{"id":1348,"date":"2016-02-03T15:39:08","date_gmt":"2016-02-03T13:39:08","guid":{"rendered":"http:\/\/frank-stauss.de\/?p=1348"},"modified":"2016-02-03T19:29:07","modified_gmt":"2016-02-03T17:29:07","slug":"tausche-deutsch-gegen-elektrisch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/frank-stauss.de\/index.php\/tausche-deutsch-gegen-elektrisch\/","title":{"rendered":"Tausche deutsch gegen elektrisch."},"content":{"rendered":"<p><strong>Oder: Warum das die einzige Sprache ist, die von unserer Automobilindustrie verstanden wird.<\/strong><\/p>\n<p>Sydney Pollack zeichnet in seinem wunderbar schwerm\u00fctigen Film \u201eThe Electric Horseman\u201c das surreale Bild eines abgehalfterten Rodeoreiters (Robert Redford) auf die Leinwand, der als traurige Werbefigur mit bunten Gl\u00fchbirnen besetzt trostlos blinkend seine Runden dreht. M\u00fchsame Runden drehen muss im Deutschland des Jahres 2016 auch, wer die Bundesregierung bei ihrem selbsterkl\u00e4rten Ziel unterst\u00fctzen will, bis 2020 eine satte Million Elektrofahrzeuge auf deutsche Stra\u00dfen zu bringen. Ein Erfahrungsbericht.<\/p>\n<p>Ja gut, ich habe eine Schw\u00e4che, die andere nicht immer teilen. Ich teile nicht gerne. Also vor allem mein Auto nicht. Und ich mag auch gerne gro\u00dfe Autos, in denen ich am liebsten alleine sitze. Das ist in h\u00f6chstem Masse egoistisch, egozentrisch, egomanisch, ichbezogen und auch teuer. Dessen bin ich mir bewusst und trage mir einmal im Jahr ein schlechtes Gewissen im Kalender ein. Die anderen 364 Tage verdr\u00e4ngt sich mein Defizit von selbst. In den vergangenen zehn Jahren wurde meine Egozentrik hinreichend mit einem Mercedes CLS bedient. Ein wahrhaft wundersch\u00f6nes und margentr\u00e4chtiges deutsches Spitzenprodukt. Ich sch\u00e4tze beim Blick \u00fcber die Schulter die Weite und die Leere im Fond, die unber\u00fchrte Sch\u00f6nheit der hinteren Mittelkonsole, das noch neuduftende Ledergest\u00fchl, \u00fcber das ich in einem unbeobachteten Augenblick \u2013 und von diesen gibt es viele \u2013 liebevoll streichle. Aber gut, man geht wenigstens ein bisschen mit der Zeit. Bei der Neubestellung vor 4 Jahren war es daher immerhin schon ein \u201eBlue-Something-Diesel-Eco-Whatever\u201c, der nur noch die H\u00e4lfte von der Vorg\u00e4ngersau verbrauchte. Immerhin ist es kein SUV.<\/p>\n<p>Nun war es also wieder an der Zeit f\u00fcr etwas Neues und man schaute sich um. Der CLS ist immer noch super, aber der dritte in Folge muss nicht sein. Da bin ich untreu und auch zu vielem f\u00e4hig. Schnell verl\u00e4sst mein Blick die Grenzen von MB, wandert am Flughafen in Frankfurt kurz zum ausgestellten BMW i8, um festzustellen, dass dieser satte 37 km elektrisch fahren kann. Siebenunddrei\u00dfig Kilometer h\u00e4tte Redford auf seinem abgehalfterten Gaul und etwas Heu auch noch geschafft.<\/p>\n<p>Irgendwie angefixt von diesem Elektrokram weitete sich meine Suche aus und landete dann zwangsl\u00e4ufig bei Tesla. Dem Hobby von PayPal-Gr\u00fcnder Elon Musk, der neben seiner Autofabrik auch noch an wiederverwertbaren Weltraumraketen bastelt. Der Tesla schafft ordentliche Reichweiten von je nach Witterung 300-450 km und reicht damit f\u00fcr meinen Radius v\u00f6llig aus. Mehr als 400 km am St\u00fcck bin ich die vergangenen Jahre kaum noch gefahren. Da nehme ich den Zug oder fliege. M\u00fcsste ich aber nicht, denn Tesla hat auf eigene Kosten entlang aller Autobahnstrecken alle 200 km Super-Schnellladeger\u00e4te aufgestellt, an denen ich in Rekordzeit (maximal 30 Minuten) kostenlos Strom tanken kann.