CDU auf den letzten Metern ein Debakel \u2013 was vor allem an der Spitzenkandidatin Julia Kl\u00f6ckner liegt. Und nicht an der Bundeskanzlerin.<\/em><\/p>\n<p>Wie schafft man es, in nur drei Monaten einen zweistelligen Vorsprung zu verspielen? Nun, wie man das eben immer tut: Mit Hektik, \u00fcberambitionierten Pl\u00e4nen, Paniksch\u00fcben, offenen Widerspr\u00fcchen, permanenten Kurskorrekturen und vor allem mit einem Wahlkampf gegen die eigene Partei. Es ist eigentlich immer das gleiche Schema \u2013 unabh\u00e4ngig von der Partei und der Person sind die Wahlkampf-Geschichtsb\u00fccher voll davon. Und dennoch werden diese Fehler immer wieder begangen.<\/p>\n<p>Nun also Julia Kl\u00f6ckner in Rheinland-Pfalz. Satte 41% f\u00fcr die CDU und nur 30% f\u00fcr die SPD prognostizierte die Forschungsgruppe Wahlen am 6.11.2015, also vor gerade einmal drei Monaten. Das politische Berlin hakte die Wahl ab und die Journalisten orakelten \u00fcber Katastrophenszenarien f\u00fcr die SPD. Der Hinweis darauf, dass alle uns vorliegenden Daten zur Direktwahlfrage, den Kompetenzzuordnungen und Sympathiewerten eindeutig zugunsten von Malu Dreyer ausfallen und sich das auch in der Sonntagsfrage niederschlagen w\u00fcrde, wurde milde bel\u00e4chelt.<\/p>\n<p>Jetzt sehen wir in Rheinland-Pfalz aber ebenso in Baden-W\u00fcrttemberg, dass die N\u00e4he zum Wahltag entscheidend ist in einem Jahr, in dem bundespolitische und internationale Themen die Agenda bestimmen. Erst in den letzten drei bis vier Wochen vor der Wahl wird die Aufmerksamkeit der W\u00e4hlerinnen und W\u00e4hler langsam auf die bevorstehende Abstimmung im eigenen Bundesland gelenkt. Dies ist nat\u00fcrlich auch eine Folge der ver\u00e4nderten Mediennutzung, in der die Landespolitik einen immer geringeren Stellenwert einnimmt. In diesen Tagen beginnt nun aber die Debatte im Freundes- und Bekanntenkreis und in eher l\u00e4ndlich gepr\u00e4gten Bundesl\u00e4ndern funktioniert diese Interaktion auch noch einigerma\u00dfen.<\/p>\n<p>Kurzum: In Baden-W\u00fcrttemberg stellen sich immer mehr W\u00e4hler die Frage: Kretschmann oder Wolf? Offenbar f\u00e4llt die Antwort immer deutlich zugunsten des amtierenden Ministerpr\u00e4sidenten aus. Und in Rheinland-Pfalz lautet die Frage: Dreyer oder Kl\u00f6ckner?<br \/>\nUnd auch hier zeigen alle uns vorliegenden Daten: Die noch Unentschiedenen pr\u00e4ferieren eindeutig Malu Dreyer, w\u00e4hrend die CDU ausmobilisiert ist. Der CDU droht also, auf den letzten Metern die Puste auszugehen, w\u00e4hrend die SPD noch genug Potential besitzt, um am Wahlabend an der CDU vorbei zu ziehen.<\/p>\n<p>Diese Zahlen kennt nat\u00fcrlich auch Frau Kl\u00f6ckner und so h\u00e4mmerte sie \u00fcber das Wochenende in einer Panikkoalition mit Herrn Wolf einen neuen kruden Plan zusammen. Ihr erster Plan, \u201eA2\u201c genannt, war ja bereits gute zehn Tage alt und damit aus Sicht von Frau Kl\u00f6ckner offenbar v\u00f6llig veraltet. Jetzt also kommt \u201eA3\u201c und der einzige Unterscheid zu \u201eA2\u201c ist, dass \u201eA3\u201c der CDU-Parteivorsitzenden Angela Merkel noch heftiger in den R\u00fccken f\u00e4llt als \u201eA2\u201c.