{"id":1239,"date":"2015-09-16T13:05:33","date_gmt":"2015-09-16T11:05:33","guid":{"rendered":"http:\/\/frank-stauss.de\/?p=1239"},"modified":"2015-09-16T13:05:33","modified_gmt":"2015-09-16T11:05:33","slug":"die-grosse-rede-des-olaf-scholz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/frank-stauss.de\/index.php\/die-grosse-rede-des-olaf-scholz\/","title":{"rendered":"Die gro\u00dfe Rede des Olaf Scholz"},"content":{"rendered":"<p>Wenn man sich \u00fcber viele Jahre mit politischer Kommunikation besch\u00e4ftigt, dann kommt man an bedeutenden Reden nat\u00fcrlich nicht vorbei. Von manchen Reden kennen wir nur noch ber\u00fchmte Soundbites (&#8222;I have a dream&#8220;, &#8222;Ich bin ein Berliner&#8220;, &#8222;A house divided against itself cannot stand&#8220;. &#8222;Der 8. Mai war ein Tag der Befreiung&#8220;) &#8211; aber eine richtig gut komponierte Rede in G\u00e4nze zu lesen ist leider ein seltenes Vergn\u00fcgen geworden.<\/p>\n<p>Am 12. September 2015 hielt Olaf Scholz in Hamburg so eine Rede. Und ich m\u00f6chte euch empfehlen, die Zeit zu nehmen, diese ganz zu lesen. Es lohnt sich.<\/p>\n<p>Mein liebster Absatz:<br \/>\n<em>&#8222;Sie sehen kleine Jungs, die vielleicht aus Syrien kommen und mit kleinen deutschen Fahnen winken, Sie k\u00f6nnen Geschichte, die gerade passiert, hier erleben: Auf dem Hauptbahnhof, in ihrem Viertel. Sie haben die Chance, der Geschichte Deutschlands ein neues, gutes Kapitel hinzuzuf\u00fcgen.&#8220;<\/em><\/p>\n<p><strong>Rede zur Kundgebung \u201eHamburg bekennt Farbe\u201c f\u00fcr Demokratie, Toleranz und Vielfalt<\/strong><\/p>\n<p>Sehr geehrte Frau Pr\u00e4sidentin der B\u00fcrgerschaft,<br \/>\nliebe Hamburgerinnen und Hamburger,<\/p>\n<p>am Durchgang zu Br\u00fccke 3 an den St. Pauli Landungsbr\u00fccken gibt es eine Gedenktafel. Sie erinnert an 900 deutsche Juden, die hier in Hamburg im Mai 1939 auf der Flucht vor dem Terror der Nationalsozialisten das Schiff \u201eSt. Louis\u201c bestiegen. Voller Trauer und auch mit Hoffnung verlassen sie ihr Land mit g\u00fcltigen Einreisepapieren f\u00fcr Kuba und die USA. Und kommen nie da an.<\/p>\n<p>Gustav Schr\u00f6ter hie\u00df der Kapit\u00e4n, des Dampfers der HAPAG-Rederei, der alles versuchte, um f\u00fcr die Fl\u00fcchtlinge einen sicheren Hafen zu finden. Trotz der Zusage weist Kuba die Fl\u00fcchtlinge ab und auch Roosevelt, damals Pr\u00e4sident der USA, will niemanden mehr aufnehmen. Die Fl\u00fcchtlinge sehen schon die Lichter von Miami als das Kommando aus Hamburg kommt: Die \u201eSt. Louis\u201c muss zur\u00fcck. Zur\u00fcck nach Deutschland, das bedeutete den sicheren Tod. Inzwischen wird die Welt\u00f6ffentlichkeit auf das Schicksal der verzweifelten Juden aufmerksam. Im Juni kommt die erl\u00f6sende Nachricht: Belgien, Holland, Frankreich und England nehmen die Fl\u00fcchtlinge auf. Fast alle \u00fcberleben den Krieg, dennoch 254 der Passagiere, die auf den Kontinent verteilt wurden, ermorden die Nazis. Wir d\u00fcrfen die St. Louis, und das Schicksal ihrer Passagiere nicht vergessen, wenn wir heute handeln!