<\/p>\n<p>Hallo?! Ja, genau! Tesla hat nicht darauf gewartet, dass an deutschen Tankstellen vielleicht der Besitzer auf die Idee kommen k\u00f6nnte, mit Bezahlstrom und 30 Minuten Aufenthalt der Kunden Geld zu machen. Oder dass vielleicht der Staat f\u00fcr Infrastruktur sorgt. Die Freaks haben einfach von Oslo bis Lissabon und kreuz und quer dazwischen alle 200 km kostenlose Supercharger f\u00fcr ihre Kunden aufgestellt. Immer nach dem Motto: Probleme? Welche Probleme? Auf meinen ersten Langstreckenfahrten hat das super funktioniert. Das Navi sagte mir in Schwerin: \u201eVon hier bis zur Haust\u00fcr in Berlin reicht das nicht mehr. Aber in 120 km steht auf der Strecke ein Supercharger, da f\u00fchre ich dich hin und in 15 Minuten hast Du soviel Saft, dass es bis nach Mitte dicke reicht\u201c. Gro\u00dfartig!<\/p>\n<p>Die Karre sieht auch noch sehr geil aus. Nicht so scharf wie der CLS, aber eben auch nicht wie diese ersten Hybriden von Toyota, die aussahen wie ein aufgebockter toter Fisch.<\/p>\n<p>Da ich ja ein sehr politischer Mensch bin, wurde ich jetzt langsam ein bisschen zornig. <strong>Warum muss erst ein dahergelaufener Internetmilliard\u00e4r kommen, um den Deutschen zu zeigen, wie man ein Elektroauto baut?<\/strong> Und wie konnte das passieren, nachdem wir hier schon das Hybridauto sauber verpennt hatten? Wie kann es eigentlich sein, dass im Vorzeigeland der Automobilindustrie und Worldwide Supervorreiter der Energiewende ein Auto mit 37 km elektrischer Reichweite \u00fcberhaupt noch pr\u00e4sentiert wird? Verstecken sollte man es und die \u201eIngenieure\u201c zum Sch\u00e4men in die Ecke stellen.<\/p>\n<p>Sobald ich das Thema Elektroantrieb oder gar Tesla bei einem H\u00e4ndler \u2013 von BMW \u00fcber Porsche zu Mercedes \u2013 anspreche: immer die gleichen Antworten. Interessante Spielerei. Reichweite. Exot. Reichweite. Braucht man nicht wirklich. Reichweite. Der Deutsche geht auf Nummer Sicher. Reichweite. Die Menschen haben Benzin im Blut und brauchen einen r\u00f6hrenden Motor. Reichweite&#8230;..Da kann ich nur sagen: wie peinlich ist das denn? Da baut ein Nobody ein Auto mit 250 km\/h Spitze, von 0 auf 100 in 3,3 Sekunden, Allrad mit allem drum und dran, einer lebenslangen kostenlosen SIM und begegnet den Reichweite-Bedenkentr\u00e4gern mit privat finanzierten Ladestationen. Ich kann da nur sagen: Hut ab! Und wenn die Chinesen weiter in ihrem eigenen Dreck ersticken, finden sie ein Elektroauto vielleicht auch noch viel spannender als Made in Germany Luxusautos.<\/p>\n<p>Und f\u00fcr alle \u201eBenzin-im-Blut\u201c Nostalgiker. Seit ich den Tesla fahre und an der Tankstelle nur noch an der Waschanlage auftauche, werde ich nicht von \u00d6kofreaks oder Professoren belagert und mit Fragen bombardiert, sondern von Taxifahrern, Brummifahrern, Motorradfahrern und vielen anderen, die vor Begeisterung jauchzen, wenn ich die \u201eMotorhaube\u201c \u00f6ffne und man was sieht? Eben. Keinen Motor. \u201eDas ist die Zukunft\u201c h\u00f6re ich dann immer wieder und zwar v\u00f6llig ohne Nostalgie. Jeder von denen w\u00fcrde seinem Motor sofort einen Tritt in den Arsch versetzen, wenn die Elektroautos nicht so teuer w\u00e4ren. <strong>In sehr naher Zukunft kann das dazu f\u00fchren, dass wir ganz sch\u00f6n weit hinten landen auf den Innovationspl\u00e4tzen und Wertsch\u00f6pfungsketten dieser Welt.