<\/p>\n<p><strong><em>Julia Kl\u00f6ckners neuer Plan ist nichts anderes als ein frisch gewetztes Messer im R\u00fccken der Kanzlerin. Und nichts anderes bezweckt Frau Kl\u00f6ckner. In ihrem Panikwahlkampf gegen die AfD opfert Frau Kl\u00f6ckner nicht nur die Kanzlerin, sondern gleich die gesamte moderate CDU. <\/em><\/strong><\/p>\n<p>Von der Herdpr\u00e4mie \u00fcber neue Geb\u00fchren f\u00fcr Kitas bis hin zu ihrer jetzt offenen Ablehnung der gleichberechtigten Homoehe, bedient Frau Kl\u00f6ckner die gesamte Klaviatur der CDU <em>vor<\/em> Merkel. Und vor dem 21. Jahrhundert. Vor allem aber widerspricht sie sich immer wieder selbst. Als es noch erfolgversprechend war, im Fahrwasser von Angela Merkel und Ursula von der Leyen die moderne CDU-Frau zu geben, war Frau Kl\u00f6ckner immer vorne mit dabei. Jetzt meint sie, dass das nicht mehr schick ist und wirft eben alles \u00fcber Bord. F\u00fcr harmoniegewohnte Unionsw\u00e4hler ist dieser offene Kampf gegen die eigene Kanzlerin nat\u00fcrlich h\u00f6chst irritierend und demobilisierend. Gleichzeitig verprellt Kl\u00f6ckner die m\u00fchsam hinzugewonnenen moderaten CDU-W\u00e4hler.<\/p>\n<p>Bei der Bundestagswahl 2013 kam die Merkel-CDU in Rheinland-Pfalz auf 43,3% der Stimmen. In der aktuellen Insa-Umfrage vom 22.2.2016 erreicht sie noch 35%. <strong>Julia Kl\u00f6ckner liegt aktuell satte 8,3% unter dem Bundestags-Wahlergebnis von Angela Merkel.<\/strong> Das hat nat\u00fcrlich auch mit dem Verlust der Moderaten zu tun. F\u00fcr diese wird jetzt immer offensichtlicher, wie eine CDU nach Merkel aussehen wird: konservativ und reaktion\u00e4r.<\/p>\n<p>Der Effekt ist selbsterkl\u00e4rend: Alle, die sich erst jetzt langsam f\u00fcr die Landtagswahl in Rheinland-Pfalz interessieren, sehen nicht mehr die moderate Frau Kl\u00f6ckner, sondern eine stramm konservative, hektische Kandidatin, die versucht, gegen die eigene Kanzlerin zu punkten. Das m\u00f6gen die Menschen nicht. Und die in Rheinland-Pfalz schon dreimal nicht.<\/p>\n<p>Die SPD kam bei der Bundestagswahl 2013 in Rheinland-Pfalz auf 27,5%, heute steht sie bei 33%, also bei einem Plus von 5,5%. Die Aufgabe der Mitte durch die Kl\u00f6ckner-CDU er\u00f6ffnet den Sozialdemokraten jetzt zus\u00e4tzliches Potential. Das Momentum liegt bei Malu Dreyer, die best\u00e4ndig Kurs h\u00e4lt und den Menschen offenbar ihres Vertrauens w\u00fcrdiger erscheint, als die Herausforderin.<\/p>\n<p>Julia Kl\u00f6ckner hat sich auf diesen Wahlkampf vorbereitet wie auf nichts anderes in ihrem Leben. Sie hat sich \u00e4u\u00dferlich und inhaltlich neu erfunden und versucht, jeden Trick zu lernen. Auch als jetzt ein Koblenzer CDU-Parteifreund die Ministerpr\u00e4sidentin deutlich unter der G\u00fcrtellinie angriff, konnte Frau Kl\u00f6ckner sich nicht einfach entschuldigen. Sie musste gleich darauf verweisen, dass es so etwas immer wieder auch in anderen Parteien gebe. Ein klassischer \u201eSpin\u201c. Nur eben so billig und durchschaubar wie ein \u201eSpin\u201c eben ist, wenn er plump und bauernschlau daherkommt. Wir Wahlk\u00e4mpfer nennen es \u201e\u00fcberprogrammiert\u201c, wenn sich ein Kandidat so randvoll gepumpt hat mit taktischen Man\u00f6vern, Soundbites und Westentaschentricks, dass er am Ende implodiert.<\/p>\n<p>Jetzt geht der Wahlkampf auf die Zielgerade und in den beiden Nachbarl\u00e4ndern Baden-W\u00fcrttemberg und Rheinland-Pfalz sieht es ganz danach aus, als ob die Staatskanzleien von Winfried Kretschmann und Malu Dreyer verteidigt w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Einmal mehr zeigt sich, dass man sich im Rampenlicht auf Dauer nicht verstellen kann. Charakter kann man nicht programmieren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Oder: Die Iden des M\u00e4rz in Rheinland-Pfalz. Vor drei Monaten lag die CDU in Rheinland-Pfalz 11 Prozentpunkte vor der SPD. Jetzt sind es noch zwei. \u00c4hnlich wie in Baden-W\u00fcrttemberg droht der CDU auf den letzten Metern ein Debakel \u2013 was vor allem an der Spitzenkandidatin Julia Kl\u00f6ckner liegt. Und nicht an der Bundeskanzlerin. 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