<\/p>\n<p>Denn: Unter den Augen der Welt\u00f6ffentlichkeit, fliehen auch heute wieder Frauen, M\u00e4nner und Kinder vor Krieg und Terror.<\/p>\n<p>Sie fliehen aus Syrien. Seit mehr als vier Jahren tobt dort ein Krieg, der aus einem Aufstand gegen das Regime hervorgegangen ist und mittlerweile mehrere k\u00e4mpfende Parteien hat. Vor allem aber hat er s\u00e4mtlichen St\u00e4dten und Regionen massenhaft Tod und Zerst\u00f6rung gebracht. Die staatlichen Strukturen zerfallen. Das Risiko f\u00fcr die Bev\u00f6lkerung, Opfer von Gewaltakten zu werden ist sehr hoch und die Terrororganisation IS kontrolliert gro\u00dfe Teile vor allem im Osten des Landes.<\/p>\n<p>Sie fliehen aus Afghanistan: Frauen, M\u00e4nner und Kinder. Wir kennen die lange tragische Vorgeschichte des Landes, \u00fcber das jahrzehntelang immer andere bestimmt haben und wo das Leben und die Rechte der Bewohner geringen Wert hatten. Nach dem Ende von ISAF ist die Sicherheitslage in vielen Landesteilen instabil.<\/p>\n<p>Sie fliehen aus dem Irak, weiterhin eines der gewaltt\u00e4tigsten und gef\u00e4hrlichsten L\u00e4nder der Welt. Durch Terroranschl\u00e4ge und Gewalttaten sind in den vergangenen Jahren unz\u00e4hlige Bewohner ums Leben gekommen. Man spricht von etwa 3,7 Millionen Irakern, die sich bis heute auf der Flucht befinden, \u00fcbrigens die H\u00e4lfte davon im eigenen Land.<\/p>\n<p>Die Sicherheitslage ist im Irak fast \u00fcberall schlecht, am meisten in den Provinzen, die unter Kontrolle terroristischer Milizen stehen. Ja auch hier w\u00fctet der Terrorismus des IS, werden Unz\u00e4hlige wegen ihres Glaubens verfolgt.<\/p>\n<p>Aus Eritrea und Somalia, zwei L\u00e4ndern einer Katastrophenregion kommen Fl\u00fcchtlinge, die in Deutschland Asyl suchen. In Eritrea, einer pr\u00e4sidialen Diktatur ohne Gewaltenteilung, wird die Lage seit Jahren durch den Grenzkonflikt mit \u00c4thiopien bestimmt. Die Gesellschaft ist weitgehend militarisiert, Grundrechte k\u00f6nnen so gut wie \u00fcberhaupt nicht wahrgenommen werden, es gibt Sondergerichte und zahlreiche Regimekritiker sind in den vergangenen 15 Jahren ohne rechtsstaatliche Verfahren verhaftet und an geheimen Orten inhaftiert worden.<\/p>\n<p>Hamburg steht \u2013 aus all diesen Gr\u00fcnden \u2013 vor einer gro\u00dfen Aufgabe. Und ich habe den Eindruck, dass sehr viele Hamburgerinnen und Hamburger mutig und mit ganzem Herzen an diese Aufgabe gehen. Hamburg bekennt Farbe\u2026 oder wonach sieht es sonst aus?<\/p>\n<p>Viele, die zurzeit zu uns kommen, tun das \u00fcbrigens auch, Farbe bekennen. Manche ganz w\u00f6rtlich, indem sie sich mit Fingerfarben schwarz\/rot\/gold markiert haben. Andere, indem sie auf die Frage, wie sie sich kurz nach ihrer Ankunft jetzt f\u00fchlen, als erstes sagen: frei und optimistisch, und ich m\u00f6chte am liebsten in einem bekannten Industriebetrieb arbeiten. Oder Informatik studieren. Jedenfalls: etwas tun und vorankommen.