<\/strong> Mal ganz abgesehen davon, dass es nicht nur dem Luxussegment an den Kragen gehen wird, sondern vor allem auch den t\u00e4glich genutzten Kleinwagen, mit denen sowieso kaum jemand weiter als 50 km am Tag f\u00e4hrt.<\/p>\n<p>Am Ende fiel die Entscheidung also leicht und ich habe sie nach jetzt 6 Wochen nicht im Geringsten bereut. Klar, man muss sich etwas umgew\u00f6hnen und ich genie\u00dfe den Luxus, dass mein Wagen in einer Tiefgarage parkt, in die ich einen Starkstromanschluss legen konnte. Aber in Garagen stehen 60% aller Autos und vor allem die teuren. Ein weiterer Antrieb war aber auch, dass man in den deutschen Konzernzentralen vermutlich erst dann den Schuss h\u00f6rt, wenn noch mehr K\u00e4ufer im Luxussegment abwandern. Denn ich w\u00e4re nie auf die Idee gekommen, zu wechseln, wenn mir Mercedes, BMW oder Audi ein wirklich gutes Produkt angeboten h\u00e4tten.<\/p>\n<p>Im Jahr 2002 brachte mein heutiger Gatte, der damals noch in New York lebte, mir einen nagelneuen iPod mit, der gerade auf den Markt gekommen war. Den schaute ich mir kurz an und sagte: \u201eDaniel, das Ding braucht kein Mensch.\u201c An meinem sicheren Gesp\u00fcr f\u00fcr Megatrends hat sich bis heute nichts ge\u00e4ndert und daher sage ich der deutschen Automobilindustrie: 37 km elektrisch? Reicht dicke! Macht euch nur nicht kirre. Nutzt eure Kreativit\u00e4t lieber, um die Software f\u00fcr eure alten Stinker zu pimpen. Elektroautos braucht kein Mensch. IHR PENNER!<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/frank-stauss.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/IMG_3592-1.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-large wp-image-1354\" src=\"http:\/\/frank-stauss.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/IMG_3592-1-225x300.jpg\" alt=\"IMG_3592 (1)\" width=\"225\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/frank-stauss.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/IMG_3592-1-225x300.jpg 225w, https:\/\/frank-stauss.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/IMG_3592-1-113x150.jpg 113w, https:\/\/frank-stauss.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/IMG_3592-1-624x832.jpg 624w\" sizes=\"(max-width: 225px) 85vw, 225px\" \/><\/a><a href=\"http:\/\/frank-stauss.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/IMG_3597-1.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-large wp-image-1355\" src=\"http:\/\/frank-stauss.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/IMG_3597-1-256x300.jpg\" alt=\"IMG_3597 (1)\" width=\"256\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/frank-stauss.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/IMG_3597-1-256x300.jpg 256w, https:\/\/frank-stauss.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/IMG_3597-1-128x150.jpg 128w, https:\/\/frank-stauss.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/IMG_3597-1-624x731.jpg 624w\" sizes=\"(max-width: 256px) 85vw, 256px\" \/><\/a><\/p>\n<p>I say goodbye and I say hello, hello, hello!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Oder: Warum das die einzige Sprache ist, die von unserer Automobilindustrie verstanden wird. 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