<\/p>\n<p>Nicht jeder Traum wird in Erf\u00fcllung gehen \u2013 viele hoffentlich ja \u2013, aber dass wir f\u00fcr so viele ein Hoffnungsland, das Hoffnungsland sind, kann uns \u2013 noch w\u00e4hrend wir tief durchatmen angesichts der Aufgabe und der Verantwortung \u2013 kann uns stolz machen.<\/p>\n<p>Viele sind heute hier, die so denken und f\u00fchlen und das f\u00fcr alle h\u00f6rbar zum Ausdruck bringen wollen; andere sind nicht hier, weil sie auch jetzt zur Stunde anpacken und helfen an einer Stelle, an der sie gebraucht werden. Ich danke allen sehr herzlich. Ohne Sie, Ihren Einsatz und Ihr Bekenntnis zur Hilfsbereitschaft ginge es nicht.<\/p>\n<p>Das \u00fcbrigens ist patriotisches Handeln. Im Vorfeld der f\u00fcr heute angemeldeten Demonstration ist versucht worden, dem Begriff eine falsche Bedeutung zu geben. Patriotismus ist gut, er bedeutet, sich als B\u00fcrgerin und B\u00fcrger f\u00fcr das Gemeinwohl zu engagieren. Er bedeutet nicht, sich aggressiv und herabw\u00fcrdigend gegen andere abzugrenzen, Fl\u00fcchtlinge und Zuwanderer auszugrenzen, sich fremdenfeindlich und nationalistisch zu verhalten. Sondern: Gegenseitige Hilfe und Solidarit\u00e4t, die machen unsere Gesellschaft stark.<\/p>\n<p>Gro\u00df ist die Aufgabe, kein Zweifel, vor der Hamburg steht \u2013 wie ganz Deutschland, wie ganz Europa. Fast 20.000 Fl\u00fcchtlinge, die an einem einzigen Wochenende allein \u00fcber Ungarn in Deutschland angekommen sind; vielleicht 40.000 an diesem Wochenende. Das ist eine Situation, die uns Fragen stellen l\u00e4sst, die uns herausfordert. Und doch: wenn auf dem Budapester Bahnhof verzweifelte Fl\u00fcchtlinge Deutschland rufen, Germany, Germany, dann bleibt keiner von uns unber\u00fchrt. Wenn im Internet, in den sozialen Netzwerken, in den Nachrichtensendungen der Fernsehsender in aller Welt gezeigt wird, wie in den Bahnh\u00f6fen Deutschlands Fl\u00fcchtlinge mit Beifall empfangen werden, dann d\u00fcrfen wir ein wenig gl\u00fccklich sein \u00fcber unser Land. Unser Land, das in der ersten H\u00e4lfte des 20. Jahrhunderts so viel Unheil angerichtet hat und das sich zu Beginn des 21. Jahrhunderts von einer ganz anderen Seite zeigt.<\/p>\n<p>Migration und Zuwanderung geh\u00f6ren zur Geschichte Hamburgs.<br \/>\nHamburg hat z.B. nach dem Krieg, in Zeiten von Hunger, Arbeitslosigkeit und vollst\u00e4ndiger Entkr\u00e4ftung 275.000 Heimatvertriebene und Fl\u00fcchtlinge aufgenommen. In der Stadt gab es damals keine 300.000 Wohnungen, die H\u00e4lfte der einstigen Wohnungen waren zerst\u00f6rt. 1,7 Millionen Menschen lebten im zerst\u00f6rten Hamburg.<\/p>\n<p>Und Hamburg hat es doch geschafft. Sie kennen die Bilder von den Baustellen und den Nissenh\u00fctten. Wir sehen sie heute als Symbole einer Zeit des beispiellosen Aufbaus, der Eingliederung und der Hoffnung.<\/p>\n<p>Aufbau, Eingliederung und Hoffnung, das sind drei Faktoren, die f\u00fcr das Wirtschaftswunder der Nachkriegsjahre eine entscheidende Rolle spielten. Viele von Ihnen, die heute hier auf dem Rathausmarkt stehen, haben diese Zeit erlebt, haben vielleicht selbst Eltern oder Gro\u00dfeltern, die fliehen mussten.<\/p>\n<p>Die Aufgabe heute klingt deshalb \u00e4hnlich und ist doch anders: Eingliederung wird ein langer Weg. Er beginnt mit Sprachkursen und Integration in Schulen. Es geht weiter mit der Integration in den Arbeitsmarkt und in das soziale Umfeld. Die Frauen und M\u00e4nner, die zu uns kommen, sprechen andere Sprachen, kommen aus anderen Traditionen und haben andere Wurzeln. Es wird Probleme geben. Und Konflikte. Und die Herausforderung, der wir uns stellen, darf nicht klein geredet werden. Das hilft niemandem; schon gar nicht den Fl\u00fcchtlingen. Unterk\u00fcnfte m\u00fcssen schnell geschaffen werden und werden lange das Stadtbild pr\u00e4gen. Wir m\u00fcssen Kitas und Schulen ausbauen und noch mehr Wohnungen errichten. Wir brauchen Wachstum und Arbeitspl\u00e4tze. Und die \u00f6ffentlichen Finanzen werden in ungeplanter und nicht gekannter H\u00f6he in Anspruch genommen. Und weil wir die Gr\u00f6\u00dfe der Herausforderung genau kennen und nicht untersch\u00e4tzen, k\u00f6nnen wir doch sagen: wir kriegen das hin!<\/p>\n<p>Ja, wir werden Unterst\u00fctzung leisten \u2013 und gleichzeitig werden wir Anforderungen stellen: Die demokratische, s\u00e4kulare und tolerante Gesellschaft, die die Fl\u00fcchtlinge freundlich aufnimmt, wird sich ver\u00e4ndern, aber sie wird auch weiterhin demokratisch, s\u00e4kular und tolerant sein!<\/p>\n<p>Wir werden darauf bestehen, dass nicht nur Nahrung und Hilfsangebote, sondern auch unsere Werte weiter gegeben werden. Werte von Leistung und Zuverl\u00e4ssigkeit, die unsere Arbeitswelt pr\u00e4gen, freiheitliche Werte, von Selbstbestimmung und Respekt, die den Umgang mit Religion und Sexualit\u00e4t bestimmen und politische Werte der Partizipation und Anerkennung von Opposition.<\/p>\n<p>Meine Damen und Herren,<br \/>\nDeutschland und Hamburg haben aus bitteren Erfahrungen mit Gewalt und Extremismus gelernt. Wir sind Demokraten. Als Demokraten schenken wir denen, die Gewalt und Hass verbreiten, nicht unsere Angst. Wir wollen sie nicht gr\u00f6\u00dfer machen als sie sind. Sie werden nicht zerst\u00f6ren, was unser Miteinander ausmacht: den Respekt vor der W\u00fcrde der Menschen.<\/p>\n<p>Weit jenseits unserer Werte- und unserer Rechtsordnung stehen diejenigen, die Fl\u00fcchtlingsunterk\u00fcnfte anz\u00fcnden und Menschen bedrohen, wom\u00f6glich gewaltt\u00e4tig angreifen. Weit jenseits von demokratischen Werten stehen auch alle, die Argumente durch Ressentiments ersetzen und die Gesellschaft spalten, statt zu erkennen, dass das Gegenteil gefragt ist: zusammenhalten.<\/p>\n<p>Und ich bin froh, dass in Deutschland eine so deutliche Mehrheit die \u00f6ffentliche Diskussion bestimmt, die f\u00fcr den Zusammenhalt steht. Und dabei k\u00f6nnen wir uns auf engagierte Medien, die kontrovers, investigativ und an Fakten orientiert arbeiten, verlassen; Medien, denen es gelingt, ein so hoch emotional besetztes Thema zu strukturieren und die Gef\u00fchle trotzdem zuzulassen.<\/p>\n<p>Wir stehen f\u00fcr eine Stadt, die von ihrer Vielfalt und ihrer Weltoffenheit lebt. So sagt es der Aufruf zu dieser Kundgebung, den ein gro\u00dfes B\u00fcndnis unterschrieben hat. Und ich f\u00fcge hinzu: In ganz Deutschland erkennen wir immer klarer, dass die Welt so oder so n\u00e4her zusammenr\u00fcckt und dass es gut ist, diese Entwicklung zu gestalten.<\/p>\n<p>Klar ist auch, dass Fortschritte im Kampf gegen Fluchtursachen erzielt werden m\u00fcssen, auch wenn diese Ursachen komplex und in vielen F\u00e4llen der Einfluss Europas gering ist. Mehr Hilfe f\u00fcr die Nachbarl\u00e4nder der Krisengebiete w\u00e4re ein Schritt, \u00fcberhaupt Krisenbew\u00e4ltigung und -pr\u00e4vention. Entwicklungspolitik hat seit jeher ihre Grenzen dort, wo kaum Staatlichkeit besteht, schon gar nicht demokratisch legitimierte, und wo institutionelle Strukturen und die M\u00f6glichkeit friedlicher Konfliktl\u00f6sung stabilisiert oder erst geschaffen werden m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Die vielen Fl\u00fcchtlinge sind eine gemeinsame Sache Europas. Alle L\u00e4nder Europas m\u00fcssen zusammen handeln. Und es ist gut, dass dar\u00fcber jetzt geredet oder genauer \u2013 gestritten \u2013 wird. Unsere gemeinsamen \u00dcberzeugungen sind ja nicht schon immer da. Sie sind in der offenen Gesellschaft das Ergebnis eines Ringens um den richtigen Standpunkt. Unser Standpunkt ist klar: alle L\u00e4nder m\u00fcssen Fl\u00fcchtlinge aufnehmen. Nicht nur einige wenige.<\/p>\n<p>Hamburg wird einen eigenen Beitrag leisten. Wir konzentrieren \u2013 wie das ganze Land \u2013 unsere Hilfe auf diejenigen, die zu uns kommen und Schutz vor Verfolgung und Krieg suchen. Wir werden die Herausforderung annehmen und beispielhaft L\u00f6sungen finden. Das betrifft aktuell zu allererst die Unterbringung, und zwar die Erstaufnahme und die Folgeunterbringung. Viele Unterk\u00fcnfte sind durch vereinte Anstrengungen schon geschaffen worden, darunter etliche Zeltd\u00f6rfer, die hoffentlich nur eine vor\u00fcbergehende L\u00f6sung und keine f\u00fcr die Wintermonate sein werden. Wir werden mit Provisorien leben m\u00fcssen, das geht gar nicht anders. Weder hier noch sonst wo auf der Welt. Und doch: Wir werden stolz sein k\u00f6nnen, dass wir uns k\u00fcmmern, dass wir nicht nachlassen, unsere Kr\u00e4fte zu b\u00fcndeln, und gemeinsam anzupacken.<\/p>\n<p>Die Beh\u00f6rden dieser Stadt, ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter leisten in diesen Tagen Gro\u00dfes und die Zustimmung und Mithilfe der Hamburgerinnen und Hamburger ist ebenfalls gro\u00df, fast an allen Standorten gibt es Unterst\u00fctzerinitiativen. Ich bitte alle, darin nicht nachzulassen. Und vor allem: Danke!<\/p>\n<p>Ich danke auch f\u00fcr die Initiativen der Handelskammer und der Handwerkskammer, \u00fcberhaupt der hamburgischen Wirtschaft und vieler einzelner Betriebe. Denn der entscheidende Schl\u00fcssel zur Integration besteht in schnellerer und besserer Ausbildung und darin, dass so viele wie m\u00f6glich in eine berufliche T\u00e4tigkeit vermittelt werden.<\/p>\n<p>Hamburg hat seinerseits sein neues Projekt \u201eWork and Integration for Refugees\u201c vorgestellt, kurz \u201eWIR\u201c. Wir, ein gutes Wort! Es geht darum, vorhandene Qualifikationen abzufragen, alle Personen im erwerbsf\u00e4higen Alter zu registrieren und diejenigen mit einer guten Bleibeperspektive in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Das hei\u00dft unter anderem, die ungef\u00e4hr 15.000 offenen Stellen f\u00fcr sozialversicherungspflichtige T\u00e4tigkeiten, die es in Hamburg gibt, zu besetzen, wovon alle Seiten etwas haben. Und nat\u00fcrlich ist auch hier das Deutschlernen das A und O. Hamburg wird seine guten Erfahrungen mit der Jugendberufsagentur nutzen.<\/p>\n<p>Meine Damen und Herren,<br \/>\n\u201eGestern bin ich mit dem Zug aus M\u00fcnchen, gemeinsam mit hunderten Fl\u00fcchtlingen gekommen\u201c, das sind die Geschichten die sich Hamburgerinnen und Hamburger heute erz\u00e4hlen. Sie sehen kleine Jungs, die vielleicht aus Syrien kommen und mit kleinen deutschen Fahnen winken, Sie k\u00f6nnen Geschichte, die gerade passiert, hier erleben: Auf dem Hauptbahnhof, in ihrem Viertel. Sie haben die Chance, der Geschichte Deutschlands ein neues, gutes Kapitel hinzuzuf\u00fcgen.<\/p>\n<p>Es ist eine logistische Herausforderung, es ist eine gigantische finanzielle Herausforderung. Aber all das ist zu schaffen, wenn Sie alle weiter mitmachen.<br \/>\nDeutschland hat sich ver\u00e4ndert. Durch Sie.<\/p>\n<p>Meine Damen und Herren,<br \/>\ngleich um 12 Uhr wollen alle Radiosender Hamburgs ein ber\u00fchmtes Lied spielen, um an den alten und immer neuen Traum zu erinnern:<\/p>\n<p>\u201eImagine all the people \/ Living life in peace\u201c<\/p>\n<p>von John Lennon, dem Engl\u00e4nder und vor\u00fcbergehend Hamburger, dem dieser Traum, diese Erkenntnis, dass wir alle zusammengeh\u00f6ren, nicht in die Wiege gelegt wurde. Er hat sich durch trial and error zu dieser Erkenntnis durchk\u00e4mpfen m\u00fcssen, und er ist f\u00fcr sie eingestanden, auch gegen mancherlei Hohn, Spott und Anfeindung. Wir alle sollten nicht davor zur\u00fcckscheuen, uns st\u00e4ndig weiter zu entwickeln, als Einzelne und als Gesellschaft, und daf\u00fcr einzustehen, dass wir alle zusammengeh\u00f6ren und dass wir gerade f\u00fcr die Platz haben, die unsere Hilfe brauchen.<\/p>\n<p>Ich danke Ihnen.<\/p>\n<p>Es gilt das gesprochene Wort.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn man sich \u00fcber viele Jahre mit politischer Kommunikation besch\u00e4ftigt, dann kommt man an bedeutenden Reden nat\u00fcrlich nicht vorbei. Von manchen Reden kennen wir nur noch ber\u00fchmte Soundbites (&#8222;I have a dream&#8220;, &#8222;Ich bin ein Berliner&#8220;, &#8222;A house divided against itself cannot stand&#8220;. &#8222;Der